Thomas Mario Haas / Wimbledon 2009



Tommy  - inspiriert von Sara


Tommy Haas hatte für sich, seine Verlobte Sara Foster und den übrigen Anhang in Wimbledon ein Haus gemietet. Zu kurz, denn er hatte nicht damit gerechnet, solange im Turnier zu sein. Deshalb musste er die Vermieter mehrmals darum bitten, ihn nicht rauszuschmeißen.

Schuld daran war seine Freundin Sara, über die er sagt: „Sie gibt mir die Stärke, sie treibt mich an, ist meine Motivationskanone. Sie ist das Beste, was mir passieren konnte." Und so kam es, dass der einunddreißigjährige Oldie eine Runde nach der anderen gewann. Dazu beigetragen hatten auch Thomas Hogstedt, sein neuer und früherer Trainer, der ihn perfekt auf jeden Gegner einstellte, sowie Alex Stober, früher der Physiotherapeut von Pete Sampras, der auf Tommys Körper aufpasste. Eines ihrer Konzepte: Tommy muss ans Netz gehen. „In meinem Alter ist es besser, einfache Punkte zu gewinnen", so der Ex-Bollettieri-Schüler Haas in Anspielung an sein konsequentes Serve and Volley-Spiel, „ich hab' ja auch ein paar Meilen mehr herunter als die anderen."

Über die Nebenplätze hatte Tommy sich hochgespielt, bis er im Halbfinale gegen die Ikone Roger Federer auf den Centre Court durfte. Schon einmal, vor elf Jahren am Anfang seiner Karriere, durfte er da spielen. Gegen den großen Andre Agassi. Für Tommy noch heute „einer meiner schönsten Siege." Ein gutes Omen - doch diesmal war sein Gegner besser. Jedenfalls immer einen Tick, wenn es darauf ankam. „Ich habe nicht viel verkehrt gemacht, nur die wichtigen Punkte habe ich nicht gut genug gespielt."

Schade! - Tommy hat die Niederlage aber sofort weggesteckt. „Ich könnte nicht glücklicher sein, weil ich ein super Turnier gespielt habe." Schön auch, dass sich Tommy Haas in Wimbledon ein paar tiefsinnigere Gedanken über sein Tennisleben machte: „Alles passiert aus irgend einem Grund. Ich hatte viel Pech und habe gleichzeitig das Glück, immer noch dabei zu sein." Das dürfe man nicht als selbstverständlich ansehen. Auch habe man am Ende der Karriere noch ein ganzes Leben vor sich. Zurückblickend wolle er dann sagen können, er habe alles versucht.

                                                       
Eberhard Pino Mueller

publiziert:  August 2009    DTZ - Deutsche Tennis Zeitung



… weitere Sorys über Wimbledon und die All England Championships 2009 unter „TURNIERE" … Titel:  „Wimbledon - erstklassig, einmalig, eigenwillig"   
     

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