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Barbara Rittner
, Fed Cup Teamchefin und DTB-Trainerin des A- und B-Kaders

Eine Überfliegerin ist nicht dabei - aber die Mädchen können es noch weit bringen."

Frau Rittner, aus dem Fed-Cup-Team wurde fast ein Junior Fed Cup-Team. Wie kam es dazu?
Rittner (lacht): Ganz einfach. Ich bin für den A- und B-Kader, also für alle Spielerinnen ab 15 Jahren zuständig. Aus den bisherigen Juniorinnen habe ich mir Julia Görges (18), Angelique Kerber (19), Andrea Petkovic (19) und Tatjana Malek (20) für mein junges und 2007 recht erfolgreiches Team herausgepickt. Die 15- bis 16-Jährigen habe ich an Ute Strakerjahn abgegeben, die diese Mädchen allein oder mit mir zusammen betreut.

Unter Markus Schurr, Ihrem Vorgänger, waren andere Mädchen die Talente der Zukunft. Etwa eine Bianca Lamade oder Scarlett Werner und Mia Buric. Warum ist aus denen nichts geworden.
Rittner: Da spielten viele privaten Faktoren eine Rolle. Der DTB hat gerade in die drei viel Geld investiert. Sehr schade, dass von denen heutzutage keine mehr richtig Tennis spielt.

Erstaunlich, dass Sie heute mit anderen erfolgreich sind. Wie haben Sie das geschafft?
Rittner: Ich habe, als ich vor zweieinhalb Jahren anfing, auf die gesetzt, die jetzt vorn sind. Na ja, es gehört eine Portion Glück dazu, aber auch ein Gefühl für die, die Qualitäten haben. Es scheint so, dass ich Augen für die Richtigen hatte.

Was wir in Deutschland brauchen, sind Topspielerinnen mit Charisma. Hat denn eine das Zeug dafür?
Rittner: Es ist nicht gerade eine Überfliegerin dabei. Herausragende Talente, etwa eine Steffi Graf, die die 400 Meter so schnell wie die deutsche Meisterin laufen konnte, sind genetisch anders gepolt, und das kann man nicht erzwingen. Die Mädchen, auch einige, die zwischen 200 und 400 stehen, können es durch harte Arbeit aber noch weit bringen. Sie brauchen aber einfach noch etwas Zeit.

Was fehlt noch, woran muss diese junge Truppe besonders arbeiten?
Rittner: Tanja Malek muss im Kraft und Ausdauerbereich zulegen und athletischer werden. Bei allen fehlt noch die Erfahrung, etwa bei den größeren Turnieren mit stärkeren Gegnerinnen die Ruhe zu bewahren. Und sie müssen einfach viele Bälle schlagen. Da haben unsere Mädchen, weil sie die Schule nebenher gemacht haben, gegenüber anderen Ländern Defizite.

Warum können wir von den Spielerinnen des Fed- Cup-Teams noch einiges erwarten?
Rittner: Julia Görges, mit sehr guten Schlägen und viel Selbstvertrauen auf dem Platz, wird, wenn sie auf dem Boden bleibt, ihren Weg machen. Andrea Petkovic, die gerade ihr Abitur gemacht hat, steht sich nur manchmal selbst im Weg. Sie ist aber sehr ehrgeizig und hat hohe Ansprüche an sich selbst. Tatjana Malek, die sehr gelassen ist und entscheidende Punkte im Fed Cup gemacht hat, spielt ein ganz cooles Händchen. Und Angelique Kerber, manchmal mit einem Dickköpfchen, hat athletisch schon viel herausgeholt und wird, wenn sie tennisspezifisch noch etwas variabler spielt, schnell vorankommen.

Früher waren die ITF Grand Slam-Juniorenturniere ein gutes Sprungbrett für eine Profikarriere. Ist das heutzutage nicht mehr der Fall?
Rittner: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sehr gut ist, diese ITF-Turniere zu spielen (Anm. d. Red.: Barbara Rittner gewann in Wimbledon das Juniorinnenturnier). Die ITF-Jugendturniere kamen zu kurz, weil die Mädchen entweder lieber die Damenschiene schon mit 15/16 gespielt haben oder gar nicht qualifiziert waren.

Wie soll das in Zukunft gehandhabt werden?
Rittner: Wir wollen 2008 wieder mehr Juniorinnen zu diesen Turnieren, die vom DTB auch finanziell unterstützt werden, bringen. Die ITF-Jugendrangliste ist auch bei uns im Focus. Grundsätzlich ist es gut, wenn 15- bis16-Jährige neben ITF-Turnieren anfangen auch bei den Damenturnieren zu spielen. Es muss aber dabei die individuelle Entwicklung beachtet und eine gesunde Mischung gefunden werden.



Patrik Kühnen, Davis Cup-Teamchef und DTB-Trainer des A-Kaders 

„Junge Spieler müssen Ziele haben, müssen Tennis leben"

Herr Kühnen, es hieß „Mit neuen Leistungskonzepten in die Weltspitze". Wie sehen diese Konzepte aus?
Kühnen: Wie, was? Das habe ich nicht gesagt.

Das ging vom DTB aus, als vor Jahren in Oberhaching ein neuer Stützpunkt eingerichtet wurde.
Kühnen: Okay! Als der Stützpunkt entstand, sagte man, jetzt muss man mal alle Register ziehen. Es muss was passieren. Deshalb wurde dieser Bundesstützpunkt für die Herren eingerichtet, und da trainieren wir seither mit den Davis-Cup- und Kader-Spielern.

Auf der Weltrangliste bis Platz 200 haben wir mit Mischa Zverew und Mathias Bachinger nur zwei Deutsche unter 21 Jahren. Wo bleiben unsere talentierten Jugendlichen?
Kühnen: Bei uns machen die meisten zuerst mal ihren Schulabschluss. Diese Jungs können erst mit 18 oder 19 vollzeitlich richtig anfangen. Dadurch haben andere für Jahre einen Vorsprung. Das sieht man bei Petzschner, Meffert, Berrer, die auf ihrem professionellen Weg erst ein paar Jahre später einschlugen.

Sind Tennisspitzenleistungen Zufallsprodukte oder Ergebnisse eines langfristig angelegten Leistungsaufbaus?
Kühnen: Mehr das Zweite. Es gibt immer Ausnahmetalente, auch im Tennis. Für die Masse der jungen Spieler ist sicherlich ein leistungsorientierter Weg der richtige und einzige. Sie müssen Tennis leben und dazu gehören Disziplin, Verzicht, klare Ziele und viel Arbeit.

Michael Stich wollte Einfluss auf den Jugend- und Herrenbereich haben. Der DTB hat aber getrennte Kaderbereiche beibehalten. Halten Sie das für gut?
Kühnen: Bei mir steht der A-Kader im Vordergrund. Ich habe aber auch Einfluss auf den B-Kader und arbeite da mit Ulf Fischer in Oberhaching zusammen. Für die Jugend gibt es noch den C-Kader, wobei wir alle miteinander kommunizieren.

Sie haben also auch Einfluss auf den Jugendbereich?
Kühnen: Nein - das heißt, mein Job spielt allerdings ab gewissen Erfolgen und einem gewissen Alter auch in den Jugendbereich mit rein. Wir sind aber von der Trainerseite her so aufgestellt, dass jeder Bereich abgedeckt ist.

Sehen Sie schon Nachfolger für die älteren Davis-Cup-Spieler?
Kühnen: Wenn Sie mich heute fragen, glaube ich, dass Tommy wie auch Kiwi noch drei oder vier Jahre spielen können und bis dahin kann sich viel tun. Mit Kohlschreiber haben wir einen weiteren guten Mann, der in diesem Jahr nicht nur im Davis Cup sehr erfolgreich war. Aber auch Florian Mayer hat sich stabilisiert.

Und was ist mit Zverew, Bachinger oder Petzschner?
Kühnen: Mischa Zverew ist ein sehr fleißiger Spieler und schon knapp an den ersten Hundert, der seinen Weg machen wird. Genau so Bachinger, der mit Ulf Fischer intensiv arbeitet. Ein sehr positives Signal registrieren wir gerade hier bei den US Open, wo Petzschner in der Quali und im Hauptfeld großartig gespielt hat. Wir versuchen alles und führen auch Gespräche neben dem Platz, um die Jungs zu motivieren und voran zu bringen. Aber klar doch, der Spieler muss Ziele haben, muss hart arbeiten. Letztendlich entscheidet er alles für sich selbst durch sein Engagement.

                                                             
Eberhard Pino Mueller

publiziert:  November 2007   DTZ -  Deutsche Tennis Zeitung


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