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Monte Carlo Open

Wo gibt es Essenmarken?



Am  Ende des letzten Jahrhunderts, als es in Europa  gerade mal ein halbes Dutzend Tennisturniere  gab, kamen die Tennisspieler schon nach Monte-Carlo. Folgt man den Analen  und guckt in die Geschichtsbücher -- Augenzeugen gibt es keine mehr -- dann erfährt man, dass die damaligen Tenniscracks noch wegen anderer Dinge an die Cote d'Azur kamen.

Sie wollten etwas erleben im Casino, in den noblen Hotels, den Salons der Adligen, den Clubs der Reichen und dabei sein beim Treiben englischer Monarchen, russischer Großfürsten und der sogenannten besseren Gesellschaft, die sich immer im Frühling bei Sonne und Wärme am Mittelmeer tummelten.

Für die Tennismeister in der Alten Welt vor mehr als 100 Jahren war Tennis also nur  eine Sache. Und weil die Spieler jener Zeit gewöhnlich nicht unvermögend waren, konnten sie sich ein  luxuriöses  Trainingslager und das  Leben  in diesen Kreisen leisten.

Da Tennis groß in Mode kam, blieb es nicht bei dem Osterturnier in Monte-Carlo, das 1897 zum  ersten Mal stattgefunden hatte. Schnell kamen weitere beliebte Frühlingsturniere in Cannes, Nizza,  Mentone und Alassio hinzu.

Heute kommen die Tennisstars nur noch zu den Monte-Carlo Open. Die anderen  traditionsreichen Turniere an  der Cote d'Azur haben im Profizeitalter aus Geldmangel nicht überlebt.  Auch nicht das Turnier im Club von  Nizza.

Alles ist  nicht  mehr so wie früher. Die Tennisprofis  bei  den  Monte-Carlo Open legen keinen Wert mehr auf gesellschaftliche Ereignisse und zum Amüsieren haben sie auch  keine Zeit. Noch nicht mal viel Geld  lassen sie  in Monte-Carlo liegen.  Im Gegenteil, sie kommen, weil es dickes Geld  gibt, und  man  ihnen  keine Steuern abknüpft, und weil sie alles umsonst kriegen, den  Fahrdienst, Friseur, das Hotel, das Essen, die Massagen und die Reinigung der  Wäsche. 

Nichts, was umsonst ist,  lassen sie aus. Typisch, der Auftritt der Mutter von Michael Chang vor ein paar Jahren. Gleich nach  ihrer Ankunft im Monte-Carlo Country  Club lief sie wie ein aufgeregtes Huhn herum und jammerte: "Wo gibt es Essenmarken,  kann mir hier keiner helfen?"

                                           
Eberhard Pino Mueller         

publiziert: April 1996  DTZ -  Deutsche Tennis Zeitung                           


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