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Gerry Weber Open: Hinter einem erfolgreichen Turnier stehen immer engagierte Leute mit besonderen Fähigkeiten, tollen Ideen und ungewöhnlichen Konzepten.

Wo ( fast ) nichts unmöglich ist…


Wie gut, dass vor dreizehn Jahren ein junger Mann seinen Vater mit dem Vorschlag, „wir machen ein Turnier und spielen auf Rasen", überrumpelte. Es gibt auch einen, von dem gesagt wird, er könne auf Wasser gehen. Nicht zu vergessen bei dieser Erfolgsgeschichte die „schwarzen Bücher", sowie der Wagemut, die Begeisterung und Hingabe zweier Unternehmer für eine ungewöhnliche Sache. 

Erzählen wir aber erst einmal, wie es anfing damals im ostwestfälischen Halle, im Tennisclub Blau-Weiss. Da hatte der Vorstand mit dem ersten Vorsitzenden Gerhard Weber sich überlegt, man könne ein kleines Profiturnier machen. Und weil man es richtig angehen wollte, wurde ein Sportreporter, der im Ruhrgebiet über Fußball schrieb und auch Ahnung von Tennis hatte, zu Rate gezogen. Frank Hofen muss seine Sache gut gemacht und die Herren vollends auf den Geschmack gebracht haben, denn wenig später fand ein erfolgreiches Challenger-Turnier auf den Sandplätzen im Blau-Weiss statt.

Die Freude der damaligen Turnierchefs Gerhard und Ralf Weber wurde aber getrübt, als sie erfuhren, die Spielerorganisation ATP plane ein Grand-Prix-Turnier. Eine Konkurrenz, in der gleichen Woche, passte den Herren mit dem Challenger-Turnier nicht. Doch da kam Sohn Ralf plötzlich die Idee mit dem „Rasenturnier". Vater Gerhard, total von den Socken, soll spontan nur gesagt haben: „Auf Gras, du spinnst wohl."

Das mit dem Rasen war aber kein Scherz und so schlecht nicht, denn damit konnte man gute Spieler vor Wimbledon nach Halle in Westfalen locken. Und so kam etwas ins Rollen, was keiner, selbst in den kühnsten Träumen, für möglich gehalten hätte. Nach zwanzig Jahren Mode kreierten die Unternehmer Weber und Hardieck ein ATP-Rasen-Tennisturnier. Und in dessen Folge hat man mit dem Gerry Weber Stadion, einer winterfesten Sport- und Event-Arena mit wandelbarem Dach und Infrarot-Heizung, einer Cateringebene um das Stadium herum, einem Hotel mit exklusiven Wellness- und Beautybereich, einem Eventcenter für Ausstellungen und Veranstaltungen, sowie einem Fitness- und Sportpark für Tennis und Golf auch ein zusätzliches, riesiges Business aufgetan.

Manager der „Gerry Weber World" wurde Ralf Weber, der bequemer nach seinem Studium in dem Modeunternehmen hätte einsteigen können. Doch wie sein Vater, fleißig, zielstrebig, erfolgsorientiert und Neuem aufgeschlossen, hat er sich als Turnierdirektor und Programm-Veranstalter richtig reingekniet und ein florierendes Unternehmen daraus gemacht.

Erstaunlich, wie schnell Ralf Weber aus dem Schatten seines Vaters getreten ist. Und das, obwohl er nach Außen, im Gegensatz zu Gerhard Weber, ein wenig emotionaler,




eher ruhiger Mensch ist. Aber ein sehr wacher. „Er lässt", so sagt ein Vertrauter seines Umfelds, „keinen Stein auf dem anderen und guckt auch unter den Stein, um zu sehen, was da ist." Auch sei er kritikfähig und orientiere sich nach allen Seiten und allem Neuen. Diese Sensibilität hat er von seinem Vater übernommen, der die gleiche Mode auch nicht zweimal verkaufen kann.

Auch hat Ralf Weber sofort kapiert, dass er den Laden nur zusammen mit einem guten Team schmeißen kann und deshalb einen engen Kreis von verantwortlichen Leuten für seine Sache eingespannt. Ein jeder bekam ein „schwarzes Buch", um darin einzutragen, was nicht klappt, verbessert werden muss, oder auch prima funktioniert. Und natürlich werden alle Notizen, hinterher, zusammen besprochen und konsequent ausgeschlachtet. Alle sind gefordert und müssen mitziehen.

Nie hat man sich auf halbe Sachen eingelassen und lieber geklotzt als gekleckert. Für den Rasen wurde Phil Thorn, der Sohn des pensionierten und inzwischen verstorbenen Wimbledon-Greenkeepers Jim Thorn verpflichtet, der alles, vom englischen Mutterboden bis zum Wimbledon-Orginalsamen, wie sein Vater macht. Im wirtschaftlichen Bereich ist man nicht abhängig von einer Agentur, sondern managt das selbst. Und weil die Sponsoren von dem Marketing-Experten Horst Erpenbeck wunderbar betreut werden, engagieren sich fast alle großen Unternehmen der Region und das von Anfang an. Die Fäden für Kommunikation und Presse zieht Frank Hofen, einer, der von der Jungen Union kommt, 25 Jahre im Rat der Stadt saß und über ein Netzwerk von Beziehungen zu Presse und Politik verfügt. Frank Heinkel, der Projektleiter für außergewöhnliche Rahmenprogramme komplettiert das Team um Ralf Weber.

Und dann sind da noch die beiden Modeunternehmer Gerhard Weber und Udo Hardieck als Investoren und Hauptsponsoren. Die beiden, zwei verschiedene, sich aber bestens ergänzende Typen, haben das Unternehmen groß gemacht. Hardieck, der auch das System mit dem mobilen Plattenrasen ausgetüftelt hatte, ist mehr ein mathematisch denkender Mensch und für Bauten und Technik zuständig. Gerhard Weber dagegen wird beschrieben als der „farbige, kreative, emotionale Typ Mann, wie geschaffen für die Modebranche und besessen, alles möglichst perfekt zu machen."

Es heißt auch, alle müssen mit der Begeisterung dieses aktiven Unternehmers leben und dazu etwas beitragen, sonst ist man Fehl am Platz und bleibt auf der Strecke. Ein Beispiel: Es kommt vor, dass Gerhard Weber nach Feierabend noch über die Anlage des Stadions läuft und guckt, wie alles aussieht; und wehe, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Dann trommelt er die Verantwortlichen zusammen und diskutiert das durch. Aber nachtragend sei er nicht. Hinterher ist alles vergessen. Allerdings nur einmal. „Einen Fehler", sagt Gerhard Weber, „kannst du mal machen, ein zweites Mal aber nicht."

Verständlich, warum die Gerry Weber Open auch in Zeiten, wo sich die anderen deutschen Turniere schwer tun, prächtig hält. Um ein Turnier, wo sich alle reinhängen, man sich jeder  Herausforderung stellt und sich nicht auf den Lorbeeren ausruht, braucht einem auch nicht bange sein. Warum wohl hat Mister Thorn über seinen Chef gesagt, der könne sogar auf Wasser gehen. Weil hier nichts unmöglich ist - fast nichts. Und was haben sie als Nächstes im Sinn? Ach ja, sie haben schon mal Interesse für ein Super-Turnier mit Damen und Herren angemeldet.

publiziert:  Juli 2006  DTZ            Eberhard Pino Mueller


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