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Spielerin, die schon sieben Mal Top-10-Spielerinen schlagen konnte, ihre ersten beiden Runden problemlos. Doch dann, durch eine Rückenverletzung leicht gehandicapt, kam gegen die Chinesin Peng das Aus.
      Sabine Lisicki eiferte Andrea Petkovic in Wimbledon nach, wo sie nach ihrer langen Verletzungspause furios auftrumpfte und bis ins Halbfinale kam. Auch hier bei den US Open stand sie deshalb und wegen ihrer Turniersiege in Birmingham und Dallas hoch im Kurs. Sie wurde sogar als Geheimfavoritin gehandelt. Die Berlinerin spielte sich auch souverän in die vierte Runde. Doch hier holte die Vorjahresfinalistin und Nummer zwei der Setzliste Vera Zvonareva die 21-Jährige aus ihren Träumen. Sabine Lisicki steckte die Niederlage gleich gewohnt locker und charmant lächelnd weg: „Ich bin stolz, was ich erreicht habe. Meine Zeit wird noch kommen."
      Für Angelique Kerber, als Jugendliche das größte deutsche Tennistalent, scheint auch endlich der Knoten zu platzen. Völlig überraschend ihr Amerika-Trip. Zuerst das Halbfinale in Dallas und dann ihr sensationeller Siegeszug bis ins Halbfinale in Flushing Meadows. Auch sie verdankt den plötzlichen Karrieresprung maßgeblich dem Motivationsgenie Andrea Petkovic, die sagt: „Ich hab ihr beim gemeinsamen Training viel Mut gemacht." Was Angelique Kerber bestätigt: „Petko hat mir unglaublich geholfen." Hinzu kommt: Sie hat ihren Trainer gewechselt. Nicht mehr ihr Vater macht den Job, sondern Benjamin Ebrohimzadeh, ein deutsch-iranischer Tennislehrer, der wie Petko „mutigen und couragierten" Einsatz von ihr fordert, und „Spiel' dein Spiel und kämpfe bis zum letzten Ball." Und so wäre fast noch mehr drin gewesen, denn das Finale verpasste die Kielerin nur knapp im dritten Satz gegen die spätere US-Open-Siegerin Samantha Stosur.
      Aus deutscher Sicht wurde bei den US Open auch mal wieder ein bisschen Geschichte geschrieben. Mit Angelique Kerber und Andrea Petkovic sind erstmals nach 1994 bei den French Open wieder zwei Deutsche im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers gestanden - bei den US Open ist das schon 24 Jahre her. Kerber ist außerdem die erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf 1996 (US-Open-Siegerin gegen Monica Seles), die hier bis ins Halbfinale vordrang.
      Das Abschneiden der Herren bei den US Open fiel dazu vergleichsweise äußerst mager aus. Von sieben im Hauptfeld gestarteten Spielern kamen nur Philipp Petzschner, der dann aber gleich gegen Tipsarevic den Kürzeren zog, sowie Florian Mayer und Tommy Haas, die wenigstens auch noch die dritte Runde erreichten, weiter. Tommy Haas genoss seine zwei Siege: „Ich kann nicht sagen, dass ich sie erwartet habe." Auch als er hier, auf demselben Platz, auf dem er 1996 mit 18 Jahren sein erstes Match gegen Michael Stich verlor, nach seinem Ausscheiden mit viel Beifall verabschiedet wurde, war seine Begeisterung für Tennis noch immer wach. Wie lange noch, das wusste er selbst nicht.
      Für die Herren wurden diese US Open doch noch ein Erlebnis. Sogar mit einem US-Open-Sieger. Philipp Petzschner und sein österreichischer Partner Jürgen Melzer servieren in fünf Runden alle ab und triumphieren im Doppel wie schon 2010 in Wimbledon. Neben 420.000 Dollar Preisgeld und der Qualifikation für das ATP-World-Tour-Finale der besten acht Doppel in London gab es für die leidenschaftlichen Golfer noch eine besondere Dreingabe von Melzers Manager. Der wird die beiden zum Golfspielen nach Marbella einladen.
      Zwei deutsche Junioren sorgten noch für eine tolle Überraschung. Robin Kern und Julian Lenz holten eine US-Open-Trophäe. Eine grandiose Leistung - auch wenn es „nur" der Titel im Junioren-Doppel war - bei der Klasse und dem Können, das heutzutage junge Kerle bei den parallel zu den Grand-Slam-Turnieren gespielten Wettkämpfen zeigen. Und wer weiß, vielleicht eifern die beiden Teenager Jürgen Melzer nach, der sich 1999 bei den Australian Open auch erst einmal mit einem Sieg im „Boy's doubles" eingeschossen hatte.
                                                   
Eberhard Pino Mueller 
publiziert:  Oktober 2011  -  DTZ-Deutsche Tennis Zeitung

  US Open 2011  -  New York

Wirbelsturm & deutsches Frauen-Tennis-Wunder

Bevor das größte Tennisturnier der Welt diesmal losgeht, sitze ich daheim und überlege, wie komme ich da eigentlich hin. „Irene" ist Schuld daran - der Hurrikane, der Richtung New York fegt, überall wüste Zerstörung anrichtet und dessentwegen alle Flughäfen in New York vorsorglich erst einmal gesperrt sind. Gesperrt auch Flushing Meadows, das Tennisstadion der US Open -  zur Sicherheit, wie die Stilllegung aller öffentlichen Verkehrsmittel, verbunden  mit dem eindringlichen Aufruf des New Yorker Bürgermeisters, nicht aus den Häusern zu gehen.   
      Und so erging es auch den Tennisprofis. Sabine Lisicki und Angelique Kerber, die Siegerin und Halbfinalistin in Dallas, gelangten nur auf abenteuerliche Weise nach New York. Lisicki erst am Montag, „was mir noch nie bei einem Grand- Slam-Turnier passiert ist." Oder Rainer Schüttler, Alexander Waske und andere Profis mussten sich erst einmal im Hotel verschanzen, bis der zum Glück abgeschwächte Hurrikane vorbeigezogen war.
      Es war nicht ganz so dramatisch wie befürchtet, wobei aber Autos durch entwurzelte Bäume und abgerissene Äste in der Nähe meines Hotels in Manhattan demoliert wurden. Die Macher der US Open konnten aufatmen und fast planmäßig beginnen. Als Vorspiel hatte der Hurrikane eigentlich gepasst. Zu Flushing Meadows, dem elektrisierenden Turnier der Superlative, zu New York, der Stadt der Extreme mit dem besonderen Kick. Himmel und Hölle liegen hier nah zusammen, denn Jubel, Trubel, Dramatik, Hektik und Krach sind typische Klischees für „Big Apple."   
      Andrea Petkovic liebt die Stadt: „New York, das ist viel Leben, viel Energie, viel Aktion und Kreativität. Ich genieße das, weil ich da weg bin vom Tennis." Das alles scheint sie zu beflügeln. Oder warum sonst spielt Andrea Petkovic mit einem kleinen Meniskuseinriss im rechten Knie, eine Verletzung, die kurz vorher passierte? „Ich bin nicht bei 100 Prozent und versuche, das Ende der Saison so gut wie möglich rumzukriegen." Petkovic hat sich, „solange das Knie nicht anschwillt", entgegen den Ratschlägen ihres Teams fürs Weiterspielen entschieden. Sie macht jeden Tag Präventionsübungen mit ihrem Physio und geht zu einem Laser-Doktor aus der Toskana, der  bei Grand-Slam-Turnieren anreist und Tennisprofis wie Djokovic, Nadal & Co in Hotelsuiten behandelt.
      Offensichtlich mit Erfolg. Und Andrea Petkovic gewinnt und gewinnt, sogar mit ihrem lädierten Knie. Sie kommt, was sonst keine Spielerin in diesem Jahr geschafft hatte, zum dritten Mal nach Melbourne und Paris in ein Grand-Slam-Viertelfinale: „Das ist super, mein Spiel ist seit letztem Jahr stabiler geworden, ich habe mehr Möglichkeiten im Match zu variieren, jetzt will ich mehr." Klappt leider nicht. Caroline Wozniaki, die Nummer eins der Welt, war Endstation. Schade, das Halbfinale wäre ein schönes Geburtstagsgeschenk gewesen.
   Der großartige Karrieresprung von Andrea Petkovic in die Top 10 ist aber nur eine Sache. Die Hessin hat in diesem Jahr auch gleich noch ihre Kolleginnen Julia Görges und Sabine Lisicki zu besonderen Leistungen angestachelt. Und jetzt auch noch Angelique Kerber, mit der sie in der Schüttler-Waske-Academy  in Offenbach vier Wochen im Juli, nach Kerbers bis dahin völlig verkorkster Saison, trainiert hatte. Und so kam es, dass nun gleich vier deutsche Spielerinnen das neue deutsche Frauen-Tennis-Wunder in New York weiter aufleben ließen. Die Erklärung dafür kam von Andrea Petkovic: „Wir wissen, jede kann jede im Training schlagen. Wenn ich also Topspielerinnen schlagen kann, sagen sich jetzt die andern, dann kann ich das auch. Dieser gesunde und neidlose Konkurrenzkampf und unsere Kameradschaft geben uns Energie und puschen uns nach oben."
      Beim Porsche-Tennis-Grand-Prix war es Julia Görges, die, angespornt von „Petko", den Turniersieg holte und im Finale die dänische Weltranglistenbeste Wozniacki besiegte. Auch in New York gewann die Top-20-

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