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Davis Cup:  Südafrika - Deutschland

   Storys aus Johannesburg

           

         
Blödes Gefühl. Du sitzt in einem Auto und lässt dich zu einem Dinner fahren. Doch plötzlich merkst du, der Fahrer hat sich verfahren, steckt im Verkehr fest und das in einem Viertel, wo Weiße sich nie und nimmer auf die Straße wagen. So geschehen in Johannesburg, als Patrik Kühnen mit dem Daviscup-Team unterwegs war. Zu seinem ersten Match wurde Tommy Haas danach unter doppeltem Polizeischutz ins Ellis Stadion, das in einer nicht ungefährlichen Gegend von Johannesburg liegt, gefahren.


     
Keine Frage, Wayne Ferreira an sich wäre eine Geschichte wert. Wer hat 56 Grand Slam-Turniere gespielt? In Folge, über 14 Jahre. Nur Wayne Ferreira. Einsamer Rekord. Auch Ferreiras Daviscup-Bilanz mit 41 Siegen bei nur 15 Niederlagen kann sich sehen lassen, auch seine 15 Einzel- und 11 Doppel-Titel, eine olympische Silbermedaille sowie zehn Millionen Dollar Preisgeld sprechen für den ehemalige Top-Ten-Spieler. Doch ohne Matchpraxis hatte der im letzten Jahr zurückgetretene Südafrikaner gegen Haas und Schüttler keine Chance.


     
Wer das Match Kiefer gegen Moodie gesehen hatte, der wird sagen, Tennis ist ein verrücktes Spiel. Um 3:25 Uhr ging's los. Um 5:05 liegt Kiefer zwei Sätzen zurück. Um 6:05 im Tie-Break steht das Match auf Messers Schneide. Kiefer rettet sich und zwingt Moodie, der das Match zwei und eine halbe Stunde kontrolliert hatte, zum Weiterspielen. Das Match kippt. Um 6:42 Satzausgleich und fünfter Satz. Kiefer schafft gleich ein Break. Seine erste Führung im ganzen Match. Moodie verpasst zwei Re-Breaks und bricht ein. 7:08, das Spiel ist aus. Kiefer ist der glückliche Sieger und Moodie, der bei einem Sieg fast im Alleingang die Deutschen besiegt hätte - er hat im Doppel und Einzel noch zwei Punkte für Südafrika geholt - der tragische Held seines Teams.


     
Sage keiner, die Weltrangliste habe beim Daviscup viel zu bedeuten, und es könne nicht sein, dass die Nummer 112 die Nummer 16 wegmache. Ein Wesley Moodie einen Tommy Haas. Doch nach 3 Stunden und 26 Minuten haut der Südafrikaner dem Deutschen ein letztes Mal einen gewaltigen Aufschlag zu seinem sensationellen Sieg um die Ohren. Patrik Kühnen bleibt erst einmal wie versteinert auf seinem Stuhl sitzen. Frustriert schleicht Haas wenig später mit gesenktem Haupt vom Platz, während Moodie unter dem Jubel der Fans mit der südafrikanische Fahne eine Ehrenrunde dreht. 


     
Farbige Tennisspieler, Linienrichter und Ballkids gibt es noch nicht sehr lang in Südafrika. Erst nach Abschaffung der Rassentrennung, begannen auch Schwarze, die 90 Prozent der Bevölkerung ausmachen, mit dem „weißen" Sport. So waren mit Jeff Coetzee und Raven Klaasen zwei Farbige im südafrikanischen Daviscup-Team. Auch wurden mehr schwarze als weiße Linienrichter und einige schwarze Ballkinder eingesetzt. Und mit inzwischen 16 Entwicklungsprogrammen in Townships über das Land verteilt, will man die Kids für Tennis gewinnen. Vielleicht sollte man sich schon mal Namen wie Elizabeth Moorkey und Yaseen Ibrahim merken. Zwei Tennis-Wunderkinder - jedenfalls sagt man das in Südafrika.

                                                                  Eberhard Pino Mueller

publiziert:  März 2005  DTZ -  Deutsche Tennis Zeitung           



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