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Doping - wo sind Schwachstellen und was muss sich ändern?


Es darf nicht sein, dass das praktizierte Kontrollsystem mehr oder weniger für die Katz ist… der Staat nicht eingreifen kann, um Doper und deren Hintermänner strafrechtlich zu verfolgen… die Strafen nicht wirklich abschreckend wirken… Sportverbände, Sponsoren und Funktionäre die allseits bekannten Machenschaften der Betrüger und Doping-Mafia dulden und den sauberen Sport dadurch verraten… dass

… Dopingkontrollen am Geld scheitern. Das IOC kassiert doch Beträge in Milliardenhöhe von Sponsoren und dem Fernsehen. Kein Problem auch eine „zehnstellige" Summe für die Sicherheit der Spiele in Athen und Preisgelder in Millionenhöhe. Doch Dopingkontrollen machen nur wirklich Sinn, wenn sie überraschend - nicht routinemäßig wie bei Wettkämpfen üblich - und gezielt überall auf der Welt bei allen Topathleten gemacht werden.

… in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen keine Kontrollen stattfinden, da Doper diese Zeiten nutzen, um sich verbotene Mittel, die schnell ausgeschieden werden, reinzuhauen.

… die Urinabnahme nicht richtig beaufsichtigt wird und der Urin manipuliert oder Fremdurin, wie der Däne Georg Facius im Anti-Dopinggremium des europäischen Leichtathletikverbandes bemängelte, abgegeben werden kann.

… den Dopingfahndern verwehrt bleibt (nicht gesetzlich geregelt), den Sportlern auch mal in die Sporttaschen zu gucken und sich in deren Räumen umzusehen. Wer nichts Verbotenes macht, hat damit kein Problem, und den anderen geht es, wie bei Razzien der Polizei, an den Kragen. 

… Sportler sich ungestraft aus dem Staub machen, wenn Dopingkontrolleure kommen, und so bisher etwa jeder zehnte Athlet, darunter natürlich die, die etwas zu verbergen hatten, den Dopingfahndern durch die Lappen ging.

… man Athleten, die sich mit suspekten Personen zusammen tun, gewähren lässt, anstatt sie  besonders scharf zu kontrollieren oder von Wettkämpfen zu suspendieren. Da ist doch oft etwas faul wie bei Kenteris und dem vorbestraften Medikamentenhändler Tsekos oder Mühlegg und seine Skandalärzte Nicilas Terradus und Sabino Padilla oder Montgomery und Charly Francis, dem Ex-Coach des gedopten Ben Johnson.

… Doping-Überführte mit fadenscheinigen Begründungen kommen können und begnadigt werden, wie Hochsprung-Weltrekordmann Sotomayor und die Sprinterin Marlene Ottey, die weiter machen durften und den anderen die Medaillen weggeschnappt haben.

… Mittel der Dopingliste aus medizinischen Gründen erlaubt werden. Es geht doch nicht an, dass Athleten leistungssteigernde Mittel einsetzen dürfen und sich dadurch Vorteile verschaffen.

… Sportler mit Asthma-Attest legal dopen können, da man mit Asthmamitteln nicht so schnell außer Atem kommt und bei längerer Einnahme mehr Muskeln kriegt.

… Hämatokrit-Werte um 50 erlaubt sind, was die Leistungsfähigkeit um zehn Prozent und mehr erhöhen kann, da mit einer übernatürlichen Zahl roter Blutkörperchen nach Infusionen von Eigenblut, EPO und EPO-Derivaten den Muskeln mehr Sauerstoff zugeführt wird. „Solche Werte", so Prof. Braumann vom Olympiastützpunkt Hamburg, „gehen an der Realität weit vorbei. Es kann nicht sein, dass die Natur in kurzer Zeit derartige Abweichungen macht."

… Langzeitprofile, etwa Blutdatenbanken von Normalblut im Vergleich mit Sportlerblut oder auch Haaranalysen wenig Beachtung finden, obwohl damit Langzeit-Doping verfolgt werden kann.

… die Leiter der Dopinglabore oft mehr wissen, als sie sagen dürfen. Eine auffällige Probe darf nicht als sauber gelten, weil dem Labor die Hände gebunden sind.

… staatliche Anti-Dopinggesetze wie in Frankreich und Italien, wo Polizei und Justiz gegen die Seuche Doping erfolgreich kämpfen und Betrüger strafrechtlich verfolgen, in anderen Ländern, auch in Deutschland, fehlen, zumal sie auch eine massiv abschreckende Wirkung hätten.

… Sportverbände oder Länder die Anti-Dopinggesetze unterlaufen und ohne empfindliche Sanktionen davonkommen.

… nicht grundsätzlich alle Proben in den Dopinglabors eingefroren und für nachträgliche Untersuchungen aufgehoben werden. Betrüger würden so verunsichert, weil sie befürchten müssen, auch später noch entlarvt und bestraft zu werden.


                                                                                                                                                                                                                               
Dr. rer. nat. Eberhard Pino Mueller **

** Der Autor hat Pharmazie und Lebensmittelchemie studiert, in Chemie mit Nebenfach Pharmakologie promoviert und ist unter anderem auf Doping-Themen spezialisiert.

publiziert: Januar 2005  „sportjournalist"   -  Kopien an IOC, NOK, WADA, NADA, Sportausschuss des Bundestages                                           

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