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Weg dahin, und alle haben Turniere gewonnen. Es gab viele Jahrzehnte, da waren wir nicht annähernd so gut. Ein Fehler aber wäre, sich jetzt total auf die DTB-Förderung zu verlassen. Sorry, das hat doch jahrelang nicht funktioniert. Die Förderung muss flexibel gestaltet sein. Unsere Stärke ist ein föderalistisches System. Ob einer bei Bollettieri oder beim hessischen Verband oder beim DTB gut wird, ist doch völlig egal.     

     
Wo gibt es bei der Nachwuchsförderung Defizite, was kann man da noch tun?
Wir haben für Kinder bis 14 Jahre fast nur Bambino-Runden mit 4 bis 5 Spielen, die zur Hälfte 6:1 und 6:0 ausgehen. Was wir dringend brauchen, sind, so 30 Wettkämpfe mit kleinen Mannschaften für 10-,  12- und 14-jährige im Jahr, auch im Winter in der Halle. Das muss von modernen Trainern, die den Kindern Erfolgserlebnisse beim Leistungsspiel, sowie Spaß und Spannung am Sport vermitteln, begleitet werden. Damit kriegen wir auch wieder Kinder zum Tennis.

     
Auch weltweit ist bei Tennis nicht alles bestens. Was müssen die internationalen Verbände ITF, ATP und WTA und die Profispieler besser machen?
Sie müssen die veränderte Zeit sehen, neue Wege einschlagen und Tennis, wie schon gesagt, attraktiver und ordentlicher präsentieren. Man kann doch nicht hinnehmen, dass ein Agassi nach seinem Sieg in Rom, weil er keine Lust hat, Hamburg einfach sausen lässt. Undenkbar, dass ein Schumacher nach einem Sieg in Monte Carlo sagt, jetzt geh´ ich in den Urlaub, fahrt das nächste Rennen ohne mich. Um die Tennistour professionell zu managen, muss man klar definieren, so stell´ ich mir die Tour vor und das sind die Verpflichtungen, und dann wird so einen Spieler rücksichtslos, zur Abschreckung, für 3 bis 6 Monate gesperrt. Die Spieler müssen endlich einsehen, dass sie mit verantwortungslosem Verhalten, Tennis kaputt machen. -- Oder, ein Turnierveranstalter, der schon ein Jahr zuvor auf Sponsorensuche gehen muss, kann nicht sagen, wer genau kommt, ob alle, die man erwartet, auch Lust haben, geschweige denn, dass Topspieler auch mal, einfach so, mit dem Sponsor zum Abendessen gehen. Wie soll man so Tennis gut verkaufen? --Oder, in Monte Carlo konnten sich 5.000 Zuschauer, als es 3 Stunden geregnet hat, nirgends richtig unterstellen, auch hat man sie nicht über das vorhersehbare Wetter informiert oder anderweitig unterhalten. Sie müssen den Zuschauer heute als Kunden sehen, pflegen und nicht sagen, der Zuschauer ist dumm, weil er eine Karte kauft und frech, weil er dafür auch noch was erleben will. -- Andere Beispiele gibt es genug, etwa ein für Spieler und Veranstalter besserer Turnierplan, eine einfachere, besser verständliche Rangliste, eine für den Zuschauer und das Fernsehen attraktivere Spieldauer.

     Und was für Aussichten hat Tennis in Deutschland in Zukunft?
Keine schlechten, wenn wir uns stark machen für Tennis. Die Frage ist also, kommen Zeiten, in denen die Leute ihr Vereinstennis spielen und wenig Interesse am internationalen Profitennis haben, oder entwickeln wir uns wieder dahin, dass die Leute sich für Tennisidole, den Davis Cup und für Profiturniere stark interessieren. 
                                                                                 
                                                                                                                                                   
                                      Eberhard Pino Mueller

publiziert:  Oktober 2002  DTZ -  Deutsche Tennis Zeitung                                                                                                                                                                 

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Abgesehen von den finanziellen Problemen des DTB, sind große Turniere in Deutschland noch profitabel?

Ja. Selbstverständlich. In Key Biscayne saßen am ersten Tag des Turniers keine 100 Zuschauer, in Hamburg waren es Tausende. In München gab es einen Zuschauerrekord. Das Interesse ist da, man muss die Turniere zu Lifestyle-Events machen. Halle ist ein Musterbeispiel dafür, und in München hat Rudi Berger mit neuen Ideen auch einen guten Job gemacht.

       Ohne Fernsehen, keine Sponsoren. Das ist doch das Problem, nicht die Besucher?

Ganz klar, der Fernsehzuschauer will das sehen, was ihn interessiert. Also muss man ihm was Ordentliches präsentieren. Wenn wir uns solche Klöpse wie beim Davis Cup leisten, kann man die Zuschauer nicht gewinnen. Und wenn die Leute nicht einschalten, dann sendet das Fernsehen nicht. Wir haben es doch erlebt, als im Wimbledonfinale im fünften Satz das Fernsehen abbrach und die Sendung mit der Maus gezeigt hat, weil da die Einschaltquote höher war. Tennis, ein Kampf Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau, ist ein toller Sport. Es liegt an uns, an richtigem Marketing, jedenfalls haben wir keinen Grund hoffnungslos zu sein.

       Kann man in Deutschland noch immer genügend Geld locker machen, um die Turniere und hohen Preisgelder auch in Zukunft zu finanzieren?

Also bitte, Deutschland ist weltweit als Wirtschaftsstandort anerkannt. Wenn man ein Super 9-Turnier in Deutschland nicht mehr verkaufen kann, dann möchte ich wissen, wo sonst. Was Hamburg betrifft, da hat man falsch gewirtschaftet und zuviel Geld unnötig rausgeworfen. Wenn die Zuschauer kommen, ich aber keine Sponsoren kriege, dann ist etwas schlecht gemacht, dann muss ich mir was einfallen lassen und besser arbeiten.

       Für die Pleite von ISL und den Verkauf der Fernsehrechte ans Pay-TV, was dazu geführt hat, dass man jetzt in Hamburg auf dem Trockenen sitzt, kann aber der DTB doch nichts.

Es ist halt sehr gefährlich gewesen, nur nach dem Geld zu schielen. Andererseits, wer lehnt schon ein Angebot über 20 Millionen und das über Jahre ab? Wir müssen halt jetzt den Zuschauern wieder Lust machen, Tennis einzuschalten, dann werden ARD und ZDF die Ersten sein, die übertragen. 

Und was halten sie von dem neuen DTB-Nachwuchsprogramm mit Mercedes als Sponsor?

Eine tolle Sache. Das alte Konzept war, wie ich damals gleich befürchtet hatte, von der Konstruktion her ein Debakel. Die Jugendarbeit, die in Deutschland anerkannt gut ist, zusammen mit dem DTB zu unterstützen, macht für Mercedes Sinn. Die Partnerschaft, auch ein Verdienst des neuen Präsidiums, lässt hoffen, dass das Geld gut angelegt ist.     

      Wir hatten immer hervorragende Jugendliche, aber kaum einer oder eine schaffte den Sprung in die Weltspitze und wenn, dann mehr oder weniger auf eigene Faust. Was läuft da schief?
Zuerst mal, so schlecht stehen wir nach Becker-Stich-Graf nicht da. Mit Tommy Haas haben wir einen unter den Top 10, Nicolas Kiefer war schon mal da, Rainer Schüttler ist auf dem

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