ZURÜCK ZUR HOMEPAGE




Dopingfall Maria Scharapowa

Maria Scharapowa - eine verzwickte Geschichte.


Der Doping-Fall von Maria Scharapowa war, nachdem die Russin ihre Strafe abgesessen hatte, noch keineswegs abgeschlossen, wie die Wildcard-Diskussion beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart gezeigt hat.

Aber zunächst einmal zum besseren Verständnis des komplizierten Falls: Was hat Maria Scharapowa gemacht? Sie hat über fast zehn Jahre ein Herzmedikament aus Lettland mit dem Wirkstoff Meldonium - angeblich gegen Diabetes - eingenommen. Meldonium beeinflusst den Sauerstoffbedarf der Herzmuskelzellen und versorgt dadurch den Körper mit mehr Energie. Nachdem sich bei Dopingtests zeigte, dass massenweise Leistungssportler Meldonium schluckten, wurde die Substanz wegen Steigerung der physischen und mentalen Belastungsfähigkeit von der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada endlich, im Januar 2016, verboten.

Wer Mittel seinem Körper zuführt, mit denen die Leistung auf unnatürliche Weise manipuliert wird, handelt gegen die allgemeinen Doping-Bestimmungen. Maria Scharapowa hat das jahrelang straflos machen können und dabei bewusst die Chancengleichheit gegenüber ihren Mitspielerinnen zu ihren Gunsten beeinflusst.

Brenzlig wurde es für Maria Scharapowa aber erst, als sie bei den Australian Open 2016 erwischt wurde und ehrlicherweise sofort zugab, dass sie das inzwischen verbotene Meldonium auch noch 2016 eingenommen habe. Sie hatte damals nicht gewusst, dass Meldonium im Körper nicht sofort abgebaut und ausgeschieden wird. Sie hätte sich sonst, wie viele der 2016 überführten Meldonium-Schlucker, listig herausreden und den positiven Doping-Befund auf Restbestände in ihrem Körper aus dem Vorjahr, als Meldonium noch nicht auf der Doping-Liste stand, schieben können.











Was dann bei ihrer Verurteilung herauskam, ist wie oft bei Doping-Sündern ein Witz. Obwohl nach dem Wada-Anti-Doping-Code ein eindeutiger Doping-Fall vorlag, wurde Scharapowas Meldonium-Missbrauch nicht als klarer Betrug vom Internationalen Sportgerichtshof gewertet, sondern lediglich als „grober Fehler", wofür man die Strafe gleich auch noch von 24 auf 15 Monate verkürzte.

Die unverständliche, nicht im Einklang mit den Wada-Regeln stehende Argumentation, Scharapowa habe
„nur" einen Fehler gemacht, war natürlich hilfreich für die Rechtfertigung, ihr eine Wildcard für die Hauptfelder der Turniere in Stuttgart, Madrid und Rom zu geben. Markus Günthardt und Anke Huber, die Turnierverantwortlichen des Porsche Tennis Grand Prix, sprechen nicht von einer Doping-Betrügerin, sondern auch nur von einem schweren Fehler, für den Maria die Strafe abgesessen habe.

Verständlich, dass diese Auslegung des Doping-Falls nicht überall gut ankam, vor allem, weil es dadurch in Stuttgart zu einer umstrittenen Vergabe einer Wildcard an Scharapowa kam. Viele, vor allem auch Profi-Spielerinnen, hatten damit ein Problem und meinten, warum kriegt Scharapowa für ihr unfaires Fehlverhalten auch noch eine Extrawurst - warum muss sie ohne Punkte in der Weltrangliste nicht wie alle ganz unten bei 10 000er Turnieren anfangen und sich erst einmal wieder hochspielen?

Übrigens: Niemand macht in Russland beim Lutschen der Bonbons Marke Sugarpova einen „Fehler" - auf den Packungen steht in kyrillischen Buchstaben: „ohne Meldonium."

                           
Eberhard Pino Mueller

publiziert:   Mai 2017
                  TAKEOFF-PRESS

       


zurück

nächster Beitrag