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Ist ein intelligenter Kinderarzt und schlechter Hobby-Tennisspieler besser als die besten Tennistrainer? Die Frage ist so verkehrt nicht. Nun denn, 1979 begegneten Sampras senior und Sohn Pete im Jack Kramer Tennisclub in Rancho Palos Verdes einem Doktor Peter Fischer. Dieser Mann, von Beruf Kinderarzt, erkannte gleich das Talent des damals 8-jährigen und kümmerte sich fortan um den Jungen auf dem Tennisplatz. Und weil der Junge schnell Fortschritte machte, kam Fischer auf die verrückte Idee, aus Pete den besten Spieler der Welt zu machen. Er habe, erinnerte sich Sampras, Tag und Nacht daran gedacht, wie er mein Spiel verbessern könnte. Unkonventionell, also nicht wie die üblichen Trainer, ging Doktor Fischer vor. Er warf Bälle hoch und sagte erst nach dem Wurf, wohin Pete schlagen sollte. Er besorgte 16-Millimeter-Filme von Rod Laver-Matches, um Pete dessen Spielweise beizubringen. Er stellte die beidhändige Rückhand um, damit Pete, der bis ins Alter von 15 Jahren an der Grundlinie klebte, Volleys spielen und ans Netz vorstürmen konnte. Das einmalige Trainingskonzept ging auf. Im Februar 1990 gewann Sampras sein erstes Profiturnier. Fischer, der alles umsonst gemacht hatte und dem Sampras sein Tennis verdankte, bat nun seinen inzwischen millionenschweren Schützling um Vergütung seiner Arbeit. Zuviel verlangt für Sampras, der rückte nichts raus. Und es kam zum Bruch der langjährigen Freundschaft.

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Es war vor Jahren nach dem Damenendspiel in Paris. Da ließ sich ein Teenager rücklings auf den roten Sand fallen. Die kleine Arantxa Sanchez konnte ihr Glück nach dem Sieg der French Open nicht fassen und weinte vor Freude. Dann, wenig später am Netz, umarmte und küsste Steffi Graf die von Gefühlen überwältigte Spanierin. Wahrlich, wahrlich, Momente mit viel Herz. Überglücklich auf der Tribüne auch Juan Nunez, der die Spanierin als Coach zum Sieg und zu 530 000 Mark Preisgeld geführt hatte. Hinterher war es aber aus mit viel Herz und dem Glück. Arantxa Sanchez, der Star mit der großen Kohle, wollte ihren Coach mit ein paar Almosen abspeisen, doch Juan Nunez war nach einem „geradezu beleidigenden Angebot" die Lust an einer Zusammenarbeit vergangen.

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Er trägt  immer eine Sonnenbrille, auch bei Sauwetter. „Wenn Sie da durchgucken", sagte Nick Bollettieri an einem total verregneten Tag in Hamburg am Rothenbaum, „scheint  irgendwie immer die Sonne", und gab mir die Brille. Wer weiß, vielleicht trägt der Mann die Brille auch, um die Welt ein bisschen rosiger zu sehen? Denn nach großen Erfolgen mit seinen Schützlingen, blieb Bollettieri meist bitter enttäuscht zurück. Bei Andre Agassi, etwa. Bollettieri hatte ihn trainiert, auf Reisen begleitet, in seinem Haus wohnen lassen und zu einem 300-Millionen-Mann gemacht. „Als Dank," so Nick Bollettieri, „ habe ich von Andre mal  300 Dollar und eine Corvette für 50 000 gekriegt. Und von den andern, von  Arias, Courier, Wheaton, von Mary Pierce und Monica Seles, mit der ich hunderte von Stunden auf dem Platz gestanden habe, bekam ich nichts -- absolut nichts." Nur Boris, bemerkte er dann noch und lächelte, der habe sich nicht lumpen lassen, der habe richtig gut bezahlt.

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Wer nun ist schuld an den Auswüchsen? Gewiss doch, nicht allein die Spieler. Es sind alle schuld, die Veranstalter, Sponsoren, Manager, Verbände, Spielervertretungen, Eltern und nicht zuletzt auch das Fernsehen. Ein Teufelskreis, in dem sich alle drehen. Es hilft aber nicht, darüber zu philosophieren, warum die Preistreiberei zum Selbstzweck unmoralisch ist. Noch, ja noch ist ein Haufen Geld im Tennis da, und es wäre dumm, die Kohle nicht zu nehmen. Nein, nicht das Kassieren der Stars ist bedenklich, sondern oft deren Geldgier oder scheinheilige Moral.                                                                                                       

                                                                       
Eberhard Pino Mueller

publiziert:  April 2000 Kicker Sportmagazin
                               
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