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French Open / Roland Garros

Im Pelzmantel zum Match



Die Frauen, heutzutage bei den French Open in Paris, stöhnen, fluchen und schwitzen, hämmern Aufschläge mit 200 Sachen und rennen bis zum Umfallen, und schier unvorstellbar für Normalbürger sind die Summen, um die es geht.

Doch noch weniger vorstellbar ist, wie es war, als vor mehr als hundert Jahren zum erstenmal französische Meisterschaften für das weibliche Geschlecht in Paris ausgetragen wurden. Natürlich war damals vieles anders. Es gab kein Radio, Fernsehen und keine Computer, keine Eisschränke und Waschmaschinen, auch keine BHs, Bikinis und Antibabypillen - doch es gab schon Tennis spielende Damen. Recht amüsant, auch ein bisschen verrückt und manchmal sogar grotesk, das Spiel damals.

Es fing 1897 auch gleich gut an. Man hatte von Mademoiselle Masson, der ersten Siegerin, den Vornamen nicht aufgeschrieben, und Jahre später nicht mehr herausfinden können. Herrlich auch, wie die Dame ihren Titel verteidigte. Sie kam ohne Spiel zu Siegerehren, weil keine weitere Teilnehmerin gemeldet hatte. Fast so einfach hatte es 1903 die Gräfin von Kermel, deren erste Gegnerin im ersten Satz aufgab. Das Finale, das die Gräfin damit schon erreicht hatte, fiel dann aber aus, weil Fräulein d' Elva, ihre Gegnerin, das Endspiel glatt vergessen hatte.

Nach den ersten, nicht allzu Ernst genommenen Turnieren, ging es mit Damentennis aber aufwärts. Vor allem mit Suzanne Lenglen, die schon als Kind allen überlegen war und durch ungewöhnliches und für damalige Verhältnisse skandalöses Auftreten auffiel. Typisch Lenglen, sie kam mit offenem Pelzmantel auf den Platz und sprang mit gewagtem Dekolleté, nackten Armen und weißen Strümpfen ohne Unterröcke herum, und keiner wagte es, sie vom Platz zu holen.

Anders 1997. Als damals die langbeinige Jana Kandarr mit einem um den Po herum recht kurzen Tenniskleid spielte, wurde sie von Offiziellen während des Matchs in die Kabine geschickt und aufgefordert, ein weniger sexy aussehendes Outfit anzulegen. Venus Williams, mit zwei Kilo weißer Perlen in den Rasta-Locken und einem Dress im silber-metallic Weltraumlook, hatte dagegen mit den Aufpassern in Roland Garros keine Probleme.

Indessen kommt auch keine Spielerin mehr mit der Metro zum Turnier, denn alle werden kostenlos chauffiert. Auch mit Preisgeldern -- allein die Siegerin kriegt 867 Tausend Euro -- ist man in Roland Garros wahrlich nicht kleinlich, nicht wie bei der sechsfachen Titelträgerin Suzanne Lenglen, die man für immer sperrte, als sie Tennisprofi geworden war.

Dennoch, und obwohl Suzanne Lenglen nie ein offizielles Turnier in dem erst 1928 fertiggestellten Stade Roland Garros spielen durfte, ist der Pokal für die Siegerin nach ihr benannt.

                                                       
Eberhard Pino Mueller

publiziert:  DTZ -  Deutsche Tennis Zeitung


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