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                     Trainerkarussell



Natürlich halten Trainer-Familienbeziehung oft nur in jungen Jahren, weil es viele Gründe für eine Trennung gibt. Oft liegt es gar nicht daran, dass keine Erfolge herauskamen, sondern an überehrgeizigen Eltern, was Jugendliche nur bedingt eine Weile ertragen. Oder, sie wollen sich abnabeln, ihre Karriere selbst in die Hand nehmen, um neue Erfahrungen auf höherem Niveau zu machen.

Wie Andrea Petkovic, die von ihrem Tennistrainer-Vater betreut wurde, bis sie es mit anderen Leuten versuchte. So war Ex-Profi Heinz Günthardt vorübergehend ihr Coach, der diesen Job aber nur für acht Wochen im Jahr als Teilzeitaufgabe übernehmen konnte. Danach kamen der Serbe Petar Popovic, der Niederländer Eric van Harpen, Jan de Witt und seit kurzem der Belgier Simon Goffin - typisch Petkovic, denn Monotonie ist nicht ihr Ding, auch nicht in Sachen Coaches.. 

Auch für Sabine Lisicki war der Papa, wenn sie nicht in der Bollettieri-Akademie in Florida trainierte, als Coach und Ratgeber bei Turnieren jahrelang hilfreich dabei, bis es zum Bruch kam, als Lisicki eine Beziehung mit dem Comedian Oliver Pocher einging. Ihre Trainerbeziehung mit Christopher Kas, der jetzt Mona Barthels betreut, dauerte wie die mit dem Spanier Salvador Navaro, der Flavia Pannetta 2015 zum US Open-Sieg gecoacht hatte, nicht lange. Sie will nun, nachdem es mit diesen Trainern nicht geklappt hat, zurück zu Nick Bollettieri und Chip Brooks, „die kennen mich seit zwölf Jahren und die haben schon einmal vieles richtig gemacht, sonst wäre ich nicht im Wimbledonfinale gewesen." 

Der Erfolg und Nichterfolg eines Coaches hängt von vielem ab. Er muss neben technischen und taktischen Ratschlägen herausfinden, was gut und was nicht gut für den Spieler ist, ein Wohlfühl Umfeld schaffen (Heinz Günthardt), die Kreativität nicht ersticken (Bob Brett) und auf die Persönlichkeitsentwicklung (Günter Bresnik) achten.

„Die Aufgaben eines Coaches sind ungemein komplex", sagt Heinz Günthardt, der schon Jennifer Capriati, Ana Ivanovic und acht Jahre Steffi Graf gecoacht und die „Gräfin" zu zwölf Grand-Slam-Titeln geführt hat. Eine Trennung ist sinnvoll, wenn man nicht weiterkommt, weil man sich nicht weiterentwickelt (Thomas Hogstedt). Viele deutsche Spieler/innen experimentieren deshalb auch immer wieder mit neuen Coaches. Jan-Lennard Struff nach Ute Strakerjahn und Christoph Reichert mit Carsten Arriens. Julia Görges nach sieben Jahren mit Sascha Nensel mit Michael Geserer und Mathias Mischka. Annika Beck nach Robert Orlik mit Francesco Aldi, Mark Derksen, Dirk Dier.












Apropos Angelique Kerber: Die braucht sich, mit ihren Grand-Slam-Siegen, der olympischen Silbermedaille und Platz eins in der Weltrangliste nicht um andere Coaches bemühen, wenn es so weiterläuft wie mit Torben Beltz, der Kerber schon in jungen Jahren trainierte und von dem Kerber sagt: „Der Torben hat den richtigen Draht zu mir und weiß, wie ich ticke."

Dennoch: Dauercoach-Beziehungen wie früher Björn Borg/Lennart Bergelin, Stefan Edberg/Toni Pickard, Rainer Schüttler/Dirk Hordorff und Bob & Mike Bryan mit David MacPherson, die zusammen 100 Doppeltitel geholt, sich aber gerade nach elf Jahren getrennt haben, wie auch Rafael Nadal mit seinem Onkel Toni kommen nur noch selten vor, da die Spieler zu erfolgsorientiert schnell abspringen. 

Für die Star-Coaches kein Problem, weil sie den Job ja eigentlich gar nicht brauchen. Eine Erklärung dafür, warum Top-Spieler, die ja Geld in Hülle und Fülle haben und sich alles leisten können, sich Star-Coaches holen, gibt Eric van Harpen (Coach von Patty Schnyder, Aranxta Sanchez-Vicario, Conchita Martinez, Anna Kurnikowa, Andrea Petkovic...): „Absolute Topspieler wie Djokovic machen eigentlich alles hundertprozentig: das Training, die Ernährung, die Fitness, haben das beste Material und sind mental top. Um jedoch vielleicht irgendwo noch eine halbes Prozent herauszukitzeln, verpflichten sie einen Ex-Tennisstar."

Das sieht auch Heinz Günthardt so: „Sie versuchen es mit allem, was sie ein kleines Stückchen weiterbringen kann. Es heißt doch, allein der Glaube versetzt Berge, so vielleicht auch, wenn ein Ex-Weltklassemann in der Spielerbox sitzt." Nicht neu, diese These. Auch Boris Becker sagte, als er Djokovic-Coach wurde: „Wenn jemand, der viel gewonnen hat, in der Umkleidekabine oder sonst wo erscheint, steht es in gewisser Weise schon 15 : O.

                             
Eberhard Pino Mueller

publiziert:   Dezember 2016  -- 
                 DTZ  - DEUTSCHE TENNIS ZEITUNG
                 
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