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Doping ohne Ende


„Aus der Vergangenheit lernen", ein schöner Satz des VDS-Präsidenten Erich Laaser im SPORTJOURNALIST über Doping. Die Gegenwart lehrt uns aber anderes. Doping ist doch nach wie vor verbreitet, vor allem im Hochleistungssport, und es sieht nicht danach aus, dass man alle Anstrengungen macht, dies zu ändern.

Warum sagt der Doping-Aufklärer Prof. Werner Franke: „Was in Sachen Doping so läuft, ist an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten"?


Warum beklagte der Sportmediziner und Molekularbiologe Prof. Perikles Simon: „Die Anti-Dopingforschung in Deutschland ist Kreisklasse"?

Warum kritisiert die bayrische Justizministerin Beate Merk: „Man kann nicht gegen diejenigen, die unfair in einen Wettkampf gehen, gezielt ermitteln"?

Warum schimpft der Sportrechtler Prof. Ulrich Haas: „Mit Doping ist Sport Zirkus"?

Warum empörte sich die Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth: „Doppelzüngigkeit der Funktionäre, auch derjenigen der Weltverbände, verhindert standardisierte Dopingkontrollen in allen Ländern"?

Warum meint der Ex-Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) Richard Pound: „Das Dopingsystem hat mafiöse Strukturen, weshalb wir eine enge Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft brauchen"?

Warum sagte der Doping-Experte Prof. Fritz Sörgel: „Der Fall Lance Armstrong zeigt auch für Deutschland, dass man, wenn man denn wolle, Doper in die Enge treiben kann"?

Warum kommt der französische Sportwissenschaftler Antoine Vayer über den diesjährigen Tour-Sieger zu dem Ergebnis: „Christopher Froome ist nicht menschlich"?

Ja, und warum sagen dieses Experten das? Sie sagen das, weil ein effektiver Anti-Dopingkampf anders geführt werden muss und sie nichts von ihm halten. Denn, selbst wenn man immer wieder gedopte Athleten erwischt, ist das keineswegs ein Erfolg. Prof. Perikles Simon brachte die Misere und Unglaubwürdigkeit des Anti-Dopingkampfs im
„Aktuellen Sportstudio" auf den Punkt: „Man guckt sich das System nicht an und fragt nicht, ob es funktioniert."

Fakt ist, der Anti-Doping-Kampf kann nicht funktionieren, weil....

... man effektive Kontrollen nicht von unabhängigen Organisationen machen lässt;


... strenge Anti-Doping-Gesetzte fehlen und Sportbetrug nicht strafrechtlich verfolgt wird;

















... die Strafen nicht wirklich abschreckend sind;


... viel zu wenig Geld für die Anti-Doping-Forschung bereit gestellt wird;

... dem Interesse, Doper zu erwischen, die Gier nach Medaillen entgegensteht;

... verhindert wird oder es zu lange dauert, neue Testverfahren einzuführen;

... nicht alle medizinischen Kriterien herangezogen werden;

... Sportverbände und staatliche Stellen belastendes Material nicht immer herausrücken;

... der Sport gegen die Doping-Mafia und kriminellen Doper ohne Polizei und Staat wenig ausrichten kann;

... es eine Vielzahl bekannter Schlupflöcher für Doper gibt, die jedoch nicht beseitigt werden, obwohl dies kein Problem wäre.

Es wird nicht alles getan, den Betrügern auf die Schliche zu kommen, obwohl die Sportfunktionäre, Sportpolitiker, Sportärzte, Dopingfahnder und Insider im Sport wissen, dass es unzählige, sympathische Sportler/innen gibt, die in Wirklichkeit miese, verkappte Dopingsünder sind. Es ist doch soweit, dass wir auf die Frage, ob ein sauberer Läufer ein 100-Meter-WM-Finale gewinnen kann, wie Dwain Chambers, ein des Dopings überführter ehemaliger Weltklasse-Sprinter, antworten müssen: "Wenn du daran glauben möchtest, dann tue es einfach."

Der Sport wird, des Spektakels wegen, mit einer scheinheiligen Heldenverehrung kaputt gemacht. „Armstrong ist ein Beispiel dafür", sagte Travis Tygart, der Chef der US-Anti-Doping-Agentur, der den Ober-Doper zu Fall gebracht hatte, „wie diese Gewinnen-um-jeden-Preis-Kultur im Sport, wenn sie nicht mehr kontrolliert wird, von fairem, sicherem und ehrlichem Wettkampf Besitz ergreift."

                    Dr. Eberhard Pino Mueller **

** Der Autor hat Pharmazie und Lebensmittelchemie studiert, in Chemie mit Nebenfach Pharmakologie promoviert und ist unter anderem auf Dopingthemen spezialisiert.

publiziert:  Oktober 2013  -  SPORTJOURNALIST 

Kopien an:
IOC-Präsident Dr. Thomas Bach
Sportausschuss des Bundestages
Nationale-Anti-Doping-Agentur in Deutschland, NADA
DOSB
Prof. Perikles Simon



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