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Katar:
Eine Reise in den Wüstenstaat am Golf von Arabien, kam einem bis vor kurzem nicht in den Sinn - bis Ölscheich Khalifa Bin Hamad Al-Thani die Tennis- und Golfmillionäre mit Petro-Dollars in sein Reich lockte.


Abenteuer in Allahs Wunderland

Die Luft ist kalt und der Himmel strahlend blau, als sie uns morgens am Hotel für die Fahrt in die Wüste abholen. „Ali, pass' auf", ruft Gerhard Foltin, der deutsche, aus Garmisch stammende Hoteldirektor vom Doha-Sheraton, noch schnell unserem Fahrer zu, bevor es abgeht im Konvoi, zusammen mit einem Dutzend vierradgetriebener Land-Cruiser. Vorbei an modernen Regierungsgebäuden, an durch hohe Mauern geschützten Marmorpalästen, Banken aus Glas und Beton und künstlich bewässerten Parks rollt die Kolonne auf einer vierspurigen Straße in gemächlichem Tempo dahin.

Mit orientalischem Kopftuch und weißer „Dischdasche" sieht Ali am Steuer seines Ralley-Jeeps mit Überrollbügel nicht gerade wie ein Experte aus. Verunsichert auch durch das „pass auf" des Managers fragen wir Ali, ob er denn ein guter Fahrer sei in der Wüste. Keine Antwort - oder doch, Ali tritt das Gaspedal bis auf den Blechboden durch und schießt mit quietschenden Reifen schnell mal an den anderen vorbei. Ali ist nicht von gestern. Mit Kamelen durch die Wüste ziehen, wie seine Vorfahren, ist seine Sache nicht mehr. Katars jahrtausendelange, morgenländische Geschichte ist Vergangenheit. Mit dem Schwarzen Gold kam das Geld und mit den Petrodollars der unermessliche Reichtum der Scheichs und der Wohlstand aller. Und so haben sie, wo früher die Beduinen ihre Zelte aufschlugen, futuristische Bauwerke hingeklotzt und die Wüste begrünt.

Vorbei an arabischen Basaren fahren wir dann stadtauswärts in die Wüste. Die immer holprigere Straße verliert sich schließlich im Sand, der in einer breiten Spur festgefahren ist. Ali gibt nun erst richtig Gas. Achtzig Stundenkilometer, 100, 150 und mehr. Wir schnallen uns hurtig an. Im Pulk mit den anderen schießt Ali über die wellige Piste. Unser Toyota macht gewaltige Hüpfer. Mit den Händen klammern wir uns an Haltegriffen fest und ziehen den Kopf ein, um bei der ruppigen Fahrt nicht gegen das Blech zu schlagen. Mir ist mulmig im Bauch. Ali jagt den Jeep mit Karacho, driftend und schleudernd, die Dünen rauf und runter. „Wer nicht Gas gibt, bleibt stecken", haben sie uns vorher gesagt Und Ali gibt Gas, haut die Gänge blitzschnell rein und kurbelt am Lenker wie die Rallyefahrer nach Dakar.

Allah karim - Gott ist gnädig! Nichts passiert. Denn Ali hatte den Geländewagen im Griff. Und so ist die wilde Fahrt nach „Khor al Udeid" trotz anfänglichem Muffensausen noch ein Mordsspaß gewesen. Nicht genug, oben auf den dreißig Meter hohen Dünen, an einem Binnensee in der Wüste, haben sie wie früher, als Kamelkarawanen durchs Land zogen und hier Rast machten, Teppiche ausgelegt und uns mit köstlichen, arabischen Spezialitäten verwöhnt, die wir nach orientalischer Sitte ohne Besteck mit den Händen im Schneidersitz verspeisten.

Zurück im Hotel lässt Gerhard Foltin ausnahmsweise die private Scheichsuite der Saudis für mich öffnen. Keiner, nicht mal der Präsident der Vereinigten Staaten, kann sie mieten, nicht für eine Million am Tag, dabei stehen die Gemächer oft das ganze Jahr über leer. Schon der Luxus in den Vorräumen für das Wachpersonal ist überwältigend. Noch prunkvoller dann die anschließenden Konferenzräume. Fast unbeschreiblich aber der Privatbereich mit Entree, Salon, Bar, Bibliothek, Schlafräumen, Bädern und Toiletten. Alles vom Feinsten. Wunderschöne Gobelins und sündteure Ölgemälde an mit Seide tapezierten Wänden, moderne Plastiken, altes Porzellan aus China, antike







Stilmöbel, geschmackvoll kombiniert mit modernem, mit Edelsteinen verzierten Design und an den Decken Ornamente aus purem Gold. Überall täglich frische Blumen und feine Düfte. Und natürlich massiv Gold auch alle Türgriffe und Armaturen in den Bädern - eben Prunk wie in Tausendundeiner Nacht.

Natürlich hätten wir auch gern in einen Palast des Emirs geguckt. Doch Fremde kommen da nicht hinein. Und so stehen wir vor den hohen Mauern neben den Wachposten und sehen nichts von der Pracht. Doch auf einmal öffnet sich das riesige Tor, und ein schwarzer Luxus-Jeep passiert das Portal. Schnell versuchen wir die Gärten und den herrlichen Bau mit farbig glasierten Ziegeln, Fayenceplatten und Kacheln, die zu Arabeskenmustern mosaikartig aneinandergefügt sind, zu fotografieren. Doch sofort bittet der Fahrer des Wagens höflich darum, keine Bilder zu machen und fragt, ob er uns irgendwohin mitnehmen könne. Die Kataris sind sehr gastfreundliche Menschen. Sie wollen, dass Fremde sich in ihrem Land wohl fühlen. „Rufen sie mich doch mal an", sagt der Mann noch beim Absetzen, „ich würde ihnen gern etwas von meinem Land zeigen."

Unwirklich wie vieles in diesem Land kommt uns die Visitenkarte vor, die wir gekriegt hatten. „Hamad Bin Eid Bin Thani Al-Thani" steht darauf, der Name eines Scheichs. Und tatsächlich, unsere Verabredung am nächsten Tag klappt, und der Scheich holt uns persönlich im Hotel zu einem Pferderennen ab. Seine Exzellenz, Scheich Al-Thani, macht es uns leicht. Wie unter Freunden dürfen wir gleich Hamad zu ihm sagen. Plötzlich Sirenen von hinten. Alle Autos auf der sechsspurigen Autobahn fahren sofort rechts ran, um eine Kolonne aus mehreren Limousinen, Typ Mercedes 600 SL, eskortiert von Polizeifahrzeugen mit Blaulicht, Platz zu machen. Hamad wird, was ihm gar nicht passt, dabei abgedrängt und an der Weiterfahrt gehindert. Wir erfahren, dass der Bruder des Emirs, der Außenminister von Kuweit und Hamads Bruder, der Sportminister, allesamt auf dem Weg zur Rennbahn, vorbeigebraust waren.

Am Aufgang zur königlichen Loge neben der Haupttribüne der Rennbahn hatten sie einen roten Teppich ausgerollt. Hamad nimmt uns mit in die Privatloge, wo er nach islamischer Sitte zur Begrüßung mit der Nase respektvoll die Nasen der Minister und Verwandten berührt. Vor leeren Tribünen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, hatte man Pferderennen nur zum Vergnügen des Staatsgastes aus Kuweit und der Scheichs organisiert. Warum nicht? Die Ölscheichs haben nun mal Schwächen für Extravaganzen. Und edle Araberpferde oder auch Rennkamele und Falken gehören traditionsgemäß zu ihren Lieblingsspielereien.

Eine der Stallungen des Emirs liegt nördlich von Doha, idyllisch am Strand, mit Blick auf eine kleine, paradiesische Halbinsel, auf der die vierte Frau des Monarchen in einem Märchenpalast lebt. Wie eine Stallung sieht der orientalische Bau mit rasenbedecktem Innenhof und einem Bogengang ringsherum nicht gerade aus. Die langmähnigen, edlen Araberpferde mit ihren schlanken Leibern werden hier wie Babys verhätschelt. „Mit Zahnbürsten", erzählt der Rittmeister, „kriegen die Pferde die Zähne geputzt." Die Duschräume sind mit Marmor belegt und die Einzelboxen vollklimatisiert und blitzsauber. Na ja, Geld spielt halt keine Rolle.

Keine Frage, Katar war ein großartiges und ganz unerwartetes Abenteuer  - denn eigentlich bin ich ja nur wegen Tennis in die Wüste an den Golf von Arabien gefahren.

                                                          Eberhard Pino Mueller 

publiziert:  DTZ -  Deutsche Tennis Zeitung

Katar / Doha  --  Sehenswürdigkeiten, Sport und Unterhaltung

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