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Barbara Rittner... Fortsetzung von vorheriger Seite:

Und was ist mit den persönlichen Trainern der einzelnen Spielerinnen?

Das machen wir wie immer. Bis Donnerstag möchte ich die Spielerinnen allein haben. Wenn gewünscht, können ab Freitag bis Sonntag auch Privat-Trainer dabei sein, die dann zum engeren Kreis, aber nicht zum Team gehören. Ich stehe eh eng mit denen in Verbindung. Und weil das Vertrauensverhältnis untereinander groß ist, mischt sich da keiner ins Team ein.

Welche Möglichkeiten haben Sie für das Doppel im Kopf?

Bisher hab' ich auf das Doppel Grönefeld-Görges gesetzt, die aber immer erst zum Einsatz kamen, als die Partie entschieden war. Jeder weiß, wir haben aber auch mit Petkovic und Lisicki sehr gute Doppelspielerinnen. Es kommt nun darauf an, so zu nominieren, dass gute Kombinationen im Doppel machbar sind. Angie ist dann eher im Einzel gesetzt und die anderen können miteinander auch Doppel spielen.

Wäre ein Sieg mit der Mannschaft für Sie schöner als Ihr Fed-Cup-Sieg als Spielerin?

Das kann man nicht vergleichen. Das sind zwei verschiedene Geschichten. Es war natürlich eine Riesen-Ehre und ein tolles Ding mit Steffi und Anke (Huber) im Team zu sein und den Titel zu holen. Doch jetzt stecken da zehn Jahre harte Arbeit drin, und es wäre eine riesige Genugtuung und Freude, zu gewinnen. Aber auch im Finale zu stehen ist phantastisch und großartig.

Wie werden Sie die Spielerinnen vor dem Finale in Prag ablenken?

Sie abzulenken, wird schwer sein. Da gibt es viel Trubel, mit viel Presse vor Ort. Wir werden es wie immer machen. Der Fokus liegt auf dem gemeinsamen Training, auch werden wir zusammen essen und vielleicht mal einen Film gucken und die Abende gemeinsam im Hotel  verbringen. Also nichts Außergewöhnliches, weil der Fokus, wie gesagt, auf dem Training liegt. Wer mal eine Stunde die Stadt anschauen will, kann das mittags machen, aber total freiwillig.

Was waren Ihre schönsten Erlebnisse beim Fed Cup?

Auf jeden Fall der Sieg in Brisbane, als wir es geschafft haben, ins Finale zu kommen. Auch der Sieg in der ersten Runde gegen das starke Team der Slowakei. Oder in der Vergangenheit der Wiederaufstieg in Japan mit einem ganz jungen Team. Es gab viele tolle Momente, aber jetzt ist es das absolute Highlight.

Und was Ihre schlimmsten Erinnerungen?

Die Abstiege. Etwa in Stuttgart und das auch noch zu Hause. Oder auch die vielen Verletzungen, die wir immer wieder wegstecken mussten. Bine verletzt, Petko verletzt, das waren schon ganz bittere Momente.







Wer meldet sich bei Ihnen, wenn Ihr Team spielt?

Es war eine tolle Anteilnahme von allen Seiten in diesem Jahr mit vielen SMS und E-Mails, vor allem immer auch von Leuten, die uns nahe stehen. Mathias Müller von Porsche (der Vorstandsvorsitzende, Anm. der Red.) schreibt immer. Auch Sigmar Gabriel (SPD-Politiker, Anm. der Red). Michael Stich wünscht mir immer viel Glück. Steffi meldet sich jedes Mal. Sie hat uns auch in Australien angerufen und viel Erfolg gewünscht. Auch Klaus Hofsäß, mein Vorgänger beim Fed Cup, vergisst uns nie. Es ist schön, dass sie immer mitfiebern und sich auch melden, wenn wir nicht gewonnen haben.

Sie haben die Gegnerinnen auch hier bei den US Open studieren können. Wie stehen die Chancen?

Zu Petra Kvitova, der Wimbledon-Siegerin, braucht man nichts sagen. Aber auch Safarova, glaube ich, spielt
stabil und Strycova dahinter spielte eine tolle Saison. Wir müssen absolute Top-Leistungen abrufen, wenn wir überhaupt eine kleine Chance haben wollen. Sie haben ja auch noch den Riesenvorteil, in den letzten vier Jahren dreimal im Finale gestanden und zweimal gewonnen zu haben. Das sind Erfahrungen, die wir nicht haben, und wo wir sehen müssen, wie man in so einer Situationen klar kommt.   

Ihr Ziel war, neue frische Talente in die Weltspitze zu führen. Sind Sie zufrieden, das erreicht zu haben?

Grundsätzlich kann ich zufrieden sein. Jugendarbeit macht ja auch immer viel Spaß. Man darf aber nie richtig zufrieden sein. Die jetzige Generation kann noch drei bis fünf Jahre spielen, aber dann kommt die nächste. Und solange ich den Job mache, habe ich den Auftrag, das weiterzuführen. Ich bin sehr, sehr dankbar, dass Porsche uns unterstützt. Ohne Porsche wäre es in dem Rahmen gar nicht möglich gewesen. Auch meine Arbeit nicht. Ja, mal schauen, was noch kommt.

Wer von Euch fährt jetzt einen Porsche?

Die Mädels und ich fahren einen Porsche-Macan, das neue Model vom Cayenne. Nur Lisicki nicht, die ja Peugeot-Botschafterin ist. An Kerber, Petkovic, Görges, Grönefeld und auch Beck wurden die ersten fünf Autos vergeben.

Wie lange denken Sie noch weiterzumachen?

Das ist eine schwere Frage. Mein Vertrag läuft im nächsten Jahr aus. Es wird dann Gespräche geben, und da muss man mal sehen. Im Moment ist noch alles offen.

Werden Sie einmal ein Buch über Ihre Fed-Cup-Erlebnisse schreiben?

Vielleicht wenn wir mal gewonnen haben. Sonst sicher nicht. Auch dann muss ich noch darüber nachdenken. Noch ist nichts in der Planung.

                                                               
Eberhard Pino Müller

publiziert:  Oktober 2014  --  DTZ Deutsche Tennis Zeitung

                                               
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