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Doch noch bevor es losgeht, betretene Gesichter im deutschen Lager. Die Auslosung eine kleiner Schock. In der ersten Runde gegen einen Davidenko, Verdasco, Tsonga, Gulbis oder eine Azarenka, das war der Hammer und nicht, was die Deutschen sich nach einem Flug um die halbe Welt gewünscht hatten. So kam es, dass nur sechs die erste Runde überstanden. Nicht toll. Es konnte bei den Männern mal wieder kaum einer über sich hinauswachsen. Dabei hätte es für Kamke, Dustin Brown und Petzschner auch anders herum laufen können. Auch für Angelique Kerber, die gute Chancen hatte, das Ding gegen Cibulkova für sich zu entscheiden. Ganz daneben jedoch Dinara Safina, die Australian Open-Finalistin 2009 und Ex-Nummer eins. Sie wurde 6:0, 6:0 in nur 44 Minuten von Kim Clijsters platt gemacht.

Apropos Tobias Kamke, Dustin Brown und Petzschner. Sie haben beherzt gespielt und alles gegeben. Pech für Kamke, der nach zwei gewonnenen Sätzen den dritten im Tie Break knapp vergeigte  -  und Glück für Kohlschreiber, der das Match gerade noch umbiegen und nach fünf Sätzen als Sieger vom Platz marschierte. Nicht so Philipp Petzschner. Der Wimbledonsieger im Doppel verpasste gegen Tsonga eine dicke Überraschung. Zwei Sätze lang hatte er den Franzosen, der hier schon mal im Finale stand, vorgeführt. Petzschner kann jeden Schlag - eigentlich. Doch dann, als es mal wieder bei einem begeisternden Marathonmatch darauf ankommt, macht er nicht den letzten Punkt.

Überraschend aber Flori Mayer und Benni Becker weiter. Und wie! Gegen höher eingestufte Spieler. Mayer hat's Davidenko gezeigt, weil er inzwischen mental viel stärker sei und  wisse, was er auf dem Platz machen muss. Na ja, gegen den Japaner Nishikori in Runde zwei hatte man nicht den Eindruck. Die gleiche Geschichte bei Benni Becker, der den gefährlichen Letten Gulbis souverän in der ersten Runde „wegmacht", aber dann mit dem Ukrainer Dolgopolov nicht fertig wird. „Das Niveau ist verdammt eng", meinte Becker, „es ist egal, ob du gegen einen aus den Top 20 oder einen ab Nummer 50 spielst."   

Sehr erfreulich, aus deutscher Sicht, zwei junge Spielerinnen. Wir warten doch sehnlichst auf welche der Eliteklasse. Wie wär's mit Julia Görges und Andrea Petkovic? Sie haben Potential - sogar reichlich. Oder wer hätte gedacht, dass sich „Petko" bei so einem Turnier unter die besten Acht spielt? Die ersten zwei Runden zum Aufwärmen waren Pflicht. Dann eine richtige Aufgabe - eigentlich. Venus Williams, die siebenfache Slam-Titelhalterin. Doch schon nach vier Minuten und 1:0 und 30:0 für Petkovic packte die Amerikanerin wegen einer Verletzung die Schläger ein und schickte Petkovic zum Duschen, was der Darmstädterin aber gar nicht recht war. „Ich habe mich toll gefühlt", meinte sie hinterher, „und wollte ein geiles Match spielen und mich beweisen. Ich sehe meine Karriere als eine Reise an, bin ja noch jung, also am Anfang und versuche jedes Match als Erfahrung und als Plus auf meiner Reise zu verbuchen."







Australian Open der Happy Slam

Happy und oben auf in Down Under


Irgendwie ist in Australien alles ein bisschen anders. Die Sonne, der Mond, die Natur, das Wetter, der Verkehr, die Menschen, die Laune - auch die Australian Open, das Grand-Slam-Turnier im Melbourne Park. Dass die Sonne von Ost über Nord nach West wandert, also nie im Süden steht und der Mond auf dem Kopf, ist schon etwas verwirrend. Oder beim Überqueren der Straße muss man aufpassen, denn wegen des Linksverkehrs kommen die Autos von rechts. Besonders herrlich findet der Schwede Robin Soderling: „Du kommst zum Turnier und es ist Sommer, warm und alles blüht, während es bei uns Winter, kalt und dunkel ist."

Und jeder komme, so Roger Federer, mit einem „Happy New Year" an und freue sich, weil es wieder losgeht nach den Ferien. Deshalb sei das hier so etwas wie ein „Happy Slam". Und wirklich, die Spieler lieben das Turnier Down Under, weil es anders ist. Nicht so hektisch wie in New York, nicht so steif wie in Wimbledon und nicht so eng wie in Paris. Auch weil es nur einen „Känguruh-Sprung" weit weg ist von der City. Für Andrea Petkovic deshalb „das entspannteste Grand- Slam-Turnier. Du bist gleich im Hotel und kannst relaxen."

Maria Sharapova schwärmt vom „Charme und der familiären Atmosphäre der Aussie Open. Alle sind nett und freundlich zu Dir - einfach tolle Menschen." Und wenn einmal was schief läuft, sagen die Aussies sofort: „no worries" - das wird schon, wir regeln das. Sie machen sich nicht bei jeder Kleinigkeit Stress.

Einmalig auch die Fans in Melbourne. Sie lieben das Spiel und gehen wie sonst nirgendwo mit. In Australien leben Menschen aus allen Ländern, die hier, fern der Heimat, ihre Landsleute begeistert und laut, aber fair anfeuern und für eine tolle Stimmung sorgen. Djokovic mag das: „Ich werde hier von vielen Serben unterstützt. Es geht in der Rod-Laver-Arena oft wie beim Fußball zu, weil die bunt bemalten, fahnenschwingenden Tennisfans während der Ballwechsel nicht still sein können."
 
Eine Armada deutscher Spieler und Spielerinnern war wie immer angereist. Neunzehn kamen im Einzel ins Hauptfeld. Das ist Spitze. Denn unter den Top 100 muss man stehen oder Quali spielen, um dabei zu sein. Soll keiner sagen, in Deutschland sei Tennis am Boden, denn nur die Franzosen hatten von 46 vertretenen Nationen bei den Männern einen Spieler mehr im Feld und Tennisländer wie Argentinien, USA, Australien oder Russland weit weniger als Deutschland.






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