Sabine „Bine" Lisicki / Wimbledon 2009



Bine  -  ohne Wenn und Aber


Mit einer Gras-Allergie nach Wimbledon zu fahren, um auf Rasen Tennis zu spielen, ist eigentlich keine gute Idee. Und schon gar nicht, wenn man auf Gras noch nie ein Match gewonnen hat. Sabine Lisicki aber stört so etwas nicht. Sie spielte in Wimbledon, ohne sich verrückt zu machen. Und siehe da, sie gewinnt ihr Auftaktspiel gegen die Russin Anna Tschakwetadse. Ihr ganzer Kopf sei dicht und die Stimme im zweiten Satz plötzlich weg gewesen, erzählt sie flüsternd nach dem Zweistundenkampf. Nicht hierher zu kommen oder aufzugeben sei ihr aber nie in den Sinn gekommen.


Typisch Lisicki. Für Tennis tut die Neunzehnjährige alles. Ohne Kompromisse. „Ich will etwas im Tennis erreichen", sagt sie, und das gehe nur mit hundertprozentigem Einsatz und eisernem Willen. Lisicki ist wie Serena Williams. Sie hat den gleichen unbändigen Siegeswillen und glaubt immer felsenfest an einen Sieg. Deshalb ist es ganz egal, wer auf der anderen Seite des Netzes steht. Das irritiert ihre Gegnerinnen. So auch Swetlana Kusnezowa, die French-Open-Gewinnerin und Nummer fünf der Weltrangliste. Nachdem die ungesetzte Berlinerin die Russin abserviert hatte, kommt Lisicki lachend vom Platz und sagt mit der ihr eigenen Unbekümmertheit: „Wow, bin ich glücklich." Ach ja, passt zu ihr wie - nicht verwunderlich - der Name „Happy" zu ihrem Yorkshire-Hündchen.

Lisickis Wimbledon-Ausflug ist damit keineswegs beendet. Ihr nächstes Opfer, eine gute Freundin, die an neun gesetzte Carolin Wozniacki. Na ja, auch danach, gegen die Weltranglistenerste Safina im Viertelfinal, war was drin. Doch nach gewonnenem erstem Satz gehen ihr die Kräfte aus. Macht nichts. Lisicki wird mit oder ohne Allergie wieder kommen. Und so selbstbewusst und couragiert wie sie heute schon spielt, ist ihr sogar ein Sieg auf dem Heiligen Rasen irgendwann zuzutrauen.

                                                       
Eberhard Pino Mueller

publiziert:  August 2009    DTZ - Deutsche Tennis Zeitung



… weitere Sorys über Wimbledon und die All England Championships 2009 unter „TURNIERE" … Titel:  „Wimbledon - erstklassig, einmalig, eigenwillig"   
     

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