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Anna-Lena Grönefeld

Die große Hoffnung



Anna-Lena ist zu beneiden. Sie kann Tennis spielen. Sehr, sehr gut sogar. Und, sie ist jung und sieht gut aus. Groß, blond, blaue Augen, braungebrannt. Vom Typ her, zumal in ihrem gelben Tennishemd, wie eine Schwedin. Anna-Lena Grönefeld, in Nordhorn geboren, ist im Norden Deutschlands aufgewachsen. Doch jetzt trainiert sie in Amerika, in einem Tenniscamp in Scottsdale / Arizona. Aus gutem Grund. Sie will als Tennisprofi dahin, wo sie als Jugendspielerin war. Unter die Besten. Und dafür ist ihr kein Ort zu weit weg.

Ihre Erfolge in der Jugend zeigen, sie hat viel drauf. Da hatte sie ihre Gegnerinnen reihenweise abserviert. Endspiele bei der Orange Bowl und den USTA Championships sowie Siege bei der Astrid Bowl und beim Jugendturnier in Roland Garros brachten sie bis auf Platz eins der Jugendweltrangliste. 

All das zählt aber heute nicht mehr. Nur die Damenweltrangliste. Ihre Plätze 561 (2002), 120 (2003), 75 (2004). Es geht aufwärts. Anfangs schnell, inzwischen langsamer - die Luft wird oben dünner. „Es ist", so die Neunzehnjährige, „ein großer Sprung vom Jugend- zum Damentennis. Generell ist alles nicht mehr so einfach. Du bekommst keine leichten Punkte geschenkt, musst dir jeden Punkt erarbeiten, darfst die Gegnerinnen nicht mit einfachen Fehlern aufbauen und deine Chancen nicht vergeben."

Erste Erfahrungen im Profitennis hatte Grönefeld als Jugendliche bei kleineren Turnieren gesammelt und das Turnier-Limit unter 18 voll ausgeschöpft. „So habe ich, Gott sei Dank, schon früh mitgekriegt, worauf es ankommt auf der WTA-Tour. Zum Beispiel, dass alle sehr professionell sind, man nur mit harter Arbeit vorwärts kommt, du um jeden Punkt kämpfen und dein bestes Tennis, wenn es darauf ankommt, spielen musst." Sie sagt das mit leicht amerikanischem Akzent. Warum? „Ich denke auf Englisch, wenn ich über Tennis rede." 

„Mit Tennis", erzählt die Nordhornerin, „fing ich mit fünf Jahren an. In einem Club um die Ecke mit meinem Vater und größeren Bruder Bastian. Meine sportinteressierten Eltern spielten da hobbymäßig. Sie haben mich und auch meinen Bruder, der auf der ATP-Tour gespielt hat, aber jetzt ein Praktikum für ein Medizinstudium an einem Krankenhaus macht, immer unterstützt. Ohne sie hätte ich das nie geschafft. Vor allem meiner Mutter verdanke ich viel. Sie hat mich immer mittags nach der Schule zum Training nach Osnabrück gefahren und die ganze Zeit gewartet, denn erst abends gegen acht Uhr kamen wir wieder zurück." 

Und wann wollte sie Tennisprofi werden? „Es hat sich", so Anna-Lena Grönefeld, „eigentlich mehr entwickelt. Ein Wendepunkt war natürlich, als ich nach der zehnten Klasse das Gymnasium verlassen und mich ganz dem Tennis hingegeben habe. Da habe ich mich gut für Tennis gefühlt. Meine Zukunft", sagt sie und lacht, „lag in den Sternen. Ich wusste ja nicht, was auf mich zukommt."

Amerika kam. Eine Zufallsgeschichte. Das von
Adidas ge





sponserte Mädchen brauchte für ein Challenger-Turnier in Phoenix eine Wildcard, die ihr ein gewisser Rafael Font de Mora verschaffte. Diese Gefälligkeit kam zustande, weil Font de Mora, der Chefcoach einer nahegelegenen Tennisakademie, mit
Adidas kooperiert. Und weil Font de Mora vom Tennis der Deutschen beeindruckt war, nahm er sie gleich unter seine Fittiche.

Ein Glücksfall auch für Anna-Lena Grönefeld. Ideale Trainingsbedingungen im Camp, fast immer schönes Wetter in Arizona, nette Gasteltern, die sich um sie kümmern, und ein toller Coach. Und was hat der Mann, was zeichnet ihn aus? „Rafael liebt den Sport", sagt Grönefeld, „er arbeitet sehr viel und engagiert, ist sehr energiegeladen, total professionell und immer motiviert, hat eine unglaubliche Arbeitsmoral und puscht mich dauernd." Der Mann, der auch die Amerikanerin Meghann Shaughnessy trainiert und unter die Top-Zwölf gebracht hat, hat das auch mit Anna-Lena vor.

Wo immer Anna-Lena Grönefeld Turniere spielt, Font de Mora ist dabei. Auch bei jedem Match. Er sitzt dann da, macht Notizen, ballt die Faust, sucht Blickkontakt, fiebert mit, klatscht, feuert an und ist geladen, als ob er selbst den Kampf führen müsste. „Es ist", sagt Anna-Lena Grönefeld, „gut, dass ich auch ein Feedback von Rafael bekomme und darauf im Match reagieren kann."

Font de Mora kümmert sich auch neben dem Platz um Anna-Lena. Mit einem Stab von Leuten für Fitness, Ernährung, Taktik, Sportpsychologie, Gesundheit, Massagen. Volles Programm. Jeden Tag mindestens sechs Stunden. „Macht nichts", sagt Anna-Lena Grönefeld, „Gott sei Dank liebe ich meinen Job. Ich komme gut zurecht, auch in Amerika. Ich vermisse da nur, dass ich nicht, wie zu Hause, mal schnell mit dem Rad in die Stadt fahren kann und das gute, deutsche Brot."

Discos, Partys oder Strand wären schön, aber stören ihr Tennis. Auch ist sie nach dem harten Training dafür meist zu kaputt. Aber für Kino, Shopping, Fernsehen und Musikhören bleibt immer ein bisschen Zeit. Besonders für Musik. „Meinen I-Pod finde ich cool, ich höre nämlich gern R'n'B, Hip-Hop, Pop, Rap und Rock, eigentlich alles außer..." Sie wollte Techno sagen, aber es kam ein „Huuuuch.. igitt", als plötzlich ein Riesenschiss von einem Vogel haarscharf an ihrem Kopf vorbei neben ihrem Handy auf den Tisch klatschte. Sie lacht. „Bringt Glück", sage ich, „wer weiß, vielleicht wie einem Rainer Schüttler. Der hatte, nachdem ihm hier in Australien vor zwei Jahren ein Vogel auf den Kopf geschissen hatte, ein tolles Jahr."

publiziert:  April 2005  DTZ       Eberhard Pino Mueller       


Facts & Infos: Anna Lena Grönefeld
Geburtstag:             04. Juni 1985
Profi:                       seit 1985
Sponsoren:             Adidas (Bekleidung), Wilson (Schläger)
Stärken:                  Vorhand und erster Aufschlag
Idol:                         Steffi Graf, weil sie großartig war
Lieblingsspielerin:   Kim Clijsters, weil sie immer nett ist
Lieblingsfarbe:        gelb ( Sonnenblumen )
Lieblingsküche:       italienisch
Aberglaube:            benutzt immer die gleiche Dusche bei Turnieren
Sport:                      Tennis, Handball, Basketball, Gymnastik
Hobby:                     Klavier spielen
Homepage:              www.algroenefeld.com

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