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Gerry Weber Open - Halle


  „Das Turnier wird immer mehr zum absoluten Klassker"


Auf was hatte sich der Mann eingelassen? Gerhard Weber, der Initiator der Gerry Weber Open, musste anfangs wohl selber darüber den Kopf schütteln. Mode war doch seine Sache - nicht Tennis. Aber den Hobby-Tennisspieler hatte es irgendwie gepackt. Und wie. Und so machten er und sein Sohn Ralf im Laufe der Jahre ein Turnier, das jetzt sogar in die 500er Serie, die zweithöchste Kategorie der ATP-World-Tour aufgenommen wurde. „Ein stolzer Moment für alle", so Gerhard Weber, „denn das zeigt, dass wir sehr vieles, fast alles richtig gemacht haben."

Die Macher der Gerry Weber Open hatten von Anfang an immer neue Ideen und kühne Pläne. Es war nicht allein der Rasen. Es war das Gesamtpaket, das wie ein Puzzle, Stück für Stück, zusammengebastelt wurde. Der Geschäftsmann Gerhard Weber wusste, worauf es ankommt. Auf Werbung, denn Sport taugt glänzend als Instrument der Absatzförderung. In zwei Jahren, prophezeite er schon 1993, beim Start der Gerry Weber Open, werde seine Modemarke „durch unser Turnier bekannter sein als alle anderen Marken, die es in Deutschland gibt." Und so war es auch. Mit dreißig Stunden, ohne Vorberichterstattung, war das ZDF gleich live dabei - für Webers Modemarke: Werbung ohne Ende.

Man muss, um die TV-Rechte gut und global zu verkaufen, allerdings Spitzentennis mit Top-Stars bieten, und das war bei den Gerry Weber Open, einem 250er Turnier, nur möglich, weil Top-Spieler von Anfang an als Zugnummern mit Antrittsgeldern honoriert werden konnten. Extra-Gagen sind bei ATP-Turnieren seit 1990 legal, weil die Turnierveranstalter zuvor häufig getrickst hatten, und das Verbot mit Werbevereinbarungen und Geschenken umgangen haben.

Ohne Geld lief schon damals nichts, denn Tennis ist seit langem nicht mehr nur Tennis, sondern Big Business. Kein Problem für Gerhard Weber, der die Mittel hatte, um neben seinem Mode-Imperium groß ins Tennis-Business einzusteigen. Und so waren viele der weltbesten Spieler schon bei den Gerry Weber Open. Ein Andre Agassi, Jimmy Connors, Pete Sampras, Michael Stich, Lleyton Hewitt, Boris Becker, Henri Leconte, Jim Courier, Patrick Rafter, Novak Djokovic, Michael Chang, Rafael Nadal und Roger Federer.

Es gibt heute kaum noch Turniere, bei denen keine Antrittsprämien bezahlt werden. Die Ausnahmen sind die vier Grand Slams und acht der ATP-World-Tour-Masters-1000-Turniere, denn da geht es inzwischen um astronomische Preisgelder - etwa zwei Millionen für die Grand-Slam-Turnier-Sieger - und um Prestige und Sponsorenverträge. Dies sind auch Pflichtturniere für alle, weil deren Punkte für die ATP-Rangliste zählen.

Da für die Rangliste nur noch zusätzlich die sechs punktbesten Turniere berücksichtigt werden, schlagen die Allerbesten nur selten bei einem der 50 kleineren Turniere auf - schon gar nicht ohne Antrittsgeld. Auch nicht bei 500er Turnieren, von denen Top-30-Spieler vier für die Wertung im Jahr spielen müssen, wobei die ATP zwei Top-Ten-Spieler garantiert oder 250.000 Dollar einem Turnier beim Fehlen für jeden als Entschädigung bezahlen muss. Die ATP kassiert allerdings vorab kräftig bei den Turnierveranstaltern - für die 500er-Lizenz in Halle 750 000 Dollar. 

Man solle auch nicht glauben, sagt ein Insider der Szene, dass die attraktiven Spieler zu den 500er-Turnieren nur kommen, weil sie mehr Preisgeld und mehr Punkte kriegen. Noch immer wollen die Manager, die den Marktwert ihrer Spieler kennen, Geld - und wo es nichts gibt, gehen die Spieler nicht hin, spielen anderswo oder lieber gar nicht.

Der Extennisprofi Rainer Schüttler hat früher oft Antrittsgelder mitgenommen. „Als Spieler," sagte er dazu, „ist man auch Unternehmer. Deshalb spielte ich immer da, wo ich mehr verdiente." Er habe das Geld doch auch verdient, „weil ich mir den Status für Antrittsprämien hart erarbeitet habe."

Über die Höhe der Antrittsgelder wird selten gesprochen. In der Süddeutschen Zeitung war vor kurzem zu lesen, was Marseilles Turnierdirektor

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