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Anna-Lena Grönefeld - mit magischem Moment…

Unglaublich! Wahnsinn! - die Worte von Anna-Lena Grönefeld in Wimbledon. Was ist passiert? Sie spielte auf dem Centre Court mit Mark Knowles von den Bahamas um den Titel im Mixed und siegte. Sie konnte es irgendwie nicht fassen: „Wer hätte das gedacht - ich bin Grand-Slam-Siegerin." Noch unfassbarer war der Sieg für Mark Knowles. Der Doppelspezialist hatte siebzehn Jahre lang vergeblich versucht, einen Wimbledon-Titel zu ergattern und jetzt,  zum erstenmal mit Anna-Lena, hat's geklappt. „Anna", so der überglückliche Knowles, „Anna hat mich zum Titel geführt, was vorher noch niemand gelungen ist."

Lange mussten die beiden am Finaltag warten, bis sie dran waren. Denn nach einem halbstündigen Aufwärmen um die Mittagszeit dauerte es etwa fünf Stunden, bis Federer und Roddick nach einem grandiosen Finale den Centre Court räumten. Endlich, zehn vor neun Uhr abends, der Championship-Punkt nach einem Aufschlag von Knowles, der nicht mehr zurückkam. Anna-Lena und „Knowlzee" fallen sich in die Arme und genießen den magischen Moment.

Danach der nächste Höhepunkt. Die in Wimbledon traditionelle Pokalübergabe in der Royal Box. Nicht so königlich dann der Dopingtest, den gerade auch Roger Federer über sich ergehen lassen musste. Und jetzt gilt es, sich schnell für den Champions Ball in Schale zu schmeißen. Wimbledon wäre nicht Wimbledon - auch dabei ist man behilflich. Eine Kleider-Verleihfirma steht mit allem parat. Das endgültige Finale dann der Galaabend mit vielen ehemaligen Wimbledon-Siegern. Anna-Lena, ihr Coach Dirk Dier, Knowlzee und dessen Ehefrau Dawn sitzen zusammen und machen viele Fotos, damit man ihnen später mal glaubt, was für einen Coup die beiden da gelandet haben.

Tommy Haas - inspiriert von Sara

Tommy Haas hatte für sich, seine Verlobte Sara Foster und den übrigen Anhang in Wimbledon ein Haus gemietet. Zu kurz, denn er hatte nicht damit gerechnet, solange im Turnier zu sein. Deshalb musste er die Vermieter mehrmals darum bitten, ihn nicht rauszuschmeißen.

Schuld daran war seine Freundin Sara, über die er sagt: „Sie gibt mir die Stärke, sie treibt mich an, ist meine Motivationskanone. Sie ist das Beste, was mir passieren konnte." Und so kam es, dass der einunddreißigjährige Oldie eine Runde nach der anderen gewann. Dazu beigetragen hatten auch Thomas Hogstedt, sein neuer und früherer Trainer, der ihn perfekt auf jeden Gegner einstellte, sowie Alex Stober, früher der Physiotherapeut von Pete Sampras, der auf Tommys Körper aufpasste. Eines ihrer Konzepte: Tommy muss ans Netz gehen. „In meinem Alter ist es besser, einfache Punkte zu gewinnen", so der Ex-Bollettieri-Schüler Haas in Anspielung an sein konsequentes Serve and Volley-Spiel, „ich hab' ja auch ein paar Meilen mehr herunter als die anderen."

Über die Nebenplätze hatte Tommy sich hochgespielt, bis er im Halbfinale gegen die Ikone Roger Federer auf den Centre Court durfte. Schon einmal, vor elf Jahren am Anfang seiner Karriere, durfte er da spielen. Gegen den großen Andre Agassi. Für Tommy noch heute „einer meiner schönsten Siege." Ein gutes Omen - doch diesmal war sein Gegner besser. Jedenfalls immer einen Tick, wenn es darauf ankam. „Ich habe nicht viel verkehrt gemacht, nur die wichtigen Punkte habe ich nicht gut genug gespielt."

Schade! - Tommy hat die Niederlage aber sofort weggesteckt. „Ich könnte nicht glücklicher sein, weil ich ein super Turnier gespielt habe." Schön auch, dass sich Tommy Haas in Wimbledon ein paar tiefsinnigere Gedanken über sein Tennisleben machte: „Alles passiert aus irgend einem Grund. Ich hatte viel Pech und habe gleichzeitig das Glück, immer noch dabei zu sein." Das dürfe man nicht als selbstverständlich ansehen. Auch habe man am Ende der Karriere noch ein ganzes Leben vor sich. Zurückblickend wolle er dann sagen können, er habe alles versucht.

                                                             Eberhard Pino Mueller

publiziert:   August 2009   DTZ  -  Deutsche Tennis Zeitung
     
     


Wimbledon - erstklassig, einmalig, eigenwillig…

Die All England Championships, das Rasenturnier in Wimbledon, sind einmalig, so einmalig wie der private Klub, der dieses globale, traditionsreiche Sportereignis veranstaltet. Wimbledon fasziniert alle - der „Heilige Rasen" die Spieler, das Tennis-Mekka die Fans.

Doch es ist in Wimbledon nicht alles nur Sahne. Über die teuren Erdbeeren wollen wir hier nicht reden, sondern über das Wetter. Die oft lange Warterei bei Regen nervte. So sehr, dass John McEnroe, den sie im Klub zunächst nicht aufnahmen, weil der Wimbledonsieger den Mitgliedern zu rüpelhaft war, mal sagte, Wimbledon sei ein Regenloch, das überdacht und zugesperrt gehöre. Das Problem haben sie jetzt, nach 123 Jahren, gelöst. Mit einem 100-Millionen-Euro-Dach, das bei Regen über den Centre Court geschoben wird. Für die Premiere, ein ganzes Wimbledon-Indoor-Regen-Match, spielte das Wetter nicht mit - es hatte nur kurz mal fünfzehn Minuten geregnet. So gab es, weil nach dem kurzen Regenguss das Dach nicht wieder geöffnet wurde, das erste Wimbledon-Nacht-Match aller Zeiten, als Murray und Wawrinka einen Fünf-Satz-Krimi auf dem hell erleuchteten Centre Court in die Nacht hinein spielten.

Ein besonderes Ereignis hat Andy Murray jedoch allen vermasselt. Der von den Engländern hochgejubelte Schotte sollte endlich mal wieder, nach Fred Perry vor 73 Jahren, den Titel für Großbritannien holen. Doch er patzte im Halbfinale gegen Andy Roddick und damit hatten sich alle Spekulationen über das Kommen der Queen am Finaltag, die sich sonst nie in der Royal Box blicken lässt, erledigt.

Einmalig dafür, wie das Geld in Wimbledon sprudelt. Ion Tiriac, der von Geld wie kaum ein anderer etwas versteht, meinte einmal: „Wimbledon - das ist nicht nur ein Tennisturnier, das ist die Bank von England." Der Gewinn des Klubs in den zwei Wochen soll über 100 Millionen Euro liegen und höher sein als bei jedem anderen Sport-Event der Welt. Das Verrückte dabei: Man könnte zig Millionen beim Verkauf von Werbeflächen zusätzlich machen. Das aber geht gegen die Ideale der Klubmitglieder, die die Einnahmen nicht maximieren wollen und sich lieber mit wenigen, aber langjährigen Sponsoren wie Slazenger über 107 Jahre, Soft Drinks 75, Rolex 30 oder IBM mit 20 Jahren begnügen.

Sabine Lisicki - ohne Wenn und Aber…

Mit einer Gras-Allergie nach Wimbledon zu fahren, um auf Rasen Tennis zu spielen, ist eigentlich keine gute Idee. Und schon gar nicht, wenn man auf Gras noch nie ein Match gewonnen hat. Sabine Lisicki aber stört so etwas nicht. Sie spielte in Wimbledon, ohne sich verrückt zu machen. Und siehe da, sie gewinnt ihr Auftaktspiel gegen die Russin Anna Tschakwetadse. Ihr ganzer Kopf sei dicht und die Stimme im zweiten Satz plötzlich weg gewesen, erzählt sie flüsternd nach dem Zweistundenkampf. Nicht hierher zu kommen oder aufzugeben sei ihr aber nie in den Sinn gekommen.

Typisch Lisicki. Für Tennis tut die Neunzehnjährige alles. Ohne Kompromisse. „Ich will etwas im Tennis erreichen", sagt sie, und das gehe nur mit hundertprozentigem Einsatz und eisernem Willen. Lisicki ist wie Serena Williams. Sie hat den gleichen unbändigen Siegeswillen und glaubt immer felsenfest an einen Sieg. Deshalb ist es ganz egal, wer auf der anderen Seite des Netzes steht. Das irritiert ihre Gegnerinnen. So auch Swetlana Kusnezowa, die French-Open-Gewinnerin und Nummer fünf der Weltrangliste. Nachdem die ungesetzte Berlinerin die Russin abserviert hatte, kommt Lisicki lachend vom Platz und sagt mit der ihr eigenen Unbekümmertheit: „Wow, bin ich glücklich." Ach ja, passt zu ihr wie - nicht verwunderlich - der Name „Happy" zu ihrem Yorkshire-Hündchen.

Lisickis Wimbledon-Ausflug ist damit keineswegs beendet. Ihr nächstes Opfer, eine gute Freundin, die an neun gesetzte Carolin Wozniacki. Na ja, auch danach, gegen die Weltranglistenerste Safina im Viertelfinal, war was drin. Doch nach gewonnenem erstem Satz gehen ihr die Kräfte aus. Macht nichts. Lisicki wird mit oder ohne Allergie wieder kommen. Und so selbstbewusst und couragiert wie sie heute schon spielt, ist ihr sogar ein Sieg auf dem Heiligen Rasen irgendwann zuzutrauen.

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