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Patrik Kühnen: Davis Cup-Teamchef und Trainer des B-Kaders


Der neuen Generation und Tennis eine faire Chance



Herr Kühnen, was haben Sie beruflich nach Ihrer aktiven Zeit als Tennisprofi alles gemacht?
Zuerst habe ich für eine Event-Marketingfirma bei den Eurocard Open in Stuttgart, der ATP-WM und einem Damenturnier in Hannover gearbeitet. Nach sechs Monaten Probezeit war mir jedoch klar, dass ich noch aktiv Tennis spielen wollte. Ich kam so zum DTB und habe mich in den letzten fünf Jahren um den B-Kader gekümmert. Daneben war ich noch bis 2001, ich sag´ mal, als Tennisexperte beim DSF und bei PREMIERE  tätig. Die beiden Jobs haben sich gegenseitig gut getan, da ich bei den Turnieren den Kontakt zu den Profis nicht verloren und Veränderungen im Tennis vor Ort mitbekommen habe, was wiederum dem Nachwuchs, den ich zu betreuten hatte, zu gute kam. Das alles ist auch für meinen neuen Posten als Davis Cup-Teamchef nützlich.
     
Ihre Hauptaufgabe wird also nach wie vor der deutsche Nachwuchs sein?
Nee! Das hat sich jetzt verschoben. Die Sache mit dem Davis Cup ist jetzt meine Hauptaufgabe. Ich werde das Training im Leistungszentrum Oberhaching weiter machen und da die Hand darauf haben, aber nicht mehr mit dem zeitlichen Aufwand und der gleichen Intensität, da ich bei großen Turnieren vor Ort sein will, um eine konstante Kommunikation mit den Topspielern zu haben.

Wollen Sie für die Spieler nicht so sehr der (Team-)Chef, sondern mehr ein Kumpel sein?     
Ich möchte, dass der direkte Kontakt zu den Spielern auf Freundschaft und einer echten Vertrauensbasis fußt, und die Spieler das Gefühl haben, der Teamchef ist für sie da. Ich hoffe, dass dabei auch so etwas wie ein Teamgeist entsteht. Auch einen, der verletzt ist, ruf´ ich regelmäßig an, damit der Spieler, etwa Tommy, weiß: hee, der hat mich nicht vergessen.

Boris meint, wenn alle deutschen Spieler wollen und mitmachen, haben wir in Deutschland gute Chancen im Davis Cup ganz weit, auch ins Finale zu kommen. Was sagen Sie dazu?
Wenn alle Spieler gesund sind, zusammenhalten und gemeinsam das Ziel verfolgen, den Davis Cup zu gewinnen, ist das in den kommenden Jahren nicht unmöglich. Aber dabei spielen auch noch andere Faktoren wie Glück, die Auslosung und natürlich der Teamgeist eine entscheidende Rolle.

Und wie wollen Sie die Spieler dazu bringen, das Ziel Davis Cup mit allen Mitteln zu verfolgen?
Es ist ein riesiges Gefühl im Halbfinale vor  8.000 Zuschauern Davis Cup zu spielen. Meine Spieler hatten dieses Erlebnis noch nicht und können also nicht nachempfinden, welche Euphorie und Begeisterung dabei aufkommt. So ein Erlebnis ist für einen Tennisspieler einmalig. Dieses Hochgefühl versuche ich mit Hilfe von Videoaufzeichnungen und Erzählungen den Spielern ein bisschen zu vermitteln.   



Wie wichtig ist der Davis Cup für das deutsche Tennis?
Das Produkt Davis Cup ist in Deutschland nicht mehr das, was es war.
Ich seh´ nun meine Aufgabe als Teamchef nicht allein sportlich, sondern weitreichender, das heißt, ich will den Stellenwert des Davis  Cups zusammen mit der Mannschaft wieder aufpolieren und die Marke Davis Cup wieder in ein positives Licht rücken. Davon profitiert dann auch Tennis insgesamt in Deutschland.

Forderungen einzelner Spieler haben immer wieder zu Unstimmigkeiten bei der Nominierung des Teams geführt. Gibt es da noch Probleme?
Im Moment weiß jeder, wie es aussieht. Der Davis Cup wird augenblicklich nicht primär um Geld gespielt. Es sind einfach andere Zeiten. Die Spieler wissen aber auch, dass es sich finanziell auszahlt, wenn sie erfolgreich spielen.

Querelen der Spieler untereinander oder mit dem Teamchef, dem DTB und dem Sportwart habe in der Vergangenheit dem Davis Cup oft geschadet. Gibt es da Ärger?
Überhaut nicht. Es gibt absolut keine Probleme. Mein Verhältnis zu allen Spielern ist zur Zeit eigentlich optimal. Sie haben sich, bevor ich mich längerfristig festgelegt habe, ganz klar für mich ausgesprochen. Auch mit dem Präsidenten und Sportwart des DTB habe ich ein gutes Verhältnis. Der Verband steht, auch wenn der Davis Cup sportlich mein Ding ist, voll dahinter. Ganz klar, der DTB muss den Davis Cup mitstemmen. Die Basis für eine gesunde Zukunft ist da.

Wie können die Spieler dazu beitragen, dass Tennis in Deutschland wieder positiver gesehen wird?
Wie sich Tennis in den letzten Jahren in Deutschland präsentiert hat, war alles andere als positiv. Daran waren auch die Spieler schuld. Ich habe mit den Spielern darüber gesprochen und aufgezeigt, wo sie in der Pflicht stehen. Punkte dabei waren, sie müssen die deutschen Turniere spielen, sich viel mehr der Öffentlichkeit stellen, mit den Medien kommunizieren und positive Signale durch entsprechendes Auftreten auf und neben dem Platz setzen. In der Vergangenheit war da nicht viel, ja und wenn, dann häufig eher negativ.

Sportlich sieht es doch mit Haas, Schüttler, Kiefer und den anderen so schlecht gar nicht aus. Muss man nicht endlich mal akzeptieren, dass Becker, Stich & Co eigentlich ganz besondere Glücksfälle waren?
Natürlich vergleicht man immer, mit dem was schon mal war, mit Boris, Michael, Steffi oder denkt an die drei deutschen Davis Cup-Siege. Sensationell!  --  klasse! --  toll! --  eine riesige Zeit  --  nur irgendwann müssen diese Vergleiche aufhören. Jetzt muss man, auch das Fernsehen, der neuen Generation und Tennis überhaupt eine faire Chance geben und von dem hohen Ross in Deutschland endlich wieder runter.

Glauben Sie an eine faire Chance?
Tommy und auch Rainer (Schüttler) haben gezeigt, was in ihnen steckt. Der Rainer ist ein Kämpfer mit einer sehr guten Einstellung und ein absolutes Vorbild für junge Spieler. Vor so einem muss man den Hut ziehen. So einer bringt Tennis voran. Das verdient Anerkennung und tut der gesamten Kultur im deutschen Tennis gut. 

                               Eberhard Pino Mueller                                               
publiziert: März 2003  DTZ             

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