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Sportgetränke


Fitness aus der Flasche


Was machen wir nicht alles, um besser Golf zu spielen? Wir putten auf dem Teppich im Wohnzimmer, experimentieren im Büro mit Luftschwüngen, probieren immer neue Schläger und  Wunderbälle aus, sind süchtig nach Golftipps von Experten, hauen stundenlang Bälle auf der Driving Range raus und wollen von Psychologen, oft auch Gurus, wissen, worauf es ankommt, um beim Golfen auf Zack zu sein. Ist doch wahr!  -  Und verdammt noch mal, es ist doch meistens für die Katz.

Wie wäre es, wenn wir uns mal mit dem Wasserhaushalt des Körpers und Trinken beschäftigen würden, vielleicht ist da noch etwas drin? Handicap-mäßig - wer weiß? Also gut: Der Mensch besteht zu 50 und die Zellen zu 70 Prozent aus Wasser, wobei die wasserreichsten Organe Gehirn, Blut und Muskulatur auf Wasserverlust besonders empfindlich reagieren, weil der Körper über keine Wasserreserven verfügt, und weil die Stoffwechselleistung der Muskelzellen entscheidend von der Höhe ihres Wassergehaltes abhängt. Und da schon geringe Flüssigkeitsverluste die Leistung beeinträchtigen und das Gefühl der Erschöpfung verstärken, gehört zur Spielstrategie guter Golfer, genug und richtig zu trinken.

Wenn Sie nämlich nichts trinken, legen Sie sich mit Ihrem Körper an. Der schüttet dann, bei zu geringem Flüssigkeitsangebot, Hormone aus, die dem Gehirn signalisieren, man solle doch mit Wasser sparen. Das Gehirn schaltet sofort und funkt dies weiter, und prompt wird die Schweißmenge, Harnausscheidung und Durchblutung gedrosselt. Das aber bekommt dem Herzen und Gehirn nicht gut. Das Blut wird dickflüssiger, das Herz muss kräftiger pumpen und das Gehirn kriegt weniger Sauerstoff. Nicht genug. Die Körpertemperatur steigt, der Kopf wird rot. Auch die Milchsäure wird nicht mehr richtig abtransportiert und fängt an, die Muskeln zu blockieren.

Sie sehen, wie schnell der Körper ins Schleudern kommen kann und damit natürlich auch Ihr Golfspiel. Auch wenn es auf der Golfrunde meistens nicht gleich dramatisch kommt, so führen Konzentrationsmängel und Schlappheit doch oft ganz unbemerkt dazu, dass man an wichtige Kleinigkeiten nicht mehr denkt und der Schwung langsamer und unkontrollierter wird.

Steinbach, früher einer der besten Schwimmer, heute Sportmediziner und NOK-Präsident, empfiehlt Getränke mit Mineralstoffen wie Natrium, Kalium, Magnesium und Kalzium, die entscheidend an der Regulation des Flüssigkeitshaushaltes und dem Ablauf der Muskelfunktionen beteiligt sind, sowie schnell verfügbare Kohlehydrate, wenn der Sport länger als 60 Minuten dauert. Also, bitteschön, glauben Sie nicht, trinken sei für die Katz  -  nein, richtig trinken, und das ist sportwissenschaftlich belegt, bringt es.

                   
Dr. rer. nat. Eberhard Pino Mueller **

** Der Autor hat Pharmazie, Pharmakologie und Lebensmittelchemie studiert und in Chemie promoviert.

publiziert: Juni 2003 / Süddeutsche Zeitung „golf spielen"









Kurz & wichtig

1.  Der Durst ist ein schlechter Indikator  -  stellt sich das Gefühl von Durst ein, ist die Leistungsfähigkeit meistens schon vermindert.
2. Nicht erst bei Halbzeit, nach dem 9. Loch, trinken  -  der Körper braucht Zeit ( etwa eine Stunde ) zur Aufnahme von Flüssigkeit.
3.  Golfspieler sollten mindestens die Flüssigkeitsmenge trinken ( besser sogar 50 Prozent mehr ), die Sie an Gewicht auf der Runde verlieren  -  das können 1 bis 2,5 Ltr. sein.
4.  Sportgetränke sollten nicht zu kalt sein  -  sie schmecken so zwar besser, sind aber nicht so gut verträglich.
5.  Energiedrinks sind keine guten Durstlöscher  -  sie sind zu süß (zuviel Zucker), verzögern die Flüssigkeitsaufnahme und regen die Nieren bei hohem Koffeingehalt zu vermehrter Harnausscheidung an.
6.  Sportgetränke sollten isoton oder leicht hypoton sein, also gleiche oder leicht geringere Konzentration an osmotischen Teilchen wie Blut haben  -  so bleiben sie nur kurz im Magen, das heißt, der Flüssigkeitsaustausch findet sehr schnell statt.
7.  Salz (mindestens 0,5 gr. Natrium pro Ltr.) bindet Flüssigkeit im Körper  -  es sorgt dafür, dass die Flüssigkeit schnell im Magen aufgenommen und Wasserverluste vollständig ausgeglichen werden.
8.  Kohlehydrate (Zucker) sind bei länger als eine Stunde dauernder Belastung erforderlich - empfohlen werden Sportgetränke, die 5 bis 8 Gramm Zucker in 100 ml Flüssigkeit enthalten.
9. Viel Kohlensäure in Sportgetränken ist schlecht  -  im Magen bildet sich Kohlendioxid-Gas, das den Magen füllt und die Flüssigkeitsaufnahme behindert.
 


Sportmedizinisch nicht empfehlenswert

Kaffee:  Im Kaffee enthaltenes Koffein wirkt harntreibend und bringt keine Leistungssteigerung, da die Wirkung von anderen Stoffen im Kaffee aufgehoben wird.
Koffeinhaltige Drinks (Coca Cola...) verleihen nicht unbedingt Flügel, sondern regen die Nieren zu vermehrter Wasserausscheidung an.
Limonaden / Fruchtsäfte:  Die Konzentration an Kohlehydraten ist zu hoch, was zu einer verlangsamten Flüssigkeitsaufnahme führt. 
Alkohol: Auch kleine Mengen zeigen schon eine Tendenz zur Leistungsminderung
Apfelschorle: Auch wenn Apfelschorle den Durst im ersten Moment stillt, gibt es keine wissenschaftliche Grundlage, die für Apfelschorle spricht. Im Gegenteil wurde ein Netto-Wasserverlust beobachtet, das heißt, das Flüssigkeitsdefizit wurde eigentlich gefördert und nicht gemindert.

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