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25 Jahre GWO - Gerry Weber Open

„Eine unglaubliche Zeit"


Die Geschichte ist kurios und hat sich in Florida im ATP-Trainingszentrum zugetragen. Da wurde Günther Bosch, der Trainer von Boris Becker in jungen Jahren, auf einen „crazy man in Germany" angesprochen, der in einer kleinen, unbekannten Stadt ein Rasenturnier machen wolle. Günther Bosch machte den ATP-Verantwortlichen klar, das ist keine Schnapsidee eines Spinners. Gerry Weber sei ein erfahrener, solider Geschäftsmann, der das hinkriege. Und der Rasen hat's gebracht. Denn Halle bekam das ATP Grand Prix Turnier damals und konnte mit dem Rasenturnier immer sehr gute Spieler vor Wimbledon herlocken.

Jetzt, nach einer fantastischen, 25-jährigen Erfolgsgeschichte der GWO, kamen  zur großen Jubiläumsparty hochkarätige, internationale Gäste. Darunter der ATP-Chef Chris Kermode, der die GWO außergewöhnlich lobte: „Dieses Turnier wird geprägt durch das Charisma und die Dynamik seiner Macher. Die ATP ist stolz darauf, dass die GWO ein Teil der weltweiten ATP-Familie ist."

Auch Phil Brooks, der Vorsitzende des All England Lawn Tennis Clubs in Wimbledon, war extra angereist und gratulierte zu einer „wunderbaren Entwicklung" in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten.  Ganz besonders hat sich Turnierdirektor Ralf Weber über Ex-Wimbledonsieger Michael Stichs „bewegende" Worte, auch im Namen aller Spieler, die im Laufe der vielen Jahre hier gespielt haben, gefreut: „Ohne das Turnier in Halle wäre das deutsche Tennis heute nicht das, was es ist. Der Mensch steht hier im Mittelpunkt. Man spürt die Liebe und Herzlichkeit derjenigen, die es ausrichten."

Zurückblickend auf die Anfänge des Turniers muss selbst Ralf Weber schmunzeln. Etwa, wie das Turnier zu seiner TV-Vermarktung kam. „Ich habe 1992  in Barcelona mit dem ZDF-Sportchef Karl Senne per Handschlag die Vereinbarung getroffen, unser Turnier zu übertragen." Unvorstellbar so ein Deal heutzutage. Übrigens: Um die wunderbare Turnierstory in der kleinen Stadt in die ganze Welt - mit



280 Millionen TV-Zuschauern - zu übertragen, kam einmal ein Fernsehteam von CNN. Oder: In diesem Jahr werden die GWO von ZDF und Eurosport in 139 Länder übertragen.

Eine verzwickte Geschichte war der Bau des Stadions. Die erste Planung mit 3 300 Sitzplätzen wurde beim Bau, wegen der Ticketnachfrage, über den Haufen geworfen. Auf den auf 5 500 Plätze vergrößerten Center-Court setzte man noch Stahlrohrtribünen, weil der DTB den Zuschlag für eine Davis-Cup-Begegnung, die man in Halle unbedingt haben wollte, von einem größeren Center-Court abhängig gemacht hatte. Kein Problem. Auf den letzten Drücker war das Stadion mit 9 800 Plätzen rechtzeitig fertig.
  
Ein Problem bei den ersten GWO 1993 war nur das Wetter. Es hat, was ich nie vergessen werde, dauernd geregnet, und an einem Tag fiel Tennis ganz ins Wasser. „Das sollte nie wieder passieren", sagt Ralf Weber heute. „Ein schließbares Dach, für die damalige Zeit eine unglaublich technische Lösung, musste für die zweiten GWO her - es war im Nachhinein die wichtigste Investition überhaupt.".   

Zum Auftakt vor Turnierbeginn gibt es seit Jahren die Champions Trophy, ein Highlight mit Ex-Tennisstars wie Richard Krajicek, Ivan Lendl, Michael Chang oder Steffi Graf, Gabriela Sabatini und Anna Kournikova. Diesmal mit „phänomenalen" 34 100 Zuschauern „der perfekte Start zur Geburtstagsfeier", so Ralf Weber, als  Kerber, Stich, Muster, Leconte, Medvedev und Kafelnikov die Tennisfans mit Showdoppeln unterhielten.  

„Es ist eine unglaubliche Zeit gewesen, diese 24 Jahre", so Ralf Weber vor Turnierbeginn. Auch für den Reporter, der sich jedes Jahr schon auf der Fahrt nach Halle nicht nur auf das außergewöhnliche Tennisturnier freute, sondern auch auf tägliche Live-Musik auf der Showbühne mit Stars - auf eine Mischung aus Tennis, Unterhaltung und Volksfestatmosphäre eben.

                                    
Eberhard Pino Mueller

publiziert:  Juli 2017 - DTZ Deutsche Tennis Zeitung
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