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Rafael Font de Mora. Die Trainerbeziehung begann, als die 17-Jährige auf die Tennisakademie Font de Moras in Arizona kam. Font de Mora drillte Grönefeld mit eiserner Hand, schikanierte sie nach Niederlagen mit hartem Straftraining, isolierte sie von Familie und ihrem Umfeld und kontrollierte tyrannisch schließlich ihr ganzes Leben. Ein Horrorleben, das das unerfahrene Mädchen willenlos mitmachte, weil Font de Mora ihr immer eingeredet hatte, sie sei ohne ihn nichts, und Grönefeld geglaubt hatte, „alles muss so sein, sonst werde ich nichts im Tennis."

Das konnte nicht gut gehen. Nach drei Jahren kam es zur Trennung und zu einem Psychokrieg. Der Ex-Coach beschimpfte seine ehemalige Schülerin bei Turnieren, hängte ihr eine Millionenklage an und brachte sie seelisch und sportlich so aus dem Gleichgewicht, dass Grönefeld eine einjährige Turnierpause machen musste. Grönefeld arbeitete sich dann, mit ihrem neuen Coach Dirk Dier, von Platz 436 auf Rang 68 bis Ende 2009 hoch. Doch eine monatelange Zwangspause nach einem Ermüdungsbruch im Fuß warf sie wieder zurück. „Ich muss jetzt halt erst einmal kleinere Turniere ohne Coach spielen und schauen, dass ich wieder nach oben komme."

Kompliziert wird es auch, wenn ein Trainer mit Jugendlichen arbeitet, hinter dem die Eltern  nicht stehen. Bob Brett, der auch schon erfolgreich mit Boris Becker und Goran Ivanisevic zusammengearbeitet hat, kennt das Problem aus Erfahrung: „Die Eltern müssen sich raushalten, wenn ein Trainer mit guten Ideen, von denen er überzeugt ist, arbeiten will. Was auch für den Freund einer Spielerin oder die Freundin eines Spielers gilt."

Praktisch ist es in jedem Fall, wenn jemand aus der Familie das Coaching übernehmen kann. Man reist nicht allein, kann das Hotelzimmer unter Umständen teilen und das Geld bleibt in der Familie. So hat Patty Schnyder seit einigen Jahren ihren Ehemann Rainer Hofmann als Coach dabei. Oder Nikolay Davidenko wird von seinem Bruder Eduard und Gisela Dulko von ihrem Bruder Alejandro coachenderweise begleitet. Auch die Williams Schwestern werden familiär vom Vater Richard und der Mutter Oracene Price seit Kindesbeinen und auf allen Reisen gecoacht.
Richard Williams hat sich eine eigene, spezielle Coach-Philosophie zurechtgelegt: „Man muss den Spieler dazu bringen, dass er hundertprozentig von sich überzeugt ist." Seine Töchter sind so erfolgreich, weil sie diesen Leitsatz verinnerlicht haben. Man hat doch nie den Eindruck, dass sie an sich oder ihrem Spiel zweifeln. Sie wissen um ihr eigenes Potential, denn „nicht was die Gegnerin drauf hat, ist wichtig und zählt, sondern das eigene Können." Deshalb spielen Venus und Serena auch, wie einst Boris Becker in seinen besten Zeiten, ohne Respekt auf, geben alles und gewinnen meistens.

So hat eben jeder Trainer eigene Vorstellungen und Ideen. Für Martin Sinner, Ex-Tennisprofi und seit kurzem als Coach in Diensten des kanadischen Tennisverbands, sind neben den neutralen Basis-, Angriff- und Verteidigungsschlägen „taktische Disziplin und individuelle Freiheiten" das Wichtigste. Klaus Hofsäss, Ex-Damenbundestrainer des DTB, schwört auf eine harte Hand: „Wer rangenommen und gelobt wird, lernt auch viel." Und Peter Pfannkoch, DTB-Bundestrainer, baut auf ein gutes Vertrauensverhältnis und Stehvermögen: „Man darf in schwierigen Situationen nicht resignieren, weil es viele Möglichkeiten gibt, ans Ziel zu kommen." Andererseits hat es auch keinen Sinn, wenn man mit einem Trainer nicht mehr weiterkommt. Eine Trennung ist oft bitter, vor allem für den Coach, wenn die Zusammenarbeit sehr erfolgreich war. „Neue Ideen", sagt Bob Brett „sind vital bei einer Coachbeziehung. Nur den Status quo zu halten, ist bei dem großen Druck und dem extremen Weltklasseniveau nicht ausreichend und bedeutet Rückschritt."

Das hat auch Roger Federer erkannt, der nicht immer einen eigenen Trainer beschäftigt und seine lange unumstrittene Position als

Nummer eins der Welt verloren hat. Deshalb arbeitet der Schweizer nun in einer Testphase mit Paul Annacone zusammen, der sieben Jahre lang Pete Sampras grandios gecoacht hatte.

Ob ihm das was bringen wird, muss man abwarten. Was soll ein Top-Coach einem Roger Federer noch beibringen, der doch scheinbar alles kann? Der Perfektionist Roger Federer lässt aber nichts unversucht und holte sich in diesem Jahr als speziellen Trainingspartner zur Vorbereitung auf die Hartplatzsaison Philipp Kohlschreiber, von dem er weiß, dass er gegen seinen größten Konkurrenten Rafael Nadal immer gut bei Turnieren ausgesehen hatte.

Hin wie her, was zählt, ist nur der Erfolg, ob mit oder ohne Coach. Das sagte sich auch der Südafrikaner Wayne Ferreira, der viele seiner 15 ATP-Einzel- und 11 Doppeltitel ohne privaten Coach gewonnen hatte. „Die Coachs sind überbewertet", meint er, „die Spieler müssen viel mehr ihr eigenes Ding machen."

                              Eberhard Pino Mueller

publiziert:  Oktober 2010  -  DTZ-Deutsche Tennis Zeitung

                                                                                                             
TAKEOFF-PRESS

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Top-Coachs und ihre Spieler/innen:


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Ion Tiriac Rumänischer Davis-Cup-Spieler:  Guillermo Vilas, Adriano Panatta, Henri Leconte, Marin Safin, Boris Becker, Anke Huber…

Bob Brett Schüler von Harry Hopman (erfolgreichster Davis-Cup-Kapitän): Tim Mayotte, Andres Gomez, Boris Becker, Goran Ivanisevic, Marin Cilic, Sania Mirza…

Brad Gilbert Buchautor „Winning Ugly" (über Tennisstrategie): Andre Agassi (mit Gilbert sieben GS-Titel), Andy Roddick (1 GS-Titel), Andy Murray…

Jose Higueras Spanischer Tennisprofi mit 16 ATP-Titeln:  Michael Chang (mit Higueras als 17-Jähriger French Open-Sieger) Jim Courier (mit Higueras sieben GS-Titel), Pete Sampras, Carlos Moya, Todd Martin, Jennifer Capriati, Roger Federer…

Peter Lundgren - Schwedischer Tennisprofi: Marcelo Rios, Roger Federer, Marat Safin, Marcos Baghdatis, Stanislas Wawrinka…

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