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Die Belgierinnen Justine Henin-Hardenne und Kim Clijsters hatten, im Kampf um die Macht, am schnellsten aufgeholt und sind, nachdem die Williams-Sisters das Interesse an Tennis ein bisschen verloren, sich auch noch mit Verletzungen geplagt und deshalb nur sieben (Venus) und acht (Serena) Turniere im vergangenen Jahr gespielt hatten, an allen vorbeigezogen.

Die Frage ist, ob und wie die Williams Schwestern wieder zurückkommen. Sie haben genug Geld und sind Berühmtheiten auch außerhalb des Sports. Auch meint der Vater, sie würden mit Tennis verdummen. Und überhaupt, als sie nicht mehr beliebig leicht gewannen, hatten sie schnell die Nase voll von Tennis, auch wenn sie inzwischen wieder das Gegenteil behaupten. War dann auch nichts, mit Comebacks in Australien. Serena kam nicht und der Auftritt von Venus ging in die Hose. Nur mit Power und Fitness, jedenfalls, ist man nicht mehr die Branchenbeste, auch Köpfchen, Cleverness, mentale Stärke und ein variables Spiel ist notwendig - und da haben die Belgierinnen den Amerikanerinnen etwas voraus.

  Justine, Kim und Serena, alle gerade mal so zwanzig Jahre jung, haben aber schon eine ganze Armada Jüngerer im Nacken. Die Gefahr kommt aus dem Osten, vor allem aus Russland. Diese Mädchen  werden von ehrgeizigen Eltern früh in eine harte Tennismangel genommen. Die Russinnen kommen: eine Kuznetsova, Safina, Sharapova, Krasnoroutskaya, Bovina, Zvanareva - und bereits neun von ihnen haben sich unter die vierzig Besten in der Welt gespielt.

Mit diesen von klein auf profimäßig gedrillten Kids können die deutschen Mädchen nur schwer mithalten. Auch eine Anna-Lena Grönefeld, die 18-jährige Juniorinnen-French-Open-Siegerin und wohl größte deutsche Hoffnung, spürt, dass auf der Frauentour ein anderer Wind weht.

Und was ist mit Marlene Weingärtner, die vor einem Jahr mit Leidenschaft, Biss, Herz, Mut und „no fear", ohne Angst, wie auf ihrem Shirt stand, die Titelverteidigerin Capriati bei den Australian Open niedergekämpft und nach ihrem Ausscheiden gemeint hatte: „Macht nix, ich kämpfe weiter, es wird ein gutes Jahr." Von wegen. Ein Platz knapp unter fünfzig kann es mit ihrem Talent weiß Gott nicht gewesen sein. Auch nicht für Anca Barna.

Um aber zu den Topspielerinnen zu gehören, sind konstante Leistungen  notwendig.  Und dafür sind nach Klaus Eberhard, dem Damen-Bundestrainer, die Faktoren Talent, Charakter und Psyche ausschlaggebend. Bei ein paar wenigen deutschen Spielerinnen ist ein gewisses Potenzial da. Aber es hapert mal bei der Fitness, der Gesundheit, Professionalität oder am Umfeld - und dann wird da halt nichts daraus.   
                                                                               
 
                                                  Eberhard Pino Mueller

publiziert:  März 2004  DTZ -  Deutsche Tennis Zeitung

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