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Jan-Lennard Struff

Mit Spaß auf Erfolgstrip


Typisch Jan-Lennard Struff. In der einzigen etwas ruhigeren Ecke der umtriebigen Spieler-Lounge in Roland Garros bei den French Open wollte er sich mit mir nicht unterhalten, weil da, auf einer Couch, ein Spieler ein Mittagsschläfchen machte, und er aus Rücksicht nicht wollte, dass dieser gestört werden könnte.

Untypisch, wie der 1,97 Meter große Schlaks ins Profi-Tennis einstieg. Mit neunzehn Jahren, nach dem Abitur, wollte er, weil er von klein auf immer viel Spaß an Tennis hatte, „nach der Schule einfach mal ein Jahr auf der Tour spielen und schauen, was geht." Sein Ziel war, „nach einem Jahr um die 700 zu stehen und sonst was in Richtung Sport zu studieren." Auf Rang 1828 in der Weltrangliste ist er eingestiegen und schon nach etwa einem halben Jahr auf einen Rang um 700 geklettert.

Jan-Lennard Sruff meint denn auch: „Ich habe wohl ein bisschen die Tennis-Gene meiner Eltern geerbt." Der Vater, ein Tennistrainer, und die Mutter, eine ambitionierte Turnierspielerin, haben viel mit ihm trainiert und ihn immer unterstützt und zu Turnieren gefahren. „Sie haben mich aber nie angetrieben", sagt er, „das Wichtigste war, meine Lust auf Tennis, auch an unserer Hauswand. Ich hätte Tennis nicht machen müssen."

Zugute kam „Struffi", dass er schon früh, so mit zehn Jahren, mit Ute Strakerjahn, die damals auf der WTA-Tour Spielerinnen coachte, trainieren konnte. „Meine Eltern", erzählt er, „hatten einen guten Draht zu Ute, die ja noch heute meine Trainerin ist." „Das Lustige war", so Ute Strakerjahn, „der Jan hat mich immer selbst angerufen - nicht die Eltern - dass er mit mir spielen will." Schon während Jan-Lennards Schulzeit kam noch Christoph „Stoffel" Reichert hinzu. „Der Stoffel hat die Ute schon trainiert, als die noch auf der Tour war", sagt Struff, „und Stoffel hat mich, weil Ute nicht so oft Zeit hatte, dann auch trainiert. Bis heute. Ich vertraue den beiden, weil ich sie halt schon lange kenne."

Eine gute Einstellung, die zu dem ruhigen und eher zurückhaltenden Spätstarter passt. Der väterliche Coach und die erfahrene Ex-Profispielerin haben Struffs Talent frühzeitig erkannt. „Ute", so der inzwischen auf Rang 62 stehende Tennisprofi, „hätte sich mit mir nicht so viel Mühe gegeben, wenn sie nicht gesehen hätte, dass sie aus mir was machen kann." Und Christoph Reichert sagte der WAZ: „Ich will, dass er der Beste in der Welt wird, und wenn Jan das für seine Person perfekte Tennis spielt, stehen die Chancen für eine beachtliche Karriere gut." 

Die Tennisentwicklung des sympathischen 24-Jährigen geben ihnen Recht. Das sieht auch Patrik Kühnen so. Als sich Struff bei „seinem" Turnier in München überraschend ins Halbfinale gespielt hatte, meinte er: „Jan hat eine große Zukunft vor sich, wenn er so weiterspielt und an sich weiter arbeitet."

Und das tut Jan_lennard Struff. Er quäle sich, sei fleißig, diszipliniert, ehrgeizig und voll auf Tennis fokussiert, sagen alle in seinem Umfeld, zu dem auch Uwe Liedtke gehört, mit dem er seit drei Jahren intensiv zusammen arbeitet. „Tennis ist ein harter Job", sagt Struff, „da brauchst du einen guten Fitness-Trainer. Ich fahre deshalb nach meinen Tennis-Trainingseinheiten im Kamener Leistungszentrum mit meinem BMW zum ‚Kondi' zu Uwe Liedtke nach Lünen." Da wird er richtig in die Mangel genommen. Neben Krafttraining und Intervall-Läufen stünden Schnelligkeits- und Koordinations-Übungen auf dem Programm, so Jan-Lennard Struff. „Ich muss konditionell noch viel arbeiten, da habe ich Defizite."








Ob er auch einmal keinen Bock auf Tennis habe? - „Nee, keinen Bock, das hab' ich nie. Ich mache aber schon mal kleine Pausen, sonst ist das zu anstrengend." Und was steht dann an? - „Ich fahr' dann zu meiner Freundin Nina oder nach Hause zum Entspannen. Oder ich geh' ins Kino oder treff' mich mit Freunden oder guck' im Fernsehen was an. Ich liebe Action-Filme, Fußball und Darts und hab' daheim auch eine Scheibe. Ich bin BVB-Fan und war schon oft im Stadion, auch als sie Meister gegen Bremen wurden. Das war echt geil." Und was wäre ein perfekter Tag? - „Morgens Tennis spielen, mittags mit Nina was unternehmen und abends zum BVB ins Stadion gehen."

Und was hat er für Tennis-Träume? - „Richtig super wäre, in der Weltrangliste vorn zu stehen, die ganz großen Matches zu spielen und mit dem Davis-Cup-Team erfolgreich zu sein. Dafür werde ich alles geben." Jan-Lennard Struff ist mit sich nicht unzufrieden und auf einiges sogar ein bisschen stolz. „Sehr schön war, als ich mich letztes Jahr hier in Paris zum ersten Mal für ein Grand-Slam-Turnier qualifiziert habe, dass ich es in Wimbledon in die zweite Runde schaffte, und dass ich für das Davis-Cup-Team nominiert wurde." Natürlich hat er sich auch über seine beiden Titel bei den Deutschen Meisterschaften gefreut und die Halbfinale in Marseille und München und den Sieg beim Challenger-Turnier in Heilbronn. Aber diese Erfolge zählen weniger, denn die Grand-Slams rangieren für ihn und seine Ansprüche „auf einer höheren Ebene."

Wie die French Open dieses Jahr. Nach seinem Sieg in der ersten Runde ging es im proppevollen, gigantischen Suzanne-Lenglen-Stadion vor über 10.000 fanatisch mitgehenden Tennisfans gegen Gael Monfils, den Paradiesvogel und Liebling der Franzosen. Eine neue Erfahrung, um dazuzulernen. Der deutsche Außenseiter heizte dem Lokalmatador, jedenfalls in den ersten beiden Sätzen, mächtig ein. Mit mutigem, knallharten und offensivem Tennis. Ärgerlich, dass eine Linienrichterfehlentscheidung den Mann aus Warstein um den ersten Satz brachte, und Struff danach fünf weitere Satzbälle nicht verwandeln konnte.

Das Match, das auch anders verlaufen hätte können, hat jedoch gezeigt, dass der Newcomer sich stark verbessert hat und mithalten kann, selbst mit dem etablierten Topspieler Monfils, der Nummer 23 in der Welt.

Zugegeben - so glatt wie in den letzten drei Monaten, als Jan-Lennard Struff sich vom 130sten auf den 62sten Platz in der Welt gespielt hat, wird es - Potential hin, Potential her - nicht weiter gehen. Die Luft nach oben wird schnell immer dünner. „Mein Ziel ist", sagt der deutsche Hoffnungsträger, „mich dauernd zu verbessern, um das Maximum herauszuholen. Mein Ziel ist aber auch, immer Spaß dabei zu haben."

Typisch Jan-Lennard Struff, der total auf Tennis steht - aber nur mit Spaß. 

                                             
Eberhard Pino Mueller

publiziert:  Juli 2014  --  DTZ  Deutsche Tennis Zeitung 
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