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Erst Ping-Pong, jetzt Wangqin…


Die eigentliche Geschichte über Tennis in China ist eine ungewöhnliche. Oder, wer hätte gedacht, dass „Wangqin" schon vor 100 Jahren in Shanghai gespielt wurde?

Na ja, es waren keine Chinesen, es waren wohlhabende Ausländer. Engländer, Amerikaner, Franzosen und Deutsche, die in eigenen Bezirken mit Exterritorialrechten für Handelsniederlassungen wohnten und mit ihren Familien standesgemäß auch Tennis spielten. Etwa im herrlich angelegten Park des „Deutschen Gartenklubs", wo es neben einer Rollschuhbahn auch eine Tennisanlage mit zehn Doppelplätzen gab.

Nicht die einzige. Überall in Shanghai gründeten die Imperialisten exklusive Klubs. Die Engländer tummelten sich auf 25 gepflegten Rasencourts im English-Country-Club und die Franzosen, auf dem von den Deutschen nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg übernommenen Gelände des Gartenklubs mit inzwischen 30 Tennisplätzen.

Tennis war lange Zeit nur etwas für die ausländische Elite und eine kleine Zahl privilegierter Chinesen. Erst als Mao Zedong 1949 China zur Volksrepublik gemacht hatte, ging es mit dem Sport im Volk etwas voran.

Eine Chance, die ein gewisser Mei Fuji, der im Central Klub als Balljunge begonnen hatte, nutzte. Jedenfalls wurde Mei, der nationale chinesische Meister, 1959 von Wimbledon eingeladen. Ein Chinese in Wimbledon, der auch noch Tennis spielen konnte - Mei überstand die erste Runde gegen einen Brasilianer in fünf Sätzen - war damals etwas Besonderes. 

Im Chaos der Kulturrevolution war es aber schnell wieder aus mit Meis Tennis-Herrlichkeit. Marxistische Ideologien ließen Tennis, als Sport der Kapitalisten verpönt, nicht zu. Tennis kam erst wieder auf, als China sich nach 1990 langsam dem Westen öffnete. Zunächst bei hochrangigen Persönlichkeiten, dann aber auch, durch das Wirtschaftswunder, bei der aufsteigenden Bevölkerung, die sich nun, nach Ping-Pong und Badminton, für Wangqin interessierte. Und nachdem überall, nicht nur in den boomenden Städten, sondern auch im armen Hinterland, Tennisplätze entstehen, werden bald Millionen Chinesen Tennis als Hobby haben. 

                                               
                               Eberhard Pino Mueller

publiziert:  April 2006 

DTZ - Deutsche Tennis Zeitung
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