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ber - „ich habe hier im Turnierverlauf meinen Spaß und meine Leichtigkeit zurückgewonnen und kann viel besser kaum spielen" - musste den Ex-Wimbledonsieger und Titelverteidiger Hewitt sowie Gael Monfils, den Weltranglisten-Achten, „wegmachen." Und Philipp Petzschner hatte mit dem jungen Aufschlagriesen Milos Raonic und Turnierfavoriten Tomas Berdych, dem Weltranglisten-Siebten, auch zwei dicke Brocken aus dem Weg zu räumen.

Philipp gegen Philipp, so Patrik Kühnen, der Davis-Cup-Kapitän vor dem deutschen Endspiel der Gerry Weber Open, „das krönt die tolle Bilanz unserer Spieler hier in Halle." Es war ein Prestigeduell der gleichaltrigen bayerischen Freunde, die sich seit Jugendzeiten kennen. Motiviert waren beide, denn es ging nicht nur um den Titel, sondern auch um 114.750 Euro für den Sieger und  60.400 - ja auch nicht schlecht - für den Verlierer vom Geldgeber Gerhard Weber.

Es sah zunächst nach einer längeren Partie aus, denn keiner der aufschlagstarken Kontrahenten ließ ein Break zu. Und so ging es nach 42 Minuten in den Tie-Break, in dem zuerst Petzschner ein Minibreak gelang, das Kohlschreiber ihm gleich wieder abnahm und danach auch den ersten Satz. Petzschner setzte sich in der Pause nicht auf die Bank, sondern ließ sich, auf dem Boden liegend, am Rücken behandeln. Es sah nicht gut aus, auch als er weiterspielte und nicht mehr voll aufschlagen konnte. Nach zwei verlorenen Spielen ist Petzschner mit hängendem Kopf nur noch zum Netz getrollt, und da hing er dann, bis Kumpel Kohli kam, weil er nicht weiterspielen konnte.

Pech für Petzschner, den Wimbledonsieger 2010 im Doppel, der sich als Trost wenigstens auf Wimbledon freuen konnte: „Da werde ich als erstes, die Tafel anschauen, wo mein Name jetzt steht und hundert Fotos davon machen." Schade aber für Kohlschreiber: „Es fühlt sich nicht so schön an, und man denkt, man hätte gar nicht gewonnen." Er war trotzdem sehr zufrieden. „So eine Woche, nach einer Minikrise, einfach super. Ich habe hier alles richtig gemacht." Und dann bedankte er sich noch bei den Webers. „Ein Superturnier - man sieht hier, das alles geschieht aus Liebe zum Sport, zum Tennis und zu uns Spielern."

Der Turnierveranstalter Gerhard Weber, modebewusst mit Krawatte und in feinem, hellgrauem Zwirn, stand dabei und strahlte. Denn genau so ist es hier. Es heißt: Erfolg wird zur Sucht. Mag sein. Sicher ist, für die Gerry Weber Open gibt es kein Limit und warum, „weil wir uns nie auf dem Erreichten ausgeruht haben." Ein Lieblingsspruch von Ralf Weber, der auch gleich „Außergewöhnliches" für die 20. Gerry Weber Open, das Jubiläumsturnier im nächsten Jahr, ankündigt. Er sei nun auch noch hinter den Topspielern Nadal und Djokovic her, die hier schon gespielt haben. Auch soll das Jubiläumsturnier „eine weibliche Note" mit einem attraktiven Dameneinladungsturnier über drei Tage bekommen, wofür man acht Spielerinnen, unter anderen Andrea Petkovic, Julia Görges und Sabine Lisicki verpflichten will. Und außerdem werden ehemalige Grand-Slam-Champions wie Michael Stich, Kafelnikow oder Ivan Lendl für Showkämpfe eingeladen.

                                       Eberhard Pino Mueller

publiziert:  Juli 2011  --  DTZ-Deutsche Tennis Zeitung
   


GWO - Gerry Weber Open


Kleine Brötchen nicht ihr Ding


Für den Modefabrikanten Gerhard Weber muss es ein wunderbares Gefühl sein, in seiner Center-Court-Box zu sitzen, in seinem Tennisstadion und bei seinem Tennisturnier. Auch dieses Mal wieder, am Finaltag seiner Gerry Weber Open, bei strahlendem Sonnenschein, mit zehntausend Tennisfans und einem deutschen Endspiel. Und sollte er mit seinen Gedanken dabei zufällig in der Vergangenheit verweilen, im Keller seines Kompagnons, wo sie einst mit zwei Nähmaschinen angefangen haben, muss er sich, jedoch nicht von der Sonne geblendet, die Augen reiben und fragen: „Kann das hier alles wirklich wahr sein?" Gerhard Weber und sein Partner Udo Hardieck bauten damals, aus dem Nichts mit Fleiß und Geschäftssinn, ein Modeimperium mit Millionengewinnen auf.

Nicht genug und kein Grund für den Unternehmer Gerhard Weber, die Hände in den Schoß zulegen. Der tennisverrückte Hobbyspieler stürzte sich, als die ATP ihm ein Turnier in der Woche vor Wimbledon anbot, in ein neues Abenteuer und griff sofort zu, um in Halle das deutsche Wimbledon zu bauen. Das Geld war da, das Gelände, so groß wie ein Flugplatz, auch und mit Gerhard Weber und dessen Sohn Ralf zwei Macher mit Visionen. Ein großer Coup, denn aus den als Tennismärchen belächelten Rasenturnierplänen wurde eine einmalige Erfolgsgeschichte, weil die beiden die Gerry Weber Open mit Leib, Seele und immer neuen Ideen Jahr für Jahr perfektioniert haben.     

Auch dieses Mal ließen sie sich wieder etwas Besonderes einfallen. Für einen Showkampf vor dem Turnier wurde Steffi Graf, die für die Modemarke jahrelang Werbung und die Marke international bekannt gemacht hatte, aus Amerika eingeflogen. Ihr Auftritt im ausverkauften Gerry Weber Stadion war für die Tennisfans, so Turnierdirektor Ralf Weber: „ein Wahnsinnsmoment und emotionaler Ausnahmezustand" - die Tennislegende war mit stehenden Ovationen und Plakaten wie  „Steffi forever" und „Steffi-Danke" herzlich gefeiert worden.

Zwei Tage später jedoch, die große Enttäuschung. Roger Federer, der erst im vergangenen Jahr einen Lifetime-Vertrag für das Turnier gemacht hatte, sagte sein Kommen wegen körperlicher Ermüdung nach dem Finale in Paris ab. Eine doppelte Enttäuschung für die Kartenbesitzer von Federers Erstrundenmatch. Es wäre mit der Neuauflage des vorjährigen Endspiels gegen den Ex-Wimbledonsieger Hewitt ein richtiger Knüller gewesen.

So bitter die Absage auch war, die Macher der Gerry Weber Open konnten sie verkraften. Mit den Top-Ten-Spielern Gael Monfils und Wimbledonfinalist Tomas Berdych, den GWO-Siegern Tommy Haas und Lleyton Hewitt, dem kanadischen Aufschlagstar Raonic, dem serbischen Davis-Cup-Helden Troicki und den deutschen Topspielern Mayer, Kohlschreiber und Petzschner war Spannung und ein Top-Tennisspektakel auch ohne Federer garantiert.

Und die deutschen Davis-Cup-Spieler gingen richtig zur Sache. Florian Mayer verpasste das Halbfinale nach großem Kampf nur knapp gegen den Franzosen Monfils. Und Kohlschreiber und  Petzschner drangen überraschend bis ins Endspiel vor. Beide bekamen auf dem Weg dahin aber nichts geschenkt. Philipp Kohlschrei

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