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Man sollte wieder an die gehen, die sich schon ein bisschen etabliert haben, die den Willen haben, sich durchzubeissen und schauen, dass alles passt. Auf keinen Fall darf man die Kids zu früh hochjubeln und zu sehr verhätscheln.
Ist es heutzutage schwerer mitzuhalten?
Nein! Alle spielen doch gleich, alle beidhändig, alle hauen drauf, dass es kracht, alle kleben an der Grundlinie. Null Individualität. Du musst bei den Damen nur die Köpfe austauschen.
Steffi Graf in Hochform gegen die Williams-Schwestern?
Die Steffi wäre besser. Sie wäre die Nummer eins.
Wie, warum?
Viel mehr als Draufprügeln ist heute nicht. Steffi brächte die Bälle zurück und würde geschnittene Bälle, Winkel und kreuz und quer spielen. Dann brechen die sich die Beine. Man hat doch gesehen, was „Katze", mit ein bisschen so und mal so, mit den Mädels gemacht hat ( Anmerkung: Karsten Braasch hat die Williams-Schwestern in Australien bei Trainingsmatches regelrecht vorgeführt ). Eine Steffi, die 22 Grand Slams gewann in einer Zeit mit Topspielerinnen wie Evert, Navratilova, Sabatini, Seles, Pierce und Sanchez, hatte eine ganz andere Leichtigkeit und spielte mit einer Gegenwehr, wie sie heute keine hat.   
Was ist mit Clijsters und Henin?
Die Belgierinnen haben wie Steffi wenigstens ein bisschen ein anderes Spiel, und man sieht, wie weit  man es mit einem etwas schlaueren Spiel bringen kann. Ich frag´ mich allerdings, was hat sich groß geändert im Damentennis, wenn eine Capriati, eine Davenport noch immer vorn mitspielen können.
Wie sieht es auf der Profitour der Männer aus?
Es gibt auch da nicht mehr so viele Spielertypen wie früher. Borg, Connors, McEnroe, Lendl, Vilas, Edberg, Courier, Becker, Sampras spielten alle zusammen und jeder anders. Connors volle Kanne, Lendl wie eine Maschine, Becker Bum-Bum, McEnroe hat gezaubert und Borg genudelt. Weil die Topspieler fast gleich sind und sich nicht so richtig präsentieren, leidet doch Tennis auch ein bisschen.
Was gibt es zu den Turnieren in Deutschland zu sagen?
Auch wenn wir kein Kultturnier, kein Grand Slam, haben, so doch zwei absolute Topturniere - in Hamburg für die Herren und in Berlin für die Damen - über die, wenn gut gemacht, gesprochen wird, und die Tennisbegeisterung auslösen. Du musst sie aber pflegen. Wenn du sie verlierst, hast du nichts mehr.
Was hältst du von Rainer Schüttler?
Der hat die besten Beine von allen Profis, und darauf hat er sein Spiel und seine Schläge aufgebaut. Er kann unheimlich Gas geben, und du musst ihn fünfmal beerdigen, weil er fast alle Bälle kriegt und gut kontert. Vor sechs Jahre haben sie ihn aus dem B-Kader geschmissen, weil sein Aufschlag zu weich war. Schüttler hat sich dann aber, von Hordorff gut gecoacht, durchgebissen und ist mental gut drauf.
Und Tommy Haas?
Eigentlich ein außergewöhnlich guter Spieler. Vom Kopf her wird es aber jetzt, nach der langen Pause und dem neuen Leben, schwierig. Die Frage ist, kann er es wieder packen.
Und Nikolas Kiefer?
Im Mercedes Team und mit Bob Brett als Coach hat er sich sehr gut entwickelt. Schwer zu sagen, was dann schief lief. War es wegen seinen Verletzungen oder der Umstellung von Vorhand und Aufschlag, hat man dabei falsche Sachen gemacht, oder weil er seinen eigenen Kopf hat, schwer zugänglich ist und die Dinge zu selbstgefällig sieht? 
Und der Nachwuchs? Ein Petzschner, ein Kohlschreiber?
An Talent fehlt es nicht. Was ich gehört habe, aber an der Einstellung. Wenn die aber nicht wissen, dass für eine Karriere Tunnelblick angesagt ist, wie ihn Steffi und Boris hatten, wird das nichts.
Und die Weingärtner, Barna und Müller?
Die müssen endlich ´mal richtig geführt werden. Die Weingärtner muss ´was für die Fitness tun und die Müller ihr Spiel spielen und nicht so einen Eiersalat.
Wie sind die Aussichten?
Zum Glück ist da ein Schüttler. Und wenn der Haas wieder kommt und Kiefer sich fängt, kann sich mit Kühnen, der als Davis Cup-Coach positive Stimmung erzeugt, wieder etwas entwickeln. Auch im Damentennis, wenn die Probleme mit den richtigen Leuten angegangen werden, zumal es da, im Gegensatz zu den Herren, viel leichter ist - zwischen der Nummer 200 und 20 liegen Welten.

publiziert:  Januar 2004  DTZ                    Eberhard Pino Mueller

Klaus Hofsäss, Ex-Damenbundestrainer

Macht doch nicht so ein Affentheater

           
          Es war nicht immer so. Doch nachdem Steffi Graf und Becker nicht mehr aktiv sind, fährt nur noch eine kleine Schar deutscher Journalisten zu den großen Turnieren. Und so waren diese überrascht, als wieder einmal ein Mann auftauchte, den sie aus der Zeit kannten, als Deutschland die Tennisnation Nummer eins oder zwei in der Welt war.
           Es war Klaus Hofsäss, der ehemalige Jugend- und Damen-Bundestrainer, dem das deutsche Tennis viel zu verdanken hat, der nie ein Handtuchhalter der Stars war, sich nicht gesonnt hat im Ruhm von Steffi Graf und immer für alle da war. Der etwas massiger gewordene Hofsäss mit dem braunen, inzwischen grauer gewordene Wuschelkopf hat sich sonst wenig verändert, und so kam es einem vor, wie in alten Zeiten, als er wieder in seiner umgänglichen, freundlichen und engagierten Art über Tennis plauderte. Über die Vergangenheit, die Gegenwart, optimistisch, aber auch, über die Zukunft.
               Und er weiß, was läuft oder nicht läuft im Tennis, auch wenn er sich jetzt meistens in seinem „Marbella College Hofsäss" in Spanien aufhält, wo er endlich ein bisschen Freizeit hat, Fußball und Tennis gucken oder Skat spielen kann, und wo ab und an eine seiner Mädels vorbeikommt, etwa Barbara Rittner oder Claudia Kohde, nicht aber Steffi, die hat er schon länger nicht mehr gesehen.
             Auf seine Arbeit beim DTB ist Hofsäss stolz, auch wenn er gleich einschränkt, das sei ja eine ganz spezielle Zeit gewesen, wo er ein bisschen dazu beitragen konnte, dass sie so gut war. „Okay, der Becker, Stich und die Graf, das waren Glücksfälle, die allerdings auch gut geführt worden sind. Doch die anderen, Dutzende bei den Turnieren, die waren kein Glück, die konnten wir beeinflussen."
           „Wer weiß das noch," sagt Hofsäss, „die Hanika, Bunge, Kohde und Huber waren unter den Top zehn. Eine Sabine Hack, die hat doch keiner richtig wahrgenommen, war mal die Nummer 14 und Eva Pfaff die 17. Auf  Platz 20 bis 30 hatten wir eine Cueto, Rittner, Babel, Porwick - alle so nebenher und dann noch zig Spielrinnen, eine Silke Maier, Kochta, Frankel, Singer, Betzner, Probst, Käppeler, Schropp oder Wagner, die alle besser platziert waren als die beste Spielerin heutzutage."
           Bevor Hofsäss seinen Job nach 20 Jahren freiwillig beim DTB aufgab, versucht er, Steffi Graf dafür zu gewinnen. „Sie hätte das toll machen können", sagt er, „doch sie wollte nicht, denn sie hatte genug vom Tennis. Doch auch Hofsäss möchte den Job heute nicht mehr machen. Viel Kraft habe das gekostet, das Drumherum und so, sagt er und lacht, „hee, es hat doch keiner gesehen, was ich alles am Hals hatte. Alle dachten, das läuft von allein, und jetzt sehen sie, wie das läuft - von allein!"

Denkst du sehnsüchtig an Deine Zeit zurück?
Wir können doch nicht jammern, dass es nicht mehr so ist wie früher. Nach Graf und Becker kam halt erst ´mal ein Bruch, denn Haas und Schüttler spielen nicht so spektakulär. Du musst aber sensationell sein im Spitzensport -  Formel 1, Skispringen oder Biathlon hat zuvor auch keinen gejuckt. Es wird im Tennis auch wieder ein Hoch kommen.
Aber das Interesse für Tennis vor allem im Fernsehen ist doch nicht ermutigend?
Klar - doch vieles war hausgemacht. Zuerst hat man Tennis fast todgesendet und dann den Davis Cup und das Hamburger Turnier an das Pay-TV verkauft, wo kaum einer gucken kann.
Was wurde noch falsch gemacht?
Sie haben mit einem Schlag alle guten Trainer ausgetauscht. Pilic musste weg, auch Meiler und der Pfannkoch bei der Jugend. Und jetzt, nach dem Kahlschlag, sieht man die Folgen. Es qualifizieren sich nur wenige für die großen Turnieren.
Und warum ging es bei den Damen so bergab?
Da hat man zu sehr auf 12-Jährige gesetzt und denen alles reingeschoben. Macht da doch nicht so ein Affentheater, du weißt doch nicht, was in 4 Jahren ist, wenn es wichtig ist. Vielleicht haben sie dann einen Freund, wollen studieren, oder sagen, ich will nicht. Dann hast du alles in den Sand gesetzt.
Was würdest du anders machen?

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