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Heinz Günthardt (52), Schweizer Ex-Tennisprofi ( 5 Einzel- und 22 Doppeltitel - einmal Wimbledon und einmal French Open ), verheiratet mit dem früheren schwedischen Fotomodel Cecilia Oegren, drei Kinder, Kommentator beim Schweizer Fernsehen, Trainer von Jennifer Capriati, Jelena Dokic, Ana Ivanovic und zwölf Jahre von Steffi Graf, die mit ihm zwölf Major-Titel holte.

„Muss spüren, wo ich helfen kann" 

Herr Günthardt, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Andrea Petkovic?
Heinz Günthardt: Über meinen Bruder, der von Andreas Papa im November letzten Jahres kontaktiert worden war. Zum ersten Mal gespielt haben wir dann im Dezember.

Die Idee einer Zusammenarbeit ging also von Herrn Petkovic aus?
Heinz Günthardt:  Herr Petkovic hatten mit meinem Bruder etwas anderes zu besprechen gehabt und dabei eine Zusammenarbeit angeregt, bevor er Kontakt mit mir aufnahm. Ich habe dann zugesagt, weil ich mein Wissen gern an Leute weitergebe, die für Tennis sind.

Wie geht das zusammen: Tourcoach Petar Popovic, Mentaltrainer Holger Fischer, der Vater Tennistrainer und Sie?
Heinz Günthardt:  So etwas ist People-Business (Teamwork). Da kann man kein Konzept machen, wer für was zuständig ist. Man muss spüren, wo ich helfen kann und wo ich besser nichts dazu sage. Es geht hier um Details und die Art und Weise, wie man die Dinge zusammen angehen könnte. Wir waren in Madrid beim Turnier zu dritt und das hat ausgezeichnet funktioniert.

Wie läuft die Aufgabenverteilung in der Praxis ab?
Heinz Günthardt:  Klar ist, Petar ist der Coach und zuständig in allen Bereichen. Ich bin so etwas wie eine „second opinion" (zweite Meinung), also ein zweiter Berater, der eine gewisse Distanz dazu hat. Man diskutiert untereinander, was sinnvoll ist und was nicht, wenn einer gewisse Dinge anders sieht. Jeder von uns hat Grundvorstellungen davon, wo Andrea sich verbessern könnte. Die Frage ist, wie geht man das an. Bei verschiedenen Möglichkeiten muss man eine Übereinstimmung finden, sonst geht es nicht vorwärts. Und diese Diskussion führe ich logischerweise mit Petar, und dann bleibt es ihm überlassen, ob er das gut oder schlecht findet.

Das heißt, Sie kommunizieren nicht nur mit Andrea Petkovic, sondern tauschen sich primär mit Petar Popovic aus?
Heinz Günthardt:  Absolut richtig. Das meiste wird zwischen Petar und mir im Vorfeld besprochen, und da geht es nicht nur um Turniere, sondern  auch das Training.

Sind Sie auch Andreas Teilzeitcoach, wenn es Ihnen in den Kram passt?
Heinz Günthardt: Ungefähr so (lacht). Ich bin bei vielen Turnieren fürs Fernsehen sowieso vor Ort und werde bei Bedarf auch einspringen, wenn ich Zeit habe.

Haben Sie einen Vertrag mit Andrea Petkovic oder ihrem Vater gemacht?
Heinz Günthardt: Momentan habe ich keinen. Es gibt kein Papier, nur einen Handschlag. Aber ich gehe davon aus, dass ich auch bezahlt werde.

War Ihre große Erfahrung der Hauptgrund für die Zusammenarbeit?
Heinz Günthardt:  Ich bin schon sehr lange in diesem Geschäft, habe sehr viel gesehen und das Glück gehabt, mit sehr guten Spielerinnen gearbeitet zu haben. Ich habe so ein Gefühl dafür entwickelt, wo man an der Schraube ein wenig drehen könnte, um die paar Prozente herauszuholen, die es braucht, um vielleicht auch mal ein großes Turnier gewinnen zu können.

Wo haben Sie bisher mit Andrea Petkovic direkt zusammen gearbeitet?
Heinz Günthardt:  Mal kurzfristig an drei Tagen im Dezember bei Ihr zu Hause. Auch beim Turnier in Madrid. Um Andreas Spiel zwischen den Turnieren zu optimieren, muss man sie vorher bei Turnieren gesehen


und studiert haben, denn ab einem gewissen Punkt geht es um Details und dafür muss man ein Gespür entwickeln.


Wird Andrea Petkovic auch im Schweizer Tennis Zentrum mit Ihnen trainieren und geht das überhaupt mit einer Nichtschweizerin?
Heinz Günthardt: Absolut. Ich hoffe, dass solche Dinge im Schweizer Leistungszentrum öfter stattfinden. Aber bisher war das noch nicht der Fall.
Das Maß aller Dinge war Steffi Graf. Was trauen Sie Andrea Petkovic zu? Wie nah könnte sie an Steffi herankommen?

Heinz Günthardt: Die Latte ist zu hoch. Das ist ja auch der Fall in Deutschland gewesen. Steffi war doch eine Jahrhunderterscheinung, an der man Andrea nicht messen darf. Im Sport weiß man aber nie genau, wohin die Reise gehen kann. Man kann Andreas Reise an sich schon interessant finden. Wenn ich ihre Reise aber nur nehme, um irgendwo anzukommen, könnte ich den falschen Beruf haben.

Dennoch, was trauen Sie ihr zu?
Heinz Günthardt:  Im Moment ist die Leistungsdichte enorm hoch, die Spitze aber nicht unbedingt die beste, die ich je gesehen habe. Das führt dazu, dass es für viele in naher Zukunft mehr Möglichkeiten gibt, auch ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, wie Francesca Schiavone die French Open 2010. Das ist auch ein Zeichen für andere, dass im Prinzip alles möglich ist. Natürlich müssen gewisse Dinge zusammen kommen. Ich glaube, Andrea hat genügend Potential, gut genug zu sein, auch ein solches Turnier gewinnen zu können.

Warum waren Sie so lange so wichtig für Steffi?
Heinz Günthardt:  Ich weiß das Geheimnis auch nicht. Schwierig zu sagen, weil sie auch manchmal vorbeigestampft ist, und ob sie mir da zugehört hat, war nicht so richtig ersichtlich. Es  war auch keineswegs immer nur Sonnenschein. Es hat aber funktioniert, weil sehr viele Dinge zusammengepasst haben. So auch, weil wir nur 20 bis 25 Wochen im Jahr zusammen waren. Es gab aber noch andere, die einen sehr guten Job mit ihr gemacht haben.

Mit Blick auf Andrea Petkovic, was haben Sie für eine Mission?
Heinz Günthardt:  Ich finde es sehr spannend, mit talentierten Leuten arbeiten zu können und hatte das Glück, dass das in den letzten zwanzig Jahren immer wieder der Fall war. Ein Privileg. Meine Mission ist, zu versuchen, meine Position wieder möglichst gut auszufüllen, um anschließend sagen zu können, unter gewissen Umständen das Beste herausgeholt zu haben. Im Fall Andrea hatte ich gleich das Gefühl, die ersten Zwanzig schafft sie immer und muss dafür nur das Potential herausholen, was sie bereits hat. Und jetzt, nachdem die Luft natürlich immer dünner wird, muss man noch was drauflegen. Ob das machbar ist und wie weit, macht das Ganze spannend und kann niemand sagen. Aber wir sind dran. Ein Versuch ist es immer wert.

Es heißt, Porsche, der Hauptsponsor beim Stuttgarter Turnier, sei bei Ihrem Projekt involviert. Was läuft da?
Heinz Günthardt:  Mein Bruder meint, es wäre sinnvoll und super für den Porsche-Tennis-Grand-Prix, wenn die talentierten Mädels das Turnier unterstützen würden. Es geht bei Porsche nun darum, eine Strategie zu entwickeln, wie das eingebettet wird und was für begleitende Maßnahmen es dafür gibt. Unser Projekt wäre ein Teil dieser Maßnahmen. Was genau geplant ist, ist noch nicht bekannt.

                                                 Eberhard Pino Mueller

Andrea Petkovic über ihren neuen Betreuer, den Ex-Steffi-Graf-Trainer Heinz Günthardt bei einer Pressekonferenz in Paris während der French Open:

Er und ich - „bad luck" für Heinz (lacht), aber er müsse sich ja nichts mehr beweisen… Heinz ist eine Art Berater, der im Hintergrund stehe… Er ist sehr befruchtend für Petar, und wir als Team profitieren von ihm… Es tut unheimlich gut, von außen inspiriert zu werden - von so einem Top-Mann wie Heinz… Wir haben die gleichen Ideen und verstehe uns super gut…

publiziert:  Juni 2011   TennisSport

   


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