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Stan Smith, Edberg, Ashe, McEnroe, Newcombe haben es wie auch Boris Becker da nicht einmal geschafft. Doch dann, 2005, kam Rafael Nadal. Der 19-jährige Spanier gewann gleich Roland-Garros. Er holte danach, bis auf einmal, als er gesundheitliche Probleme hatte, immer den Siegerpokal. Unvorstellbar, dass einer den Sandplatzkönig Borg mal so entthronen würde - Nadals sagenhafte Bilanz: neun Titel in zehn Jahren, siebzig  gewonnene Matches und nur eine Niederlage bis es ihn diesmal erwischt hat. Gegen Novak Djokovic, der sich hier, seit 29 Matches in Serie unbesiegt, den einzigen ihm noch fehlenden Grand-Slam-Titel endlich holen wollte. Doch daraus wurde wieder nichts. Stan Wawrinka stoppte Djokovics Siegeszug im Finale mit „dem Match meines Lebens" und verdarb auch noch Djokovic-Coach Boris Becker, wie Nadal vor einem Jahr, die hoffnungsfrohe Laune auf den Titel in Paris. 

Fantastisch -  Es gibt, aber auch, drei Spieler und drei Spielerinnen, die es in Roland-Garros besser als Nadal gemacht haben. Die nicht ein Match in Paris verloren haben. Doch das ist schon eine Weile her: Helen Wils (1928,1929,1930), Maureen Connolly (1953,1954), Athea Gibson (1956), Donald Budge (1938), Wiliam McNeil (1939), Frank Parker (1948,1949). 

Mordsmäßig -  Die französische Sportzeitung L'Equipe gräbt immer Besonderheiten aus, die mit Zahlen zu tun haben. So die Zahl 1.350 - für Manon Arcangioli. Eintausend- dreihundertundfünfzig, ja genau, so viele Euros sackte die Französin für jeden ihrer zwanzig gewonnen Punkte bei ihrer Erstrundenniederlage in Paris ein - zusammen satte 27.000 Euro

Alles umsonst -  Benjamin Becker schaffte den ersten Sieg seiner Karriere über fünf Sätze bei den Australian Open und jetzt, in Roland-Garros, gleich noch einmal zwei dazu. Der 33-Jährige konnte, schon kurios, nur zwei Sätze bei seinen sechs Erstrundenniederlagen in Paris gewinnen. Nur schade, seine sechs gewonnenen Sätze dieses Mal, die ihn als einzigen Deutschen in die dritte Runde gebracht hatten, nützten nichts, eine Verletzung hinderte ihn am Weiterspielen.

Wie erwartet -  Es lief bei den deutschen Spielerinnen besser als bei den Männern. Da sind fünf der zehn Teilnehmerinnen nicht gleich in Runde eins und zwei gestolpert. Annika Beck bugsierte überraschend sogar die frühere Weltranglisten-Zweite Agnieszka Radwanska aus dem Turnier. Das gelang Anna-Lena Friedsam zwar nicht ganz, aber sie brachte über drei Sätze mit Herz, Leidenschaft, Wille und Können die haushohe Turnierfavoritin Serena Williams in arge Bedrängnis. Die 33-jährige Amerikanerin musste sich aber gleich fünfmal über drei Sätze durchbeißen. Irgendwie. Im Halbfinale und im Finale sogar krank - „mit Fieber und Grippe", sagte sie. Und jetzt, mit ihrem zwanzigsten Grand-Slam-Titel fehlen Serena Williams nur noch zwei, um mit Steffi Graf gleichzuziehen.

Wahrlich -  Der Weg, ach, über sechs Runden zum Sieg in Roland-Garros war für alle Deutschen so weit weg wie die Cote d'Azur für einen Pariser Chlochard. Immerhin Julia Görges schaffte den Sprung unter die letzten 16 und putzte souverän die an fünf gesetzte Dänin Caroline Wozniacki weg. Dass es dann nicht weiterging, vermasselte ihr die wieselflinke Italienerin Sara Errani, die zuvor schon Carina Witthöft und Andrea Petkovic nach Hause geschickt hatte.       

Roland-Garros total -  Roland Garros muss vom Himmel, wenn er denn da ist, auf Paris runtergucken und sich vor Freude auf die Schenkel klopfen. Überall in der Stadt steht sein Name. In Schaufenstern. An Plakatwänden. An Bussen. Auf den Sportseiten der Zeitungen. In der Metro und da sogar an Treppenstufen. Am Fuß des Eifelturms. Auf mehr als 300.000 RG-Produkten, die während des Turniers verkauft werden. Und auch noch auf den 60.000 gelben Filzbällen, die sich die Stars aus aller Welt um die Ohren hauen. Sogar in China und Brasilien wird Reklame mit seinem Namen für das Grand-Slam-Turnier gemacht. In Peking in der City und in Rio de Janeiro am legendären Copacabana-Beach -. also wirklich einmalig, was mit dem Namen des Mannes, der mit Tennis nichts am Hut hatte, passiert ist.

                                      Eberhard Pino Mueller

publiziert:  Juni  2015  ---  DTZ Deutsche Tennis Zeitung


Roland-Garros - French Open - Internationaux de France


Ein Pilot, eine Diva, ein Jude und andere French-Open-Schnipsel.


Mit der Metro kommt man vom Zentrum in Paris schnell zur Porte d'Auteuil und von da in wenigen Minuten zu Fuß zum Stade Roland-Garros im Bois de Boulogne, dem neben Wimbledon berühmtesten Tennisstadion der Welt, das die Franzosen 1928 bauten, weil sie, um den Davis Cup zu verteidigen, ein großes Stadion benötigten. Und weil Tennis in den 1920er Jahren durch Tennisberühmtheiten wie Suzanne Lenglen, „Big" Bill Tilden oder René Lacoste sehr populär war, zögerte die Stadt Paris nicht lang und gab dem Französischen Tennisverband ein Grundstück mit nur einer Auflage: Das Stadion musste nach Roland Garros, einem Flugpionier, der als erster das Mittelmeer überquerte und als Jagdflieger im ersten Weltkrieg ein Kriegsheld war, benannt werden.

Verzwickt -  Niemand ahnte damals, dass „Roland-Garros" zum Inbegriff des Grand-Slam-Turniers in Paris werden könnte. Das Stadion wurde ja wegen des Davis Cups gebaut und nicht für die „French Open", die ursprünglich „Championat du Monde sur terre battue" hießen, was aber nicht stimmte. Denn es war keine Weltmeisterschaft, weil nur Spieler von französischen Klubs zugelassen waren. 1925 wurden daraus die „Internationaux de France", weil das nationale Turnier jetzt auch für Ausländer offen war. Aber nur für Amateure - nicht wie 1969, als der Begriff „Open" für die Zulassung von Profi-Tennisspielern bei allen Grand-Slam-Turnieren eingeführt wurde.   

Bizarr - Eine Tennisspielerin, die mit offenem Pelzmantel zum Match kommt und ein bisschen Cognac beim Seitenwechsel runterkippt? Suzanne Lenglen, die legendäre Französin mit 25 Grand-Slam-Titeln, konnte sich solche Marotten erlauben. Auch für damalige Verhältnisse skandalös nackte Beine und gewagte Dekolletés. Nur eins haben sie der zickigen Diva, von ihren Fans aber als „die Göttliche" verehrt, verboten: Für Roland-Garros wurde der Weltstar gesperrt, nachdem Lenglen Showkämpfe für Geld gespielt hatte. Nichtsdestotrotz tragen der Siegerpokal für die Damen und das zweitgrößte Stadion mit mehr als 10.000 Plätzen ihren Namen - dabei hat Suzanne Lenglen nie ein offizielles Match in Roland-Garros gespielt.

Makaber - wie das Stade Roland-Garros im zweiten Weltkrieg umfunktioniert wurde. Zuerst zur Internierung politisch suspekter Personen und danach von den deutschen Besetzern für Juden vor dem Abtransport in Konzentrationslager. Der jüdische Schriftsteller Arthur Koestler, einer von 600 Insassen, die unter Stadiontreppen, eingezwängt auf feuchtem Heu, schlafen mussten, schrieb, nachdem er den Nazis entkommen war, voll Ironie der Schicksale: „Im Vergleich mit dem, was wir vorher und nachher erlebt haben, war Roland-Garros für uns fast ein Vergnügungspark. Wir konnten noch, wenn wir im Stadion spazieren gehen durften, auf der Anzeigetafel die Namen Borotra und Brugnon sehen." (Anmerkung: Die beiden Franzosen hatten Monate zuvor bei den French Open gegen zwei Amerikaner verloren).

Dumm gelaufen -  Jimmy Connors kam elfmal nach Roland-Garros, doch den Titel hat er nie geholt. Ein bisschen Schicksal war mit im Spiel, denn 1974, in dem Jahr als er alle drei anderen Grand-Slam-Titel gewann, vermasselte die Spielervereinigung ATP dem damals weltbesten Tennisspieler möglicherweise einen echten Grand Slam, den bis heute nur Donald Budge und Rod Laver in einem Jahr geschafft haben. Man hatte Connors als Strafe, weil er oft Schiedsrichter sowie Konkurrenten beleidigt und sich mit der ATP angelegt hatte, für die French Open gesperrt.

Überirdisch -  Hatten wir nicht gedacht, als Björn Borg, 1981, seinen sechsten Titel in Roland-Garros holte, das sei ein Rekord für die Ewigkeit? Denn auf dem roten Sand in Paris zu gewinnen, ist

schwieriger als bei den anderen Grand Slams. Selbst ein Connors,

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