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Nur mit effektiveren Kontrollen kann der Kampf knallhart und mit „null Toleranz" wie IOC-Präsident Rogge vorgab, geführt werden. Man kommt nicht um raffiniertes Vorgehen mit gezielten Kontrollen herum. Die Kontrolleure müssen so trickreich denken und handeln wie die Doper, denn man weiß doch inzwischen, wie sich Doper durch die Kontrollen mogeln. Und wer schnell untertaucht, um vor Kontrolleuren zu verduften, muss wie Gedopte sofort und gnadenlos gesperrt werden.

Wirklich abschreckend ist auch nur, wenn die Athleten, wie auch deren Helfer, an keinem Ort der Welt, auch in China, Russland, Amerika, Südafrika oder sonst wo und zu keiner Stunde sicher vor Kontrollen sind und ohne Pardon mit saftigen Strafen rechnen müssen, wenn sie sich verstecken. Am Geld darf ein aufwendiges Anti-Dopingprogramm nicht scheitern, kassiert doch das IOC Beträge in Milliardenhöhe von Sponsoren und dem Fernsehen. Auch werden Millionen für Preisgelder locker aufgebracht und ein zehnstelliger Betrag für die Sicherheit der Spiele in Athen war kein Problem.

Und schließlich müssen Schlupflöcher gestopft werden. Zum Beispiel: Asthma als medizinische Ausnahme. Damit, so Patrick Laure von der Universität Nancy: „erhöht man nur die Quote an Asthmatikern unter Sportlern."  Denn Asthma-Sprays wirken Wunder bei Asthmaanfällen, aber auch bei Sportlern: „sie bekommen Flügel." Und warum hält man noch immer an unphysiologischen Werten fest, die zu viel Spielraum zulassen, und die Sportler nur dazu verführen, sich an das Dopinglimit heranzudopen. Auch könnte Langzeitdoping mit Blutbanken und Haaranalysen verfolgt und Dopingsünder dabei entlarvt werden.

Man wird Doping nie ausrotten. Es kann aber gegen Doping noch viel getan werden. Auch wenn die Wada und nationalen Anti-Dopingagenturen sich inzwischen reinhängen und Druck machen, wären staatliche Antidopinggesetze wie in Frankreich und Italien, wo Polizei und Justiz gegen die Seuche Doping erfolgreich kämpfen und Betrüger strafrechtlich verfolgen, allein schon wegen der massiven Abschreckung hilfreich.

Es geht doch nicht nur um Fairness und Chancengleichheit sondern auch die Gesundheit der Athleten. So stellte ein Sportarzt in Amerika bei 30 Hormon-gedopten Sportlern Leberkrebs und Mediziner an einem Prager Institut bei 780 toten Athleten 218 bösartige Tumore fest. Es geht also vor allem auch darum, junge Menschen mit unmenschlichen Leistungen nicht in den Tod zu treiben.

                     
Eberhard Pino Mueller **

** Der Autor hat Pharmazie und Lebensmittelchemie studiert, in Chemie mit Nebenfach Pharmakologie promoviert und ist unter anderem auf Dopingthemen spezialisiert.









Fakten... Fakt ist, dass
…die Leiter der Dopinglabore oft mehr wissen, als sie sagen dürfen - zum Beispiel auffällige Proben als „sauber" gelten, weil den Labors die Hände gebunden sind.
…angesagte Dopingkontrollen bei Wettkämpfen Sportler/innen vom Doping nicht abhalten, da gewiefte Betrüger wissen, wie
man dopen muss, um bei Wettkämpfen nicht erwischt zu werden.
…die besten Doping-Analysentests nichts nützen, wenn die Kontrolleure zur falschen Zeit kommen oder hingehalten werden, da Dopingmittel oft nur wenige Tage oder Stunden nachweisbar sind 
…ein Asthma-Attest eine elegante Methode ist, legal zu dopen.
…nach einer schwedischen Studie mit 1.600 Leistungssportlern aus verschiedenen Disziplinen jeder zehnte an Asthma oder keuchendem Atem litt, sich dagegen bei der Winter-Olympiade in Lillehammer 70 Prozent der Aktiven als Asthmatiker auswiesen.
…die Polizei und Justiz in Frankreich bei der Tour 1998 in einer Nacht mehr Doper fand, als der Radsportverband mit all seinen Dopingkontrollen zuvor.
…die Radprofis, mit heutzutage meistens unmenschlich hohen Hämatokrit-Werten um 50, nach einer Studie von 1980, also bevor Epo auf den Markt kam, durchschnittlich nur Werte von 43 Prozent hatten
…ein Großteil der weltweiten Epo-Produktion nicht für Kranke benötigt wird und in dunklen Kanälen verschwindet.
…Fibeln für Doper, wie das „Amerikanische Underground Steroid Handbuch" oder das spanische Dopingbuch „La Fuerza", mit Anleitungen zum Anabolika-Missbrauch und zur geschickten Vertuschung, auf dem Markt sind.
…bei den Olympischen Spielen in Los Angeles neun B-Proben von positiven Urintests spurlos verschwanden und zwanzig Medaillengewinner mit Anabolika und die amerikanischen Radrennfahrer mit Blut gedopt waren.
…bei den Spielen zwischen 1988 und 2000 mehr als hundert Dopingfälle amerikanischer Athleten, die insgesamt 19 Olympiamedaillen ergattert hatten, wie der Olympiaarzt Wade Exum mit Akten belegte, ungestraft blieben.
…der italienische Sportmediziner Conconi, obwohl an seinem Institut 33 Sportler, darunter der Radprofi Pantani,  mit Epo gedopt wurden, ungestraft davon kam, weil man den seit langem verdächtigen Professor erst in die Zange nahm, als er wegen Verjährung nicht mehr gepackt werden konnte.   

publiziert:  SÜDKURIER:  JULI 2006 

Sprüche, Meinungen:
Otto Schily, Bundesinnenminister: Doping ist die massivste Beeinträchtigung der sportlichen Fairness und Chancengleichheit.
Jürgen Hingsen, Zehnkampf-Weltrekordler: Man muss durchgreifen und gleiche Voraussetzungen mit einem flächendeckenden Anti-Doping-System schaffen.
Prof. Donike, verstorbener Leiter des Kölner Dopinglabors: Ich weiß oft viel mehr, kann es nachweisen, darf aber nichts ausplaudern. Die Probe gilt als sauber, weil uns in den Labors die Hände gebunden sind.
Richard Virenque, Radprofi: Ich war wie ein Schaf in der Herde, wenn ich nur allein nicht gedopt hätte, wäre ich sofort erledigt gewesen.
Phillip Gaumont, Radprofi: Ich habe zugegeben, verbotene Substanzen genommen zu haben. Welcher Radrennfahrer kann das Gegenteil von sich behaupten?


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