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ATP Generali Open Kitzbühel: 
Endlich einmal wieder ein deutscher Kitz-Champion


Kohlschreiber im Backofen


Im Kitzbüheler Tennisstadion ist etwas passiert, das selbst einem Boris Becker zu seinen besten Zeiten nicht gelungen ist. Zum ersten Mal wieder nach Wilhelm Bungert 1966, als das Turnier noch Alpen-Länder-Pokal hieß, gelang es einem deutschen Tennisspieler, den Siegerpokal der Austrian Open in „Kitz" zu ergattern. Philipp Kohlschreiber schaffte diesen Coup und damit seinen sechsten ATP-Tour-Titel im Backofen bei fast 40 Grad gegen den 33-jährigen Franzosen Paul-Henri Mathieu.

Es war eine schöne Geschichte für Kohli, der in der Gamsstadt inzwischen auch sein neues Zuhause hat und im eigenen Bett schlafen konnte. Nicht wie früher Boris Becker, der von seinem damaligen Manager Ion Tiriac beim ersten Mal in einer kleinen Kammer, nach hinten raus, im Schlosshotel „Lebenberg" und im Jahr darauf, nach dem Wimbledonsieg, in der Schlosssuite mit Himmelbett, Barockmöbeln und einem 200 Jahre alten Kachelofen untergebracht wurde. Dabei wollte der 17-Jährige viel lieber sein altes Zimmer haben und nicht das Bett, in dem sich schon Caroline von Monaco mit Guillermo Vilas bei ihrer Liaison 1982 vergnügt hatten. Alles Betteln von Herrn Becker habe nicht genutzt, wusste damals Hoteldirektor Langer zu berichten, „Herr Tiriac bestand auf der Suite." 

Philipp Kohlschreiber kann sich jetzt auch noch über einen besonderen Titel freuen, denn nun steht er neben Tennisstars wie Guillermo Vilas, Pete Sampras, Thomas Muster oder Goran Ivanisevic auf der Siegerliste des Traditionsturniers. Überhaupt, es war nicht nur Boris Becker, der als frisch gebackener Wimbledon-Sieger in der ersten Runde von Diego Perez, einem Nobody aus Uruguay, abserviert wurde. Auch Nastase, Rod Laver, Tony Roche, Bob Hewitt, Tiriac, Lendl, Pecci, Mancini, Kodes, Courier oder Leconte waren schon hinter dem Kitz-Titel her, mussten aber ohne den Pokal abziehen.














Im Starterfeld war Kohlschreiber an sechs gesetzt und kein Turnierfavorit. Für die Österreicher war das vor allen Dominic Thiem, der seit acht Matches ungeschlagen, als zweifacher Turniersieger (nach Umag und Gstaad) sich hier gleich noch einen dritten Titel holen wollte, ein Ding, das zuletzt Rafael Nadal 2009 gelang.

Der Hype um Österreichs Tennis-Shootingstar war allgegenwärtig und die Erwartungen bei den Fans groß. Doch Philipp Kohlschreiber, der in der ersten Runde Jan-Lennard Struff in drei Sätzen niederringen konnte, und auch den Hamburg-Finalisten Fabio Fognini bezwang, stoppte den Lauf des 21-jährigen Jungstars im Halbfinale. Daran war ausgerechnet Dominic Thiems jüngerer Bruder Moritz beteiligt, denn mit ihm hatte Kohlschreiber trainiert und sich vor dem Match eingeschlagen. „Das hat er heute wieder sehr gut gemacht", lobte Kohlschreiber Moritz. Es sei eine richtig geile Partie gewesen und „Moritz hat mir Glück gebracht."

Richtig spannend wurde es auch noch einmal im Finale, weil Philipp Kohlschreiber den ersten Satz vergeigte. Doch der 31-Jährige drehte danach richtig auf, gab in den folgenden Sätzen jeweils nur zwei Spiele ab, kassierte die Siegprämie von 80.000 Euro und freute sich riesig, denn „Turniersiege passieren ja nicht allzu oft in einer Karriere." 

                             
Eberhard Pino Mueller

publiziert:   Oktober 2015
                   DTZ  Deutsche Tennis Zeitung
                   Tennisportal 
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