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Barbara Rittner, die Fed Cup-Teamchefin, über ihre Mannschaft und das Drumherum.

„Zusammen sind wir stark"

Das Team…
Ich sehe positiv in die Zukunft. Wir haben ein noch junges Team. Darauf kann man aufbauen, wenn die Spielerinnen gesund und langfristig dabei bleiben. Wir haben auch noch gute Alternativen. Ich hatte gegen die Schweiz die Qual der Wahl, und es war eine enge Entscheidung. Aber besser eine schwierige Wahl als keine.


Das Ziel…
Unser Ziel ist kurzfristig wieder in die Weltgruppe I aufzusteigen. Mein Wunsch ist, dass wir uns da festbeißen. Dass wir aber auch sagen können, da hinzugehören, was man realistisch im Moment nicht sagen kann. Aber dafür müssen sich zwei bis sechs Spielerinnen dauerhaft mindestens unter die ersten Fünfzig spielen.


Die Ersatzspielerinnen…
Gegen die Schweiz waren Sabine Lisicki und Anna-Lena Grönefeld gesetzt. Ich hatte aber in alle Vertrauen. Tatjana Malek und Kristina Barrois mussten voll trainieren. Einzel und Doppel. Man weiß ja nie, was passiert. Und deshalb muss jede damit rechnen, zum Einsatz zu kommen und sich dafür bereithalten.

Die Nichtnominierten… 
Natürlich waren Andrea Petkovic, Julia Görges und Angelique Kerber enttäuscht und traurig. Ich habe mit allen, einzeln, geredet und eine Begründung geliefert. Beim Fed Cup im April ist alles offen. Auch andere können sich wieder ins Team reinspielen.

Wer hat das Sagen…
Im Match entscheiden die Spielerinnen allein. Im Übrigen ist es ein Arbeiten miteinander. Mir liegt nicht, jemandem etwas vorzuschreiben. Für mich ist wichtig, von den Spielerinnen ein Feedback zu bekommen. Was sie wollen und wie sie sich fühlen. Jede hat ihre eigene Persönlichkeit, die man berücksichtigen muss. Klar, die Nominierung liegt bei mir.

Die Motivation…
Alle waren bis in die Haarspitzen motiviert. Wir hatten auch um uns herum ein Super-Team, das uns unterstützt hat. Jeder wusste, um was es geht und hat dafür alles getan.

Die Stimmung…
Erfolg hängt auch von einer guten Stimmung im Team ab. Ich habe mich fast immer hundertprozentig wohl gefühlt. Das funktioniert nur mit einer homogenen Truppe, die zusammenhält, wo jeder jeden unterstützt, egal wer spielt.












Die Vorbereitung…
Für Vergnügungen bleibt wenig Zeit. Der Alltag besteht aus Essen, Training, Erholen, Kondi, Massage, wieder Essen und Schlafen. Bei allem muss aber auch Spaß dabei sein.

Das Geld… 
Was wir kriegen, auch die Siegprämie, wird komplett geteilt. Für alle das Gleiche. Egal wer spielt. Die Spielerinnen haben, unabhängig davon, feste Verträge mit dem DTB. Das Antrittsgeld ist nach Ranglistenplatz gestaffelt.

Der Stellenwert des Fed Cups… 
Persönlich einen hohen, weil ich Nationalbewusstsein habe, immer stolz war für mein Land zu spielen und mich damit identifiziere. In Deutschland wird Frauentennis momentan kaum wahrgenommen. Siege beim Fed Cup sind deshalb sehr wichtig, um zu zeigen, dass es uns gibt und wir auch Tennis spielen können. International kann der Fed Cup mit dem Davis Cup der Herren nicht mithalten, weil viele Spielerinnen die Einzelturniere für wichtiger halten.


Der schönste Fed-Cup-Moment…
Als Spielerin gab es mehrere Höhepunkte. Natürlich damals, 1992 das Finale in Frankfurt, mit Steffi und Anke, als wir gewonnen haben. Dann der Sieg 2001 in Dresden gegen die Russinnen mit Dementieva und Myskina, als ich im Alleingang in der Höchstform meiner Karriere beide Einzel und das Doppel gewann. Auch meine letzten Fed Cups als gestandene Spielerin, als ich das Team ein bisschen mitgeführt habe. Als Teamchefin der Aufstieg in Japan, wo wir mit Teamgeist harte Matches gewonnen haben.


Die schmerzhafteste Niederlage…
Als Spielerin das Heimspiel 1997 in Mannheim, wo Steffi und Anke spielen sollten, aber absagten, und ich beide Einzel verlor, weil die Nerven nicht mitgemacht haben. Als Teamchefin 2006 in Ettenheim gegen die USA, die mit einem Ersatzteam kamen und wir als Favorit verloren haben.

Der Job… 
Meine Hauptmotivation ist nicht das Finanzielle, sondern der Spaß an dem Job. Ich würde ihn auch sonst nicht machen. Ich mach' das auch, weil ich die Vision habe, da was bewegen zu können. Wir sind mit den Mädels auf dem richtigen Weg und brauchen nur ein bisschen Zeit. Zugleich sehe ich den Fed Cup als eine spezielle Art von Nachwuchsprojekt. Ich bin für die nächsten Jahre deshalb sehr positiv.


Ihr Motto beim Fed Cup…   
Zusammen sind wir stark.


aufgezeichnet von Eberhard Pino Mueller

publiziert:  März 2009  DTZ Deutsche Tennis Zeitung




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