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  Jetzt liegt es an Anna. Sie muss gewinnen, damit das deutsche Team im Doppel noch eine Chance hat. Kein Problem. Anna fegt die Schweizerin in einer knappen Stunde vom Platz.

  Wie schon einmal, in Japan 2006, vertraut Barbara Rittner auf das Doppel Grönefeld/Malek. Wie damals kassieren die beiden gleich ein Break und liegen 0:2 zurück. Macht nichts. Auch lassen sie sich durch das „Hopp Schwiiz"-Gebrüll, mit dem die Gastgeber ihr Team anfeuern, nicht drausbringen. Sie kämpfen sich zurück und holen für Deutschland den Sieg.

  Ein bewegender Moment. Anna und Tade werfen die Schläger weg und fallen sich um den Hals. Jubel bei den Betreuern im deutschen Lager. Auch ein paar Tränen bei den Mädchen. Das Team hüpft dann noch vor Freude und Erleichterung ausgelassen auf dem Platz herum. Auch Barbara Rittner ist außer sich und wünscht sich: „Erst mal ein kaltes Bier und beim nächsten Mal ein schönes Heimspiel."

                              Eberhard „Pino" Müller
               



Rund um den Fed Cup

Der Fed Cup ist der größte internationale Mannschafts-wettbewerb im Sport für das weibliche Geschlecht. Mehr als neunzig Nationen nehmen in diesem Jahr daran teil. So gesehen ist das deutsche Team in Weltgruppe II unter den acht bis 16 besten Mannschaften gut dabei und würde mit einem Sieg im nächsten Fed-Cup-Spiel in die Eliteklasse der besten acht Teams aufsteigen.

Als der Federation Cup vor 47 Jahren in London zum ersten Mal gespielt wurde, war er gleich ein Riesenerfolg. Jedenfalls sportlich gesehen. Denn alle Topspielerinnen der großen Tennisnationen u.a. USA, Australien und England machten mit. Eine Katastrophe war nur das Wetter. Wegen nassem Gras und starkem Wind musste an mehreren Tagen in einer Halle auf einem Holzboden gespielt werden.

Apropos Geld. Damals, bei den ersten Wettkämpfen, als Tennis noch ein Amateursport war, erhielten die Spielerinnen täglich gerade mal fünf englische Pfund. Mit COLGATE als Hauptsponsor des Cupwettbewerbs kam 1976 dann das große Geld. Im Topf waren 200.000 Dollar und davon gingen 20.000 an die beste Spielerin sowie 130.000 an das siegreiche Team - vor dreißig Jahren wahnsinnig viel Geld im Sport.

Steffi Graf war 1998 in Moskau gegen Russland nicht dabei, als das deutsche Team sang und klanglos abstieg. Schuld daran waren der Papa, der die Geschäfte für Steffi regelte, und der Deutsche Tennis Bund. Na ja, man kann verstehen, dass der DTB happige 600.000 Mark Antrittsprämie und weitere 400.000 Mark für einen Sieg, die Herr Graf gefordert haben soll, nicht herausrücken wollte.

Übrigens Barbara Rittner, seit vier Jahren Fed-Cup-Teamchefin, war eine sehr engagierte Fed-Cup-Spielerin. Sie spielte elf Jahre für Deutschland. Ein Rekord, den sie sich mit Helga Masthoff und Anke Huber teilt. Auch war sie mit 31 Jahren und 76 Tagen die älteste Spielerin in einem deutschen Team.

                             Eberhard Pino Mueller
 

publiziert: März 2009  DTZ               

Fed Cup 2009  - Schweiz gegen Deutschland 

Das Auf und Ab geht weiter

      Wir haben Mittwoch und noch drei Tage, bis es losgeht. Gegen die Schweiz im Fed Cup in der Züricher Saalsporthalle. Sabine Lisicki, die Berlinerin mit polnischen Wurzeln, Anna-Lena Grönefeld und Kristina Barrois, die „saarländische Fraktion", und Tatjana „Tade" Malek trainieren Doppel. Die letzten Aufschläge feuert Anna mit Karacho so brutal zurück, dass die Gegenspielerinnen nicht schnell genug gucken können. „Wow", entfährt es Barbara Rittner, „die Returns musst du mitnehmen für Sonntag." Anna ist für das deutsche Doppel als Einzige gesetzt.

      Das Training hatte Spaß gemacht. Alle sind gut drauf. Auch Sofie, das Hündchen von Barbara Rittner, flitzt vergnügt herum und freut sich, weil Frauchen wieder da ist.

       Wenig später sitzt Barbara Rittner mit Sabine, Anna, Kristina und Tade an einem Tisch. Auf die Frage, ob die Achterbahn des deutschen Fed Cup-Teams weitergehe, kommt von der Teamchefin spontan: „Na klar! Letztes Jahr ging's runter und dieses Jahr wieder rauf." Worauf alle schmunzeln. Barbara Rittner weiß, die Schweizerinnen mit Patty Schnyder, die Nummer 16 der Welt, haben die Favoritenrolle. Sollen sie haben, „aber wir sind hier, um zu gewinnen."

       Ob der Job anstrengend sei? - „Mal mehr, mal weniger. Ach ja, die Mädchen meinten zu einem Foto von mir aus dem Jahr 2004, da würde ich noch jung aussehen." Wieder lachen alle am Tisch. „Hat mich schon ein bisschen schockiert. Nein! Natürlich lässt man Nerven. Mal sind's negative, mal positive Emotionen. Aber man weiß ja, auf was man sich eingelassen hat."

  Samstag. Jetzt wird es ernst. Die deutschen Spielerinnen stecken deshalb, im Kreis stehend, die Köpfe zusammen, sprechen sich Mut zu und pushen sich mit einem lauten „und go" vor dem ersten Match.
         
  Anna muss zuerst gegen Patty Schnyder ran. Danach Sabine gegen die ebenfalls 19-jährige Timea Bacsinszky. „Ich tippe 2:0 für uns", sagt Klaus Eberhard, der DTB-Sportdirektor. „Ein 1:1 wäre, was man erwarten muss, aber ich bin eben immer optimistisch."


   Anna vergeigt, hatte aber auch Pech. Fünfmal drischt sie den Ball im Tie-Break ganz knapp ins Aus. „Wenn die alle drin gewesen wären", sagt sie hinterher, „hätte ich fünf zu null geführt und nicht die andere." Hat sie aber nicht und so ging das Match den Bach runter.


   Anders Sabine. Die „verprügelt" ihre Gegnerin, die erst bei 6:0 und 2:0 ein Spiel gewinnt. „Wenn Lisicki immer so spielt, ist sie die Nummer eins der Welt", sagt Severin Lüthi, der schweizer Mannschaftsführer, anerkennend.


  Sonntag. Der Tag der Entscheidung. Sabine gegen die routinierte Patty Schnyder packt es nicht. Die junge, hübsche, braungebrannte Deutsche in einem gelben Leibchen und kurzem schwarzen Rock spielt beherzt, holt den ersten Satz und führt im zweiten 4:2. Doch plötzlich, ohne Kopf, ein paar Doppelfehler. Das Match kippt. Und der Punkt ist weg.

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