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und alles gibt, denn er hasst es, zu verlieren. Deshalb erinnert er sich auch noch heute an sein erstes Tennisturnier. „Ich war damals so zehn Jahre alt, da hat mir ein Dreizehnjähriger  9 : 0 auf die Socken gehauen." Sportlich war Waske in der Jugend auch noch in anderen Sportarten sehr aktiv und erfolgreich. Er war Hessenmeister im Baseball und Volleyball, Frankfurter Stadtmeister im Basketball und als kleiner Stöpsel auch mal Bezirksmeister im Schwimmen.   

Seine große Leidenschaft aber war immer auch Fußball. Er spielte in der Jugend-Bezirksauswahl und war einer der Besten. Als es darauf ankam, bei einem großen Fußball-Sichtungsturnier seine Klasse zu zeigen, konnte er nicht spielen, weil er gleichzeitig beim Abstiegsspiel für den Tennisbezirk punkten musste, um nicht aus dem Kader zu fliegen. Waske verpasste damals vielleicht eine große Fußballkarriere wie die seiner Kumpel. „Wenn ich jetzt", so Waske, „bei Klinsmann spielen dürfte, würde ich sofort tauschen."   

Natürlich, weil es da auch viel mehr Geld gibt. Er lacht. „Du bist 30", sagt Waske und nimmt sich selbst auf den Arm, „da denken Sponsoren, der sitzt doch in zwei Jahren im Rollstuhl." Von wegen. Der Nichtraucher und Antialkoholiker Waske hat im Tennis noch einiges vor. Deshalb will er auch nicht über das, was nach Tennis kommt, sprechen. „Ich glaube", sagt er, „du nimmst dir Energie weg, wenn du das Danach schon zu sehr planst." 

Waske ist nicht mehr damit zufrieden, gut zu spielen. Er will gewinnen. Auch gegen einen wie Nadal. „Ich muss, und daran denke ich im Match", sagt Waske, „draufhauen, dass es kracht. Auch beim zweiten Aufschlag, denn wenn ich die Bälle nur halbschwul reinspiele, krieg ich sie um die Ohren."

publiziert:  August 2005  DTZ                    Eberhard Pino Mueller



Alexander Waske .… über sich:

Selbstbewusst?  Ja, bin ich schon…
Ehrgeizig?  Auf jeden Fall…
Diszipliniert?   Im Vergleich mit normalen Menschen ja, aber ein Rainer Schüttler ist mir Welten voraus…
Sparsam?  Ich bin keiner, der Geld für Luxus ausgibt… 
Lebenslustig?  Ja, ich habe Spaß im Leben…
Arbeiter?  Wenn es drauf ankommt ja. Für große Ziele muss man hart arbeiten… 
Zocker?  Immer. Ich riskiere lieber etwas, als dass ich den Schwanz einziehe…
Unüberlegt?  Manchmal ist mein Mund schneller als mein Kopf…
Spleenig?  Eigentlich nicht. Ich bin schon irgendwie deutsch…
Abergläubisch?  Nee, nicht wirklich…
Stolz?  Ja, wenn ich für Deutschland spiele…
Genervt?  Es geht mir auf den Sack, wenn Leute bescheißen oder unfair sind…
Sensibel?  Manches geht mir schon unter die Haut. Etwa Kinder, die unheilbar krank sind
oder keine Chance haben im Leben. Oder Leute, die in Blechhütten in Elend wohnen…
Schwächen?  Meine Beinarbeit. Es heißt, ich bewege mich manchmal wie in Kühlschrank…
Ziele?  Ich will im Doppel bei der Olympiade in China spielen…

…. über Menschen, die ihm imponieren:

Boris Becker:  Ich bin wie Millionen Menschen am Fernseher gesessen und hab' ihn bewundert…
Thomas Muster: Wahnsinnig, wie der gekämpft hat und mit Spielern, die mehr Talent hatten, mithalten konnte…
Lance Armstrong: Ich bewundere Sportler, die nach Rückschlägen zurückkommen und sich mit unbändigem Willen wieder hocharbeiten…
Helmut Schmidt:  Der Mann hatte gute Ansichten. Was in der Politik heute passiert, ist eine Frechheit. Die Politiker handeln doch mehr parteipolitisch als zum Wohle von Deutschland… Komödianten:  Finde ich irre. Ich bewundere Leute, die etwas gut können, auch wenn sie nicht berühmt sind. Einen Daniel Elsner, der schon nach einem halben Jahr herrlich Gitarre spielen konnte. Oder Adrian Garcia, ein chilenischer Tennisprofi, der auch Berufsmusiker hätte werden können.

…. über seine Vorlieben:

Lieblingsturnier:  BMW Open in München…
Belag:  schneller Sand in einer Höhenlage wie München…
Schlag:  Rückhand-Cross…
Essen:  asiatisch…
Beschäftigung: Fußball spielen…
Auto:  Geländewagen von BMW oder Mercedes…


Alexander Waske - Der Spätstarter

Er ist anders als seine Berufskollegen. Auch sein ganzes Sportlerleben war anders. So anders, dass es ihn eigentlich als Tennisprofi auf der Tour gar nicht geben dürfte.

Anders ist dieser Alexander Waske auch bei den Gerry Weber Open gewesen, an jenem Mittwochnachmittag, als er Rafael Nadal sensationell besiegt hatte. Der 195. der Weltrangliste die Nummer zwei, den spanischen Tennis-Superstar, der zuvor 24 Matches in Folge, sechs Turniere in 2005 und zuletzt die French Open in Paris gewonnen hatte.

Geduldig und wie selbstverständlich hat er an diesem ungewöhnlichen Tag in Halle auch einzelne Interviewwünsche erfüllt und viel über sich erzählt. „Komisch", sagte er, „ich fühl' mich jetzt nicht, als ob ich den Mont Everest bestiegen hätte. Alle meinen nun, dies sei mein größter Erfolg. Doch das größte Ding in meinem Tennisleben, das waren die 'sweet-sixteens' auf dem College."

Es ist merkwürdig, aber eben auch typisch Waske, dass er sich an so einem großartigen Tag an frühere Tennistage mit ganz anderen Träumen erinnert. An sein International Business Studium mit einem befristeten Stipendium als Tennisspieler an der San Diego State University. An das dritte College-Jahr, als er für Wohnen, Essen und das Leben selbst aufkommen musste, weil der Tenniscoach für die acht Kaderspieler nur vier Stipendien zur Verfügung hatte. An die harte Zeit, als er sich die billigsten Nudeln, einen Fraß, der „beschissen" schmeckte, im Supermarkt kaufen musste. An das Tennisteam, für das er sich verrissen hat, weil er so leidenschaftlich dabei war. An das Jahr 2000, sein letztes auf dem College, als sein Tennisteam sich für die NCAA, die Ausscheidungskämpfe der besten 64 Mannschaften in Amerika, qualifizierte.

Und an den Tag, als sie gegen das in Amerika an drei gesetzte Team antraten. „Die hatten", so Waske mit funkelnden Augen, „eine große Klappe und waren siegessicher. Doch dann haben wir sie 4:2 rasiert. Das war unglaublich, denn noch nie hatte San Diego das Finale der besten 16 amerikanischen Teams, die 'sweet-sixteens', den krönenden Abschluss der jährlichen College-Meisterschaften geschafft. Das war der größte Moment für mich und auch unheimlich wichtig, weil ich dafür viel investiert hatte."

Ungewöhnlich, was Waske aus seinem Leben dann gemacht hat. Dass einer, der seine Schläger selber kaufen musste, nach Abitur, einer zweijährigen Banklehre, einem Jahr Bundeswehr als Sanitätssoldat und drei Jahren High School, mit 25 Jahren Tennisprofi werden will, ist nicht normal. Ein bisschen hatten ihn seine amerikanischen Coachs Larry Willens und John Nelson dazu verleitet. „Larry und John", sagt Waske, „verdanke ich mein Tennis, mein Angriffsspiel, meine Doppelstärke und professionelles Verhalten. Die haben auch gleich an mich geglaubt, und Larry hat mir schon, als ich nicht mal einen Punkt auf der Weltrangliste hatte, prophezeit, dass ich es unter die Top-100 schaffen kann." 

Und wirklich, 2003 war Waske die Nummer 100 der Welt, die Nummer 3 in Deutschland und deutscher Mannschaftsmeister mit ETUF Essen. Es kam aber noch besser. Seine besonderen Qualitäten im Team und als Doppelspieler sind auch Patrik Kühnen, dem deutschen Davis Cup-Teamchef aufgefallen. Inzwischen ist Waske ein wichtiger Mann in der Davis Cup-Mannschaft. Auch hatte er mit Tommy Haas alle entscheidenden Doppelpunkte beim World Team Cup, der Mannschaftsweltmeisterschaft in Düsseldorf, geholt.

„Ich war", so Waske, „nach diesem unerwarteten Erfolg völlig platt, nicht körperlich, sondern mental ausgelaugt. Ich fühlte, als ich mit meinem Auto von Düsseldorf nach Frankfurt fuhr, nur eine wahnsinnige Leere. Weltmeister zu sein, das war so irre, das musst ich erst verdauen."

Was wäre aus Alexander Waske wohl geworden, wenn er nicht so viel Zeit vor seiner Tenniskarriere verloren hätte? „In Deutschland möglicherweise kein guter Tennisprofi", wendet Waske sofort ein, „mir liegt die coole amerikanische Art, der Traum, es zu etwas zu bringen und positiv zu denken. Die oft negative Einstellung der Deutschen ist hinderlich bei der Karriere."

Waskes Erfolge mit 30 Jahren sind möglich, weil er sich immer voll reinhängt

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