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Ans Aufhören hat Benjamin Becker aber nie gedacht, „jedenfalls nicht wegen einer schlechten Phase beim Tennis. Doch 2011, als ich am Ellenbogen operiert wurde, und der Arzt meinte, ich müsse nun einhändig spielen, weil es mit dem operierten Arm nicht mehr gehe, dachte ich schon, es ist vorbei und habe mich wieder am College eingeschrieben, falls die zweite OP nicht helfen würde."

Benjamin Becker hatte Glück und konnte nach sechs Monaten wieder Tennis spielen. Sein Uni-Abschluss, zu dem ihm ein Semester fehlt, muss warten. „Ich will die Uni auf jeden Fall fertig machen, schon als Vorbild für meine Kinder, auch wenn das, je länger ich spiele und je älter ich werde, immer schwieriger wird."

Aber warum soll Benjamin Becker, der noch immer total fit und durchtrainiert ist, mit Tennis jetzt Schluss machen, wo er allein an Preisgeldern schon mehr als 3,5 Millionen Dollar verdient hat? Auch wenn er nicht wie die Topspieler dauernd auf dem Radar der Medien vorkommt, verstand er es, sich oft eindrucksvoll in Szene zu setzten. Der Mann mit der umgekehrten Kappe ist irgendwie prädestiniert für's Besondere - ein Mann für spezielle Sachen eben.

Beim Hallenturnier, 2014, in Zagreb machte er so ein Ding. Da wehrte er sieben Matchbälle ab, lag im dritten Satz 5:2 und im Tiebreak 5:1 zurück und gewann. „Wow", sagte er hinterher, „mein verrücktestes Match, das ich je gespielt habe." 2015 bei den Australian Open könnte er wieder einen historischen Coup gelandet haben, als er Lleyton Hewitt, bei dessen hier möglicherweise letztem Auftritt, nach zwei verlorenen Sätzen im fünften bezwang. Etwas Besonderes auch für Benjamin Becker, der zuvor sechsmal über fünf Sätze ging, aber nie gewann. "Einmal", sagte er, „einmal wollte ich wenigstens über die volle Distanz als Sieger hervorgehen, um das später meinen Kindern zu erzählen."

Ja, die Familie geht ihm über alles. „Ist das nicht wunderbar, wenn der Kleine morgens aus dem Bett kommt, lacht und sagt, Papa ich will jetzt Zug spielen? Ich genieße das, bin total happy und stelle mich da gern in den Hintergrund." Benjamin Becker freut sich, wenn er zuhause mit der Familie ein bisschen Ruhe hat. Das passt zu ihm. Er sei zurückhaltend, eher sogar schüchtern und deshalb müsse er auch nicht dauernd Fotos posten und sich über Twitter oder Facebook präsentieren.

Überhaupt: Benjamin Becker ist gerade sehr zufrieden: „In den letzten sieben Monaten, seit Halle, ist es gut gelaufen bei den Turnieren. Es war die beste Phase, die ich je hatte. Es gibt aber noch viel, was ich verbessern will und muss und kann. Und deshalb bin ich auch sehr motiviert, daran zu arbeiten." Was ihm gerade fehlt, ist ein Coach. In Melbourne hat sein bisheriger, Andrei Pavel, gefehlt. Kein Problem: „Ich hab' mich Lars Übel mit Gojo ( Gojowczyk ) und Bachi ( Bachinger ) angeschlossen, und das hat sehr gut geklappt." Lars Übel verdiente sich auch gleich „Bonuspunkte." Er servierte Benni während der Pressekonferenz einen Teller mit Teigwaren - schön oder? 

                                                               
Eberhard Pino Mueller 

publiziert:    03 -  2015     DTZ  Deutsche Tennis Zeitung
                                        TAKEOFF-PRESS


Benjamin Beckers Lieblings-

Spieler
:  Früher Boris, Agassi und Ivanisevic, dessen Aufschlag habe ich im Training immer
              imitiert.

Stadt
:   Melbourne ist oben dabei. Es hat ein gewisses Kleinstadt-Feeling, das ich klasse
            finde.

Essen
:   Ich esse sehr gern asiatisch oder japanisch.

Belag
:   Gras und auch Hartplätze.

Turnier
:   Die Australian Open. Hier werden die Spieler am besten behandelt. Gewinnen
               würde ich aber am liebsten Wimbledon, wenn ich wählen könnte.

Hobby
:   Seit meiner Kindheit Basketball und jetzt die NBA, auch wegen Dirk ( Nowitzki ), mit
           dem ich Kontakt habe. Ab und zu spiele ich auch selbst mit meinen Kumpels in Dallas.   

Beschäftigung
:  Meine Familie.
   

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