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Warum Juniorenturniere, wo es kein Geld gibt?


Ivan Lendl spielte mit schwarzen Socken und weißen Tennisschuhen beim Jugendturnier in Paris, umringt von tschechischen Funktionären, die aufpassen mussten, dass ihr Tennistalent sich nicht in den Westen absetzt. Es war im Jahr 1978, zur Zeit des Kalten Krieges, als ein ärmlich ausgerüsteter Lendl das wichtige Turnier in Roland Garros gewann. Und einmal, vor vielen Jahren, flog der junge Boris Becker allein nach Ney York, um das prestigeträchtige Juniorenturnier bei den US Open nicht zu verpassen. Auch McEnroe, Muster, Edberg, Wilander, Cash, Rios, Becker oder Federer, Murray, Roddick, Monfils, Kiefer, Tsonga, Robredo, Gonzalez, Baghdatis, Gasquet und andere großartige Tennisspieler standen in jungen Jahren in Endspielen bei den Junior-Grand-Slam-Turnieren.

Auch wenn Erfolge bei diesen Turnieren nicht zwangsläufig zu einer großen Karriere führen müssen, sind sie doch oft das Sprungbrett dafür. Auch Peter Pfannkoch, der für den Deutschen Tennis Bund seit neunzehn Jahren im Jugendbereich tätig ist, meint: „Erfolge bei Jugendturnieren sind letztendlich ein sehr gutes Zeugnis, um auch den nächsten Schritt hin zu erfolgreichem Tennis als Profi zu schaffen." Er war immer ein Verfechter für Jugendturniere, auch in den vergangenen Jahren, als wir in Deutschland immer wieder die Diskussion hatten, wie wertvoll ist Jugendtennis. 

Peter Pfannkoch sagt auch, man dürfe Jugendliche nicht mit zu vielen Turnieren quälen, bis sie verrückt dabei werden, aber auch nicht zu früh ins kalte Wasser werfen, indem man sie nicht vorbereitet zu Profi-Turnieren schickt. Sie seien, nachdem sie unter ihresgleichen die notwendige Matchpraxis erlangt und die Erfahrungen gemacht haben, mit Stress erfolgreich umzugehen, bei Turnieren, die dann vielleicht erst zwei Jahre später kommen, besser aufgehoben, weil sie sich dann eher durchsetzen können. „Erfolg geht vom Kopf aus", so auch der Ex-Davis-Cup-Spieler Karl Meiler, „durch Reife kann es immer zu einer Leistungsexplosion kommen."
 
„Die Jugendwettbewerbe", sagt Pfannkoch, „sind weltweit sehr gut und fair, auch sehr professionell gemacht und stehen auf hohem Niveau. Man hat sich hier zu treffen. Das hat sich jetzt im Prinzip etabliert, und es ist schön, dass wir so erfolgreich dabei sind."

                                                               
Eberhard Pino Mueller



publiziert:  November 2009  --  DTZ -  Deutsche Tennis Zeitung           




                                                                                                                                 

   



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