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US Open

Hölle und Himmel...
oder gehasst, verteufelt, geliebt...


Die  Nummer drei der Welt auf einen Nebenplatz zu scheuchen, wo es stinkt  und die Stahlrohrtribünen quietschen -- wo gibt es das?  Nur bei den US Open. Da hatte man den French Open-Sieger Muster, respektlos, neben einer Müllkippe spielen lassen.                                       
                                       
Wehe! Sie hätten zu Andre Agassi gesagt: marsch, marsch, nach hinten, du kleiner Fuzzi. Der hätte denen  was  erzählt, und  die Nike-Leute hätten ihren Mann sofort auf einen Showcourt bugsiert.

"Sie behandeln einen wie den letzte Dreck", maulte  Muster damals, "und du kannst  nichts  machen."  Er nicht, andere schon. So ist es und so  war es, immer hier. Jeder weiß, Krach Gestank und Chaos sind typisch hier, in  Flushing Meadow,  einem Ort,  der für Tennis eigentlich  so wenig  geeignet ist wie die Straßen im  Schwarzwald für  ein  Formel-1-Rennen.

Auch  wenn  die verwöhnten  Tenniscracks  Flushing Meadow verfluchen, zu den US Open kommen sie  immer. Das  gigantische Preisgeld  und die Faszination des größten Grand Slam-Turniers macht sie an. Auch die New Yorker.

Sie  lieben  das Mega-Spektakel und lassen sich die Show durch nichts vermiesen.  Überall  fröhliche  Gesichter.  Auch  nette  Mädel. Shara, zum Beispiel, die hier alles "crazy" findet. Auch  Linda, die dem  Spieler Wayne Ferreira einen Zettel zusteckt, auf den sie Namen und Telefonnummer gekritzelt hatte.

Wunderbar die Menschen an diesem miesen Ort. So auch Aaron Dyson, ein angegrauter Schwarzer aus Harlem, der, immer gut gelaunt, seit Jahren einen Aufzug im Stadion für ein paar Dollar bedient.

Und wo sonst gibt es so eine Show, so irre Matches, oft nach Mitternacht? Wo sonst sind die Fans so verrückt wie in New York? Nicht einmal das alte, verlotterte Beton-Oval, früher, hatte einem das Turnier verleiden können. Ja, und auch an das chaotische Durcheinanderkönnen hat man sich längst gewöhnt.

                                       
Eberhard Pino Mueller

publiziert: Oktober 1995 DTZ - Deutsche Tennis Zeitung                   

 



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