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Olympia 2002 und die Ski-Techniker                                         

Gut gewachst ist halb gewonnen


Es waren wieder wunderbare Olympische Spiele mit faszinierenden Wettkämpfen, großen Emotionen und strahlenden Siegern, aber auch noch zum Schluss mit ein paar Spiel(e)-verderbern. Und wir konnten, fast rund um die Uhr, dabei sein  - live, in langen, spannenden TV-Nächten und tagsüber, bei allem noch einmal in Aufzeichnungen.

ARD und ZDF, mit fast 500 Mitarbeitern angereist, hatten für die Übertragung der Spiele ja auch jede Menge Leute dabei. Sie haben denn auch nichts ausgelassen - keinen Wettbewerb, keinen Sieger und schon gar nicht unsere Sportler. Immer war das Fernsehen dabei, immer wenn irgendwo gekämpft, gejubelt, geheult oder geschimpft wurde, es Medaillen gab, oder Athleten und Trainer was zu sagen hatten.

Ja. Schön. Nur, was war mit den Hintermännern? Wo waren sie? Wer kennt die Namen, die Gesichter? Etwa die der Ski-Techniker, ohne die unser Medaillenspiegel anders ausgesehen hätte. Sensationell war, wie zum Beispiel die Wachsler und Schleifer im sechsköpfigen Team um Uwe Bellmann den Sprintern die Ski präpariert hatten. So stürmte in der Sprint-Staffel eine Manuela Henkel ihrer am letzten Anstieg hinterher stampfenden Konkurrentin gleitend davon, und preschte Evi Sachenbacher mit schnellerem Ski auf der letzten Abfahrt vor dem Ziel an der führenden Läuferin vorbei zum Gold.

Ja wenigstens lobten die Sportler und Kommentatoren die Wundermänner für ihre Arbeit. „Ich hatte", so Manuela Henkel, „einen super Ski und konnte mitfahren, wo die anderen arbeiten mussten." Auch der Sprinter Peter Schlickenrieder oder der Kombinierer Ronny  Ackermann wussten um den Verdienst ihrer Technikerteams und bedankten sich überglücklich nach Silber für das tolle Material.

Wann schon hatten deutsche Ski-Techniker ein so goldenes Händchen? Haben doch alle Langlaufnationen, allen voran die Norweger, auch ihre Wachsexperten, die wissen, wie´s geht. Also wirklich, auf der Kurzstrecke in Sodier Hollow waren neben Sachenbacher, Henkel und Co auch die Ski-Techniker medaillenreif. Sie waren zusammen mit den Sportlern „die Geschichte". Doch im Fernsehen, bei der großen Inszenierung des unverhofften Gold-Coups, hatte man die Ski-Techniker vor lauter Jubel um die Läuferinnen vergessen. Schade! Die Hintermänner hätten dazugehört. Denn längst ist Spitzensport nicht mehr nur eine Sache der Sportler, sondern eines ganzen Teams.

                                 
Eberhard Pino Mueller

publiziert:  März 2002  ---  SportJournalist

                                                                                                       


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