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besten acht Mannschaften in der World Group. Und bei der Mannschaftsweltmeisterschaft in Düsseldorf verlor das Doppel Kiefer/Zverev kein Match. Und das Team mit den Einzelspielern Schüttler und Kohlschreiber besiegte die Amerikaner, Schweden und Franzosen und war nur im Finale gegen die Serben nicht stark genug.

     Der absolute Clou für die deutschen Spieler waren aber die Gerry Weber Open. In Halle beim Rasenturnier trumpften sie unerwartet auf. Acht standen im Achtel-, fünf im Viertel-, zwei im Halbfinale und Tommy Haas war der jubelnde Sieger. "Eine echte Rekordbilanz", resümierte Turnierdirektor Ralf Weber, "so stark haben sie hier noch nie und in den letzten Jahren überhaupt auch bei keinem Turnier in Deutschland gespielt."

     Das Besondere der Woche war auch, wie die mit Wildcard spielenden oder ungesetzten Deutschen mit den Gesetzten umsprangen. Da rang ein Philipp Petzschner gleich die Nummer drei, den Spanier Verdasco nieder. Und Mischa Zverev schickte respektlos Tomas Berdych, den Sieger der BMW Open in München, nach Hause. Benjamin Becker warf Kumpel Rainer Schüttler raus und Kohlschreiber den an sechs gesetzten Russen Tursunov. So machten sie sich gegenseitig den Weg frei fürs Weiterkommen.

     Das Interessante bei den Gerry Weber Open waren auch die Kämpfe jung gegen alt. Die Oldies Haas, Kiefer und Schüttler, alle über dreißig, kann man keinesfalls schon abschreiben, sie werden aber nicht mehr lange oben mitspielen. Gut, dass hoffnungsvolle Youngsters nachkommen. Noch hielten die Älteren aber die Jungen in Schach. Doch nur mühsam. Kohlschreiber musste gegen Andi Beck und Haas gegen Zverev alles geben. „Mischa", so Haas nach dem Match anerkennend, „Mischa ist ein Spieler, der noch sehr viel von sich hören lassen wird."

     Natürlich waren die Gerry Weber Open das Turnier von Tommy Haas. Es hätte auch das von Kohlschreiber sein können. Wenn man sich vorstellt, dass Kohli alle Chancen hatte, wieder, wie im Jahr zuvor, in das Finale zu kommen. Er führt gegen Tommy im dritten Satz mit 5:2 und schlägt zum Matchgewinn auf. Doch plötzlich, so Kohli hinterher, habe er Spannung gespürt und sei nervös geworden. So kommt es, dass er das deutsche Prestige-Duell noch im Tie-Break vergeigt. Ach ja, Tennis ist, wie gesagt, schon ein verrücktes Spiel. Schwache Nerven von Kohli waren diesmal das Glück für Tommy. Im letzten Jahr war es hier umgekehrt erzählt Tommy: „Beim Seitenwechsel und 1:4 Rückstand habe ich diesmal gedacht: Damals habe ich hier gegen Kohli im dritten Satz 4:1 geführt und noch verloren. Warum sollte ich diesmal den Spieß nicht umdrehen?"

    Tommy Haas also im Finale auf Rasen in Halle. Ausgerechnet der! Oder wer hätte dem Oldie diese sensationelle Form zugetraut? Einem Einunddreißigjährigen, einem auf Platz 41 der Weltrangliste, einem ohne Coach auf der Profitennistour, einem, der sich chronisch mit Schulterproblemen herumplagt und dreimal operiert werden musste. Doch dass Tommy es noch bringt, hatte er gegen den französischen Top-Ten-Spieler Tsonga eindrucksvoll gezeigt, der nach zwei Sätzen zermürbt davonschlich. Im Finale ein weiteres Kaliber. Der Hüne Novak Djokovic, die Nummer vier der Welt. Aber auch das junge Supertalent kann Tommy auf dem Weg zum Titelgewinn nicht mehr ausbremsen.

   Dass Tommy Haas mal die Nummer zwei war und Nicolas Kiefer wie Rainer Schüttler auf dem fünften Platz der Weltrangliste standen, ist zweifellos ein Zeugnis ihres großartigen Talents und Können. Nicht zu vergessen ihre Turniersiege. Tommy mit zwölf und die, was Boris Becker nie geschafft hatte, auf allen Belägen, also auf Hartplätzen, in der Halle, auf Sand und jetzt auch noch auf Gras. Kiwi mit sechs Siegen und weiteren dreizehn Finalteilnahmen und Rainer Schüttler mit vier Titeln und acht Endspielen.

   Wahrlich, auch ihre Preisgelder sind Beweis für ihre Klasse. Tommy liegt bei mehr als 9,3 Millionen Dollar, Kiefer über und Schüttler knapp unter sieben Millionen. Die Drei zählten, auch wenn es keiner zu einem Grand Slam Champion gebracht hat, über Jahre zur Spitze und müssen sich hinter Deutschlands sogenannten Ausnahmespieler Stich und Becker nicht verstecken. Die Vergangenheit war keineswegs schlecht und die Zukunft des deutschen Herrentennis mit Mischa Zverev, Andi Beck, Philipp Kohlschreiber & Co sieht gut aus - auch wenn das hierzulande noch nicht so recht angekommen ist.
                               publiziert:  Juli 2009  -- DTZ          Eberhard Pino Mueller


Echt stark

Das deutsche Herrentennis 2009 - bisher eine richtige Erfolgsgeschichte

      Soll keiner sagen, mit den deutschen Tennisprofis sei nichts mehr los. Natürlich ist da kein Boris Becker oder Michael Stich. Nachfolger mit diesem Potential und Nimbus waren Wünsche in Deutschland, die natürlich nicht in Erfüllung gingen. Und weil die Tennisfans sich damit nicht abfinden wollten, wurden die Leistungen der Tennisprofis nach der Ära Becker nicht so recht anerkannt.

       Ein Blick zurück aber zeigt, dass deutsche Spieler bei großen Turnieren in diesem Jahr immer wieder sehr gut mitgemischt haben. In Paris bei den French Open machten zwei Deutsche sogar große Schlagzeilen und nicht, weil Tommy Haas und Philipp Kohlschreiber sich bis in die vierte Runde gespielt hatten. Es waren vielmehr ihre besonderen Auftritte - etwa der von Kohlschreiber in der sogenannten Stierkampfarena.

Die Sonne stahlt grell in die Augen von 5.000 Zuschauern auf Court 1, dem herrlichen Tennisrundbau in Roland Garros, als Novak Djokovic und „Kohli" sich einen heißen Kampf liefern. Aber nicht von der Sonne geblendet reibt so mancher Tennisfan sich die Augen, sondern verwundert über das, was er da sieht. Denn der Serbe kann machen was er will, der Deutsche hält voll dagegen. Kohli gewinnt Satz eins. Auch den zweiten. Und lässt auch im dritten Satz nicht nach. Eine kleine Sensation das Aus der Nummer vier der Welt und "der größte Sieg meiner Karriere", so Kohlschreiber, denn Djokovic zählte zu den Titelanwärtern in Paris.

     Natürlich auch Roger Federer. Und dass der Schweizer über Tommy Haas in Roland Garros stolpern könnte, daran glaubte niemand wirklich. Aber Tennis ist ein verrücktes Spiel und manchmal sogar ein reines Glücksspiel. Ein Paradebeispiel dafür hat Tommy auf dem Center Court vor vollen Rängen gegen Roger Federer, den haushohen Turnierfavoriten nach dem Ausscheiden seiner größten Titelkonkurrenten Nadal und Djokovic, abgeliefert.

     Denn ehe der große Champion, mit dreizehn Grand Slam-Titeln angereist, sich versah, lag Federer mit zwei Sätzen zurück. Schlimmer noch. Tommy hatte Breakball im dritten Satz und die Chance, fünf zu drei in Führung zu gehen. Es war mucksmäuschenstill in der riesigen Tennisarena, als Federer seinen zweiten Aufschlag unter unmenschlichem Druck ins Feld spielte. Der Ball flog dann hin und her, bis Federer seine Rückhand umlief und den Ball mit der Vorhand, scheinbar ohne Nerven, cross auf die gegenüberliegende Seitenlinie knallte. Ein perfekter Tennisschlag. Und der Knockout für Tommy. Seine Kontrolle über das Match und Souveränität auf dem Platz war mit einem Schlag dahin. Dahin wegen ein, zwei oder drei Zentimetern, die gefehlt hatten, denn dann wäre der Ball im Aus gelandet.

Pech für Tommy nach einem tollen Kampf gegen die Nummer zwei der Welt so zu verlieren. Und Glück für Federer. Man kann es auch sehen wie die "Neue Züricher Zeitung" schrieb: "Es ist keine Kunst, zu gewinnen, wenn die Bälle wie von selbst auf der Linie landen; die Kunst ist, unter schwierigen Umständen das Glück zu erzwingen." Was soll's? Dusel gehört halt im Tennis auch dazu, wie damals in New York, als Boris Becker beim Matchball mit einem Netzroller die US Open gewann.

     Auch bei den immer hochkarätig besetzten Masters Turnieren hatten deutsche Spieler in den vergangenen Monaten erfolgreich mitgespielt. Philipp Kohlschreiber kam in Indian Wells in die vierte Runde und musste in Madrid in der dritten, nachdem er den gesetzten Marin Cilic abserviert hatte, wegen einer Handgelenkverletzung aufgeben. Der Ravensburger Andreas Beck, über die Qualifikation ins Hauptfeld gerutscht, räumte in Monte Carlo auf. Zuerst kam Nicolas Kiefer dran, dann der Franzose Gilles Simon, Nummer sieben der Weltrangliste, und auch noch der Argentinier Juan Monaco, bevor er gegen den Doppel-Olympiasieger Wawrinka ausschied. In Rom schließlich hatte Mischa Zverev einen Lauf. Der junge Hamburger servierte auf dem Weg in die vierte Runde auch einen Top-Ten-Spieler ab und konnte erst von Roger Federer im Viertelfinale gestoppt werden.

     Ja, und was soll man zum Davis-Cup-Team und zu der deutschen Mannschaft bei den World Team Championships sagen? Beide Teams haben sich voll reingehängt und sind dafür belohnt worden. Wunderbar ein Kohlschreiber, der gegen die Österreicher sein Match nach einem Zweisatzrückstand noch umbiegen konnte. Nach dem Gesamtsieg steht Deutschland nun unter den

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